Bolivien Koka-Bauer vor Präsidentenamt


Der Sozialist Evo Morales feierte bei der bolivianischen Präsidentenwahl einen "großen Triumph". Er entschied die erste Runde mit klarem Vorsprung für sich - und könnte so der erste indianische Präsident des Landes werden.

Der sozialistische Koka-Bauer Evo Morales hat Wählernachfragen zufolge mit klarem Vorsprung die erste Runde der bolivianischen Präsidentenwahl gewonnen. Vor jubelnden Anhängern in Cochabamba sprach der 46-jährige Indio von einem "großen Triumph" und legte die Erwartung nahe, dass er entweder direkt oder Mitte Januar vom Kongress als Präsident bestätigt werde. "Ich danke meinem Volk", sagte Morales. "Ich bin sehr zufrieden, sehr bewegt." Doch sein zweitplatzierter konservativer Konkurrent Jorge Quiroga lehnte es zunächst ab, eine Niederlage einzugestehen.

Ex-Präsient Quirogas hofft auf Endergebnis

Den beiden Nachfragen zufolge führt Morales mit zehn Prozentpunkten Vorsprung - und würde so der erster indianischer Präsident des südamerikanischen Landes. Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte ihm das die Bestätigung durch den ebenfalls am Sonntag neu gewählten Kongress sichern. Quirogas Sprecher Hernan Terrazas wollte sich zu den Wählernachfragen nicht äußern und verwies darauf, dass verbündete Parteien auf dem Weg seien, eine Mehrheit im Kongress zu gewinnen. "Wir geben zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar zu Wählernachfragen ab, die absolut vorläufig sind", sagte Terrazas. "Wir warten das offizielle Ergebnis ab."

Nach der Nachfrage des Meinungsforschungsinstituts Equipso Mori wurden für Morales 45 und für den ehemaligen Präsidenten Quiroga 33 Prozent errechnet. Das Institut Ipsos Captura sah Morales mit 44, 5 Prozent vor Quiroga mit 34,3 Prozent. Der Rest entfiel auf die sechs anderen Kandidaten. Wird im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von keinem Kandidaten erreicht, entscheidet nach bolivianischem Wahlrecht der Kongress Mitte Januar, wer von den beiden Erstplatzierten zum Präsidenten ernannt wird. Bei einem klaren Vorsprung wird mit einer Bestätigung des Erstplatzierten gerechnet.

Morales' Ernennung noch nicht sicher

Allerdings wurden in fünf Präsidentenwahlen seit 1985 zwei Mal nicht der Erstplatzierte zum Staatschef gewählt. Für die Wahlen am Sonntag waren 3,67 Millionen der 8,5 Millionen Einwohner registriert. Der Wahlsieger wird Nachfolger des Übergangspräsidenten Eduardo Rodriguez. Er war im Juni vom Kongress ernannt worden, nachdem Präsident Carlos Mesa unter dem Druck von Straßenprotesten zurückgetreten war.


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