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Boko Haram: Nigeria hofft auf Freilassung entführter Schülerinnen

Die von Boko Haram verschleppten Mädchen sollten freigelassen werden, dann dementierte die Extremistengruppe. Doch die Hoffnungen der Angehörigen in Nigeria wachsen, das Militär verhandelt.

Aktivisten der Kampagne "#Bring Back Our Girls" in Nigeria

Aktivisten der Kampagne "#Bring Back Our Girls" in Nigeria

Sechs Monate nach der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen durch die Terrororganisation Boko Haram wachsen in Nigeria die Hoffnungen auf ihre Freilassung. Vertreter der Regierung und der Islamistenmiliz sagten dem US-Sender VOA, die Mädchen könnten am kommenden Montag freikommen. Ähnliche Ankündigen hatten sich zuvor als unzuverlässig erwiesen.

Nigerias Militär hatte am Freitag erklärt, mit Boko Haram sei eine Waffenruhe vereinbart worden. Verhandlungen über die Freilassung der in der Stadt Chibok im Norden entführten Mädchen seien im Gange.

Der Präsidentenberater Hassan Tukur und der Rebellenvertreter Danladi Ahmadu, der sich als Generalsekretär von Boko Haram bezeichnete, sagten VOA in dessen nach Nigeria ausgestrahltem Programm in der Hausa-Sprache, die Übergabe der Mädchen solle im Tschad erfolgen.

Unklar blieb, welche Gegenleistung Nigerias Regierung erbringt. Die Terrormiliz, deren Anschlägen bereits Tausende Menschen zum Opfer fielen, hatte die Freilassung inhaftierter Kämpfer gefordert.

Dem Sender BBC sagte Tukur, er sei "vorsichtig optimistisch", dass es zur Freilassung der Mädchen kommen werde. Dafür hatten sich weltweit Zehntausende Menschen unter dem Slogan "Bring Back Our Girls" (Bringt unsere Mädchen zurück) eingesetzt.

Nur ein taktisches Manöver?

Boko Haram hatte am 14. April eine Schule im nigerianischen Chibok überfallen und 276 Mädchen verschleppt. Einige konnten fliehen, von den anderen fehlte bislang jede Spur. Die Angehörigen der Mädchen protestierten mehrfach gegen die Regierung und warfen ihr mangelndes Handeln für eine Befreiung der Mädchen vor.

Beobachter werteten die Ankündigung Tukurs daher als taktisches Manöver mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Experten äußerten sich auch skeptisch über die angekündigte Waffenruhe. Der von Tukur als Verhandlungspartner genannte Danladi Ahmadu ist Beobachtern zufolge unbekannt.

Boko Haram kämpft seit dem Jahr 2009 im überwiegend muslimischen Norden Nigerias mit äußerster Brutalität für einen islamischen Staat. Der Kampf hat sich auch auf das benachbarte Kamerun ausgeweitet.

mka/DPA/AFP / DPA