Bushs Irak-Strategie "Situation wird sich verschlimmern"


Die Reaktionen auf die neue Irak-Strategie der US-Regierung fallen äußert verhalten aus. Im Kurzinterview mit stern.de sagt der Militärexperte Götz Neuneck, warum George W. Bush nicht den Mut zum Kurswechsel gehabt hat.

Herr Neuneck, US-Präsident Bush will 20.000 Soldaten zusätzlich in den Irak schicken. Ist das er erhoffte Wendepunkt in dem Konflikt?

Kaum. Natürlich können die Soldaten helfen, die aufgeheizte Lage auf den Straßen und in einzelnen Vierteln etwas zu beruhigen, aber mehr auch nicht. Zwar haben die USA mittlerweile eingesehen, dass die Besetzungsstrategie falsch war, aber die Regierung ist nicht mehr in der Lage, daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Warum? Viel hat George W. Bush nicht mehr zu verlieren.

Selbstkritik und ein echter Strategiewechsel ist nicht Bestandteil des Profils dieses US-Präsidenten. Bush stellt sich stur auf den Standpunkt, dass die Geschichte schon zeigen wird, dass er Recht hatte.

Wird er Recht behalten?

Der Irak-Konflikt ist ein zutiefst politisches Problem. Bush und sein Team haben die politische Situation dort bis heute nicht verstanden. Deswegen befinden sie sich in einem Dilemma. Bleiben die Truppen im Irak, wird es weiter Widerstand geben und ein Abzug kommt aus moralischen Gründen zunächst nicht in Frage. Dieses Dilemma ist nicht militärisch lösbar. Auch nicht dadurch, die Truppenstärke leicht zu erhöhen.

Was hätte die Bush-Regierung stattdessen machen müssen?

Politische, innerstaatliche Lösungen und ein ausgleichender Dialog zwischen Sunniten und Schiiten sind gefragt, sowie ein besseres Training der irakischen Sicherheitskräfte. Und sie hätte die Möglichkeiten nutzen können, die die amerikanische Irak-Kommission vorgeschlagen hat. Wie etwa direkte Gespräche mit Syrien und Iran zu führen. Aber stattdessen werden nur ein paar Verantwortliche ausgewechselt. Ich habe die Befürchtung, dass sich die Situation sich mittelfristig verschlechtern wird.

Interview: Niels Kruse

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