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Treffen in Biarritz: Küsschen für die Kanzlerin und Protestaktionen – die besten Bilder vom G7-Gipfel

Die Chefs der sieben führenden westlichen Industriestaaten sind im französischen Badeort Biarritz am Atlantik zu ihrem dreitägigen G7-Gipfel zusammengekommen. Das heiter bis schwierige Treffen in Bildern. 

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, rauft sich die Haare

Offenbar zum Haare raufen: Boris Johnson (M), Premierminister von Großbritannien, nimmt am Montag zusammen mit Giuseppe Conte, scheidender Ministerpräsident von Italien, an einer Arbeitssitzung zu Klimapolitik und Biodiversität teil

DPA

Trotz großer Differenzen haben die G7-Staaten am Montag auf ihrem Gipfel im französischen Biarritz seltene Eintracht demonstriert. Bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel begrüßte US-Präsident Donald Trump große Fortschritte - "selbst beim Iran". Er zog eine positive Bilanz des dreitägigen Spitzentreffens: "Wir haben einen sehr erfolgreichen G7." Selbst in Handelsfragen schlug Trump versöhnliche Töne an. Er verkündete, dass die USA und China in ihrem Handelskrieg "sehr bald" neue Verhandlungen aufnehmen wollten. 

Nachdem frühere Begegnungen zwischen Merkel und Trump eher unterkühlt verlaufen waren, überhäufte der US-Präsident die Kanzlerin mit Lob. "Sie ist eine brillante Frau." Trump will auch "sehr bald" nach Deutschland kommen. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 war Trump - trotz mehrfacher Einladungen - noch nicht zu einem bilateralen Besuch in Deutschland, hatte aber andere EU-Staaten zum Teil schon zweimal besucht. "Ich habe Deutsches in meinem Blut", sagte der US-Präsident, dessen Vorfahren aus Kallstadt in Rheinland-Pfalz kommen. 

Die ungewöhnlich freundliche Begegnung zwischen Merkel und Trump demonstrierte einmal mehr eine gewisse Entspannung im Verhältnis zwischen den G7-Partnern und Trump, der in Biarritz versöhnliche Töne anschlug, während er sonst bevorzugt mit Twitternachrichten kräftig austeilt. Auch nach dem Wirbel um den heiklen Überraschungsbesuch des iranischen Außenministers Mohammed Dschawad Sarif am Sonntag am Rande des Treffens der Staats- und Regierungschefs zeigte sich Trump entspannt.  

Abendessen zum Auftakt

Zum Auftakt des G7-Gipfels in Biarritz hatte der französische Staatschef Macron am Samstag seine Gäste zu einem Abendessen in dem schicken Seebad am Atlantik empfangen, darunter auch Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs aus Italien, Kanada und Japan sowie EU-Ratspräsident Donald Tusk. Am Sonntag standen Handelsstreitigkeiten und die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet auf der Tagesordnung. Es ist der wichtigste der insgesamt drei Gipfeltage gewesen.  

Trump zeigte sich zufrieden mit dem Auftakt. "Wir haben sehr gute Treffen, die Anführer kommen sehr gut miteinander aus", schrieb er auf Twitter. Ein zweistündiges Mittagessen mit Macron nannte er "das beste Treffen, das wir bislang hatten". Frankreich und Macron hätten bislang einen großartigen Job bei dem "sehr wichtigen" Gipfel gemacht. 

Noch vor seinem Abflug hatte Trump Macron mit Strafzöllen auf französische Weine gedroht, falls dieser bei der geplanten Digitalsteuer bleibe, die besonders US-Internetunternehmen wie Google oder Amazon treffen würde. Das letzte G7-Treffen in Kanada hatte Trump sogar nachträglich platzen lassen. Aus Verärgerung über den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau kündigte er aus dem Flugzeug per Twitter das Abschlussdokument wieder auf. In diesem Jahr ist unklar, ob es überhaupt eine umfassende Gipfelerklärung geben wird.

Verwirrung gab es über die G7-Beratungen zum Streitthema Iran. Französische Diplomaten erklärten, dass Macron damit beauftragt worden sei, eine gemeinsame Botschaft an Teheran zu richten. Trump dementierte das. "Ich habe das nicht diskutiert", sagte er. Der US-Präsident sagte aber auch, dass er nichts gegen einen solchen Schritt hätte.

Konferenztisch mit Trump, Johnson und weiteren Personen

In der Iran-Politik sind die USA und die Europäer tief zerstritten. Die USA wollen den Iran mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem Kurswechsel in der als aggressiv erachteten Außenpolitik zwingen. Die anderen G7-Staaten setzen dagegen weiter auf das Atomabkommen mit dem Iran, aus dem die USA ausgestiegen sind. Es soll wirtschaftliche Anreize für den Iran bieten, um den Bau einer Atombombe zu verhindern. 

Seinen Handelskrieg mit China hatte Trump unmittelbar vor dem Gipfel noch einmal verschärft, die anderen G7-Partner drängen den US-Präsidenten dagegen, grundsätzlich von Strafzöllen abzusehen. Trump sagte in Biarritz zu den Differenzen mit den Europäern: "Ich denke, dass sie den Handelskrieg respektieren."

Biarritz zur Festung umgebaut

Bei den Protesten gegen den G7-Gipfel außerhalb von Biarritz kam es vereinzelt zu Ausschreitungen. Mindestens 68 Menschen seien festgenommen und 38 von ihnen in Polizeigewahrsam genommen worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die örtliche Präfektur.

In Bayonne, der Nachbarstadt von Biarritz, waren am Abend bei einer ungenehmigten Demonstration Steine geflogen, die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer und Tränengas ein.  

Der Gipfel der G7 im rund 30 Kilometer entfernten Biarritz wird bis zum Montag dauern, der Ort liegt ebenfalls im spanischen Baskenland. Biarritz wurde zu einer Festung umgebaut, Kundgebungen sind dort nicht erlaubt. Das Toptreffen wird von über 13.000 Einsatzkräften geschützt. In Bayonne, der Nachbarstadt von Biarritz, wurden Proteste befürchtet.

G7-Gipfel sagt 20 Millionen Dollar für Waldbrände in Südamerika zu

Im Kampf gegen die verheerenden Brände des Amazonas-Regenwaldes in Südamerika haben die G7-Staaten eine Soforthilfe von 20 Millionen US-Dollar (rund 17,9 Millionen Euro) zugesagt. Das sagte der chilenische Präsident Sebastián Piñera in Biarritz an der Seite von Frankreichs Staatschef Macron. 

In einem zweiten Schritt solle im September bei der UN-Vollversammlung eine Amazonas-Initiative gestartet werden. Dabei solle es auch um Aufforstung gehen, sagte Macron. Er hatte das Thema Waldbrände kurzfristig auf die Tagesordnung des Treffens der großen Industrienationen (G7) gesetzt. 

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Die Zahl der Feuer stieg nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE seit Anfang des Jahres um 83 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

tib / ivi / fs / DPA