Berlusconi vs. Prodi Keiner hat gewonnen


Das mit Spannung erwartete Fernsehduell endete nicht im großen Krach, aber einen Sieger gab es auch nicht. Italiens Regierungschef Berlusconi und sein Herausforderer Prodi machten sich gegenseitig für die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes verantwortlich.

Weder der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch sein Herausforderer Romano Prodi sind als eindeutiger Gewinner aus ihrem ersten Fernsehduell hervorgegangen. Der geschulte Medienmann Berlusconi warf seinem Kontrahenten vor, die Wahrheit zu verzerren und "schamlose" Antworten zu geben. Der frühere EU-Kommissionspräsident Prodi hielt diesem Druck aber Stand und warf dem Amtsinhaber vor, fünf Jahre an der Regierung verschwendet und in dieser Zeit das Land gespalten zu haben. Prodis Mitte-links-Bündnis liegt in jüngsten Umfragen rund vier Prozentpunkte vor dem Regierungslager. Eine Erhebung zeigte jedoch, dass noch rund ein Viertel der Wähler unentschlossen war, wem es beim Urnengang am 9. und 10. April die Stimme geben sollte.

Berlusconi überzog Zeitlimit

Waren frühere TV-Duelle in Italien noch locker angegangen worden, so war jenes vom Dienstagabend von einer strikten Reglementierung geprägt: Das Aufeinandertreffen fand in einem farblosen Fernsehstudio statt und folgte den Regeln, die zuletzt im US-Wahlkampf gegolten hatten. Für die Statements der Kandidaten wurde eine Zeitbegrenzung festgelegt, und während einer von beiden sprach, wurde die Reaktion des anderen nicht gezeigt. Dabei überzog Berlusconi regelmäßig die Zeit, die ihm für Antworten vorgegeben worden war. Am Ende beschwerte er sich über die Einschränkungen. "Mir scheint, als hätten wir es nicht geschafft - zumindest soweit es mich betrifft, den Italienern zu sagen, was sie wissen sollten", räumte der Regierungschef ein.

Der Oppositionsführer versuchte, seinen Ruf als farbloser Politiker abzustreifen. Immer wieder lächelte er, blickte direkt in die Kamera und forderte die Wähler auf, ihm eine Chance für die Wiederbelebung der Wirtschaft zu geben, die über die vergangenen fünf Jahre kaum gewachsen ist. "Jetzt wird jemand gebraucht, der entschlossen und uneigennützig ein Gefühl der Einigkeit zurückgibt, dieses Gefühl, dass den Menschen verdeutlichen kann, dass Italien ein großartiges Land ist."

Gegenseitige Vorwürfe

Berlusconi zog Prodis Antworten ständig ins Lächerliche. "Ich kann meinen Ohren und Augen nicht trauen", sagte er etwa lächelnd und schüttelte dabei den Kopf. Dann warf er dem Rivalen vor, bloß ein "Strohmann... eine Fassade" seines Bündnisses zu sein. In einem seltenen Augenblick der Anspannung forderte Prodi mehr Respekt ein. Er kritisierte Berlusconis ständige Vorwürfe, er habe verschiedene Probleme von der Mitte-links-Regierung geerbt, als er 2001 an die Macht kam. "Sie reden, als seien Sie in der Opposition gewesen. Was haben sie in diesen fünf Jahren mit einer Mehrheit von 120 Parlamentssitzen getan? Gesetzen zugestimmt, die nur Sie selbst betrafen?"

Den Großteil der Debatte nahm die Wirtschaftspolitik ein. Die beiden Kontrahenten legten ihre Pläne für die Steuerpolitik dar und machten sich gegenseitig für die Preissteigerungen nach Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 verantwortlich. Ein zweites und letztes Fernsehduell von Berlusconi und Prodi ist für den 3. April geplant, eine Woche vor der Wahl. Für die beiden Kontrahenten war es nicht das erste Fernsehduell: Sie traten bereits 1996 gegeneinander an. Damals war es Prodi, der an den Wahlurnen den Sieg davontrug.

Reuters/AP AP Reuters

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