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Bagdad: Al-Kaida-Gruppe bekennt sich zu Gefängnisangriffen

Der irakische Ableger des Terrornetzes Al-Kaida hat sich zur spektakulären Erstürmung zweier Gefängnisse im Irak bekannt. Mehr als 500 Gefangene, darunter mehrere Terroristen, seien befreit worden.

Die Extremistenorganisation Al-Kaida hat sich zu der Massenbefreiung von Häftlingen aus einem irakischen Gefängnis bekannt, bei der am Montag rund 500 Insassen entkamen. Die irakischen Behörden hatten zunächst erklärt, Angriffe auf die Haftanstalten in Abu Ghraib und Tadschi seien abgewehrt worden. Später erklärten sie, bei den militärisch geführten Angriffen auf die Gefängnisse seien rund 500 Häftlinge entkommen. "Die meisten von ihnen sind hochrangige Al-Kaida-Mitglieder, die zum Tode verurteilt waren", sagte Hakim Al-Samili vom Parlamentsausschuss für Sicherheit und Verteidigung.

Bei stundenlangen Gefechten in den Haftanstalten waren in der Nacht zum Montag mindestens 20 Sicherheitskräfte und 21 Häftlinge getötet worden. Der Abgeordnete Hakim al-Samili sagte, in Abu Ghraib sei "rund 500 Häftlingen" die Flucht gelungen. Aus dem Gefängnis von Tadschi habe hingegen kein Insasse entkommen können.

108 Gefangene wieder festgenommen

Der Al-Kaida-Ableger "Islamischer Staat des Iraks und Levants", der in diesem Jahr durch die Vereinigung von Gruppen im Irak und in Syrien gebildet wurde, erklärte im Internet, den Angriffen seien monatelange Vorbereitungen vorausgegangen. Vor einem Jahr hatte der irakische Al-Kaida-Führer, Abu Bakr al-Baghdadi, eine Kampagne zur Befreiung von inhaftierten Extremisten unter der Losung "Reisst die Mauern ein" (Breaking the Walls) angekündigt. Der Angriff auf die Haftanstalten sei die Reaktion auf den Aufruf Al-Baghdadis gewesen, hieß es im Internet.

Die meisten der flüchtigen Häftlinge seien hochrangige Al-Kaida-Funktionäre, die zum Tode verurteilt worden seien, sagte al-Samili, der dem Parlamentsausschuss für Sicherheit und Verteidigung angehört. Ein Sprecher des Justizministeriums wollte die Zahl der Entflohenen nicht kommentieren. 108 von ihnen seien aber bereits wieder festgenommen worden, sagte er am Dienstagmorgen.

Das Gefängnis von Abu Ghraib wurde nach der US-Invasion im Irak wegen der Misshandlung von Häftlingen durch US-Soldaten weltweit bekannt. Der Folterskandal wurde 2004 durch die Veröffentlichung von Fotos publik. Elf US-Soldaten wurden später zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt.

jat/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters