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Chavez-Nachfolger Maduro: Busfahrer, Bodyguard, Präsident

Das Bürgertum hatte sich über ihn lustig gemacht. Weil er mal Busfahrer war. Weil er keinen Uni-Abschluss hat. Und nun das: Nicolás Maduro wird Venezuelas verstorbenem Präsidenten Chávez nachfolgen.

Von Marc Goergen

Mit wegbrechender Stimme hat Nicolás Maduro den Tod von Hugo Chavez verkündet - für ihn eine eher ungewohnte Situation. Denn eigentlich ist er mehr der Typ Gefolgsmann, eher Hinterzimmer statt Staatsempfang. Er trägt einen buschigen Schnauzbart, wirkt gemütlich statt charismatisch, mag Baseball, Zigarren und gefüllte Maisfladen. Nicolás Maduro hat keinen Uni-Abschluss und verdingte sich gelegentlich als Bodyguard. Kann so einer dem verstorbenen Staatschef Venezuelas nachfolgen? Chávez war bis zum Schluss davon überzeugt.

Bevor sich Venezuelas Präsident zu Beginn des Jahres erneut zur Krebsbehandlung nach Kuba begab, ließ er verkünden, er wünsche für den Fall seines Ablebens, dass Maduro ihm nachfolge. Das wird nun wohl passieren. Maduro ist bisher Außenminister und Vizepräsident. Der heute 50-Jährige stammt aus einer armen Familie in Caracas. Nach der Schule ging er zum politischen Training nach Kuba. Zurückgekehrt, arbeitete er zunächst als Busfahrer - dafür belächeln ihn viele Bürgerliche bis heute.

Unter ihm wird es kaum einen radikalen Kurswechsel geben

Maduros Karriere ist verflochten mit der seines Mentors. Als Chávez 1992 nach einem Putschversuch im Gefängnis landete, besuchte er ihn dort oft. Maduros Frau Cilia Flores, eine Anwältin, war es schließlich, die Chávez freibekam. Dabei lernten sich die beiden Männer näher kennen. Nach dem Wahlsieg 1998 machte ihn Chávez zum Fraktionsführer seiner Sozialisten, dann zum Parlamentspräsidenten.

Ein radikaler Kurswechsel wäre von Maduro kaum zu erwarten. Immer wieder betont er die Treue zu Chávez und dessen vom Ölgeld gespeisten Linkspopulismus. Als Anhänger nach einer Rede vor Kurzem begannen, Maduros Namen zu rufen, würgte der den Jubel ab und skandierte stattdessen: "Chávez, Chávez".

Ein enger Freund der Castros

Als sich der Präsident gen Kuba verabschiedete, beteuerte Maduro unter Tränen, er werde Chávez gegenüber loyal sein, "auch über dieses Leben hinaus". Zwar gilt Maduro innerhalb der Bewegung als gemäßigt und hat den Konflikt mit dem Nachbarn Kolumbien entschärft, doch ist er ein enger Freund der Castro-Brüder und anderer linker Führer der Region. Einen US-Staatssekretär beschimpfte er schon mal als "zweitrangigen Beamten mit Vorstrafenregister". "Schaut, wo Nicolás gelandet ist, der Busfahrer, über den sich die Bourgeoisie lustig gemacht hat", sagte Hugo Chávez, als er Maduro zum Vizepräsidenten ernannte. Es war nicht die letzte Station des Busfahrers.