HOME

Bürgerkrieg in Syrien: Dschihadisten greifen Dorf im Libanon an

Nachdem libanesische Sicherheitskräfte einen Anführer der islamistischen Al-Nusra-Front festnahmen, stürmten seine Anhänger eine Polizeiwache im Libanon. Sicherheitskräfte werden nun massiv verstärkt.

Bei Kämpfen zwischen Aufständischen und regierungstreuen Milizen sind im syrischen Grenzgebiet zum Libanon am Samstag Dutzende Rebellen getötet worden. Nach Oppositionsangaben starben mindestens 50 Aufständische, als sie in einen Hinterhalt von Milizen und Kämpfern der libanesischen Hisbollah gerieten. In libanesischen und syrischen Sicherheitskreisen wurde die Zahl der getöteten Rebellen gar mit rund 170 beziffert. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. In die Gefechte nahe der Stadt al-Dschobeh, rund zehn Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt, seien Kämpfer der mit der al-Kaida verbundenen Al-Nusra-Front sowie der radikalislamischen Organisation Islamischer Staat verwickelt gewesen. Aufseiten der regierungstreuen Milizen seien neun Kämpfer sowie zwei Hisbollah-Mitglieder getötet worden.

Nach Angaben von Sicherheitskräften wurde der syrische Islamist Imad Ahmed Dschumaa, ein vermeintlicher Anführer der islamistischen Al-Nusra-Front, am Samstagnachmittag festgenommen. Laut der Armee gab er zu, der Al-Nusra-Front anzugehören. Daraufhin hätten wütende Anhänger Dschumaas mehrere Armeeposten in der Region umzingelt und eine Polizeiwache in Arsal gestürmt. Dabei wurden örtlichen Medien zufolge zwei Zivilisten getötet und Polizisten als Geiseln genommen. Offiziell wurde dies aber nicht bestätigt.

Sicherheitskräfte werde verstärkt

Die Sicherheitskräfte in der Region wurden massiv verstärkt. Die libanesische Armee erklärte, sie werde "entschlossen" dagegen vorgehen, dass der syrische Bürgerkrieg auf den Libanon übergreife. Libanons Ministerpräsident Tammam Salam verurteilte den "abscheulichen Angriff" auf seinen Staat. Das US-Außenministerium rief alle beteiligten Parteien auf, die libanesische Politik der Neutralität zu respektieren. Zugleich versicherte eine Sprecherin dem Libanon "starke Unterstützung".

Die Bevölkerung Arsals besteht vor allem aus Sunniten, von denen viele Sympathien für die Aufständischen in Syrien hegen. Zudem leben in der Region zehntausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Gefechte mit libanesischen Sicherheitskräften sind keine Seltenheit, zudem fliegt das syrische Militär immer wieder Luftangriffe in der Umgebung der Grenzstadt, um nach eigenen Angaben Verstecke der Rebellen in den Bergen um Arsal zu zerstören.

Der Libanon versucht seit Beginn des Syrien-Konflikts im März 2011, sich aus dem Bürgerkrieg im Nachbarland herauszuhalten. Jedoch gibt es infolge des Konflikts auch unter den libanesischen Volksgruppen starke Spannungen, die immer wieder in offene Gewalt umschlagen. Zur Verschärfung der Spannungen hat auch beigetragen, dass die libanesische Hisbollah seit dem Frühjahr 2013 offen an der Seite der syrischen Regierungstruppen kämpft.

Provinzchef der Al-Nusra-Front durch Autobombe getötet

Insbesondere die nördliche Küstenstadt Tripoli ist zwischen Anhängern und Gegnern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad gespalten. Dort gab es auch am Wochenende Kämpfe, bei denen zwei Soldaten verletzt wurden. Laut Vertretern der Sicherheitskräfte wurden Gewehre, Granaten, Panzerabwehrraketen und selbst gebaute Sprengsätze bei den Kämpfen eingesetzt.

Unterdessen wurde der Provinzchef der Al-Nusra-Front im syrischen Idleb, Jakub al-Omar, bei der Explosion einer Autobombe in seinem Wagen getötet, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Das Attentat habe sich in der Nacht zum Samstag nahe des Hauses von al-Omar, in der Ortschaft Chan al-Subol ereignet. Schon sein Vorgänger als Chef der nordwestlichen Provinz, Mohammed al-Ansari, war im April bei einem Anschlag getötet wurden. Das damalige Attentat wurde von der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) verübt, die sich inzwischen in Islamischer Staat (IS) umbenannt hat und in Syrien mit der Al-Nusra-Front rivalisiert.

amt/AFP/Reuters / Reuters