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Heimliches Urteil: China veruteilt Ex-Sicherheitschef Zhou zu lebenslanger Haft

Zhou gehörte zu den mächtigsten Männern Chinas. In einem Prozess hinter verschlossenen Türen wurde Ex-Sicherheitschef nun wegen Korruption verurteilt. Für viele bloß ein Opfer im Kampf um die Macht.

Er ist der "größte Tiger", den Chinas neuer Präsident Xi Jinping im Kampf gegen Korruption zu Fall gebracht hat. Zhou Yongkang war auch ein Widersacher. Es ging um Milliarden, Mätressen und Staatsverrat.

Er ist der "größte Tiger", den Chinas neuer Präsident Xi Jinping im Kampf gegen Korruption zu Fall gebracht hat. Zhou Yongkang war auch ein Widersacher. Es ging um Milliarden, Mätressen und Staatsverrat.

In einem Prozess hinter verschlossenen Türen ist Chinas ehemaliger Sicherheitschef Zhou Yongkang wegen Korruption zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zhou sei in dem Verfahren wegen Bestechlichkeit, Machtmissbrauchs und Verrats von Staatsgeheimnissen geständig gewesen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Der 72-Jährige habe "seine Schuld gestanden und Reue gezeigt".

Zhou hatte früher zu den mächtigsten Männern des Landes gezählt. Er gilt zudem als Widersacher von Staatschef Xi Jinping. Bis zu seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2012 gehörte Zhou dem höchsten politischen Gremium des Landes an, dem Ständigen Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei. Der frühere Chef der staatlichen Ölgesellschaft war dort zehn Jahre lang Leiter der Sicherheitsbehörden.

Nach Angaben von Xinhua sah es das Gericht in der nordchinesischen Stadt Tianjin als erwiesen an, dass Zhou und einige Vertraute durch illegale Geschäfte umgerechnet mehr als 300 Millionen Euro eingenommen hatten. Gut sechs Prozent davon soll Zhou selbst für sich verbucht haben. Demnach ordnete das Gericht an, Zhous Vermögen zu konfiszieren. Dieser werde keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, hieß es weiter.

Funktionäre nicht mehr unantastbar

Zhou ist der prominenteste Parteifunktionär seit Jahrzehnten, dem der Prozess gemacht wurde. Bereits seit längerer Zeit war immer wieder von Unmut in der Parteiführung über das enorme Vermögen seiner Familie die Rede. Seit Oktober 2013 wurde Zhou nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Im vergangenen Juli bestätigten die Behörden dann Ermittlungen, im Dezember wurde er offiziell inhaftiert, im April dann angeklagt.

Das Urteil gegen den einstmals so mächtigen Funktionär dürfte in der politischen Führungsschicht Chinas für große Verunsicherung sorgen. Bislang galten Mitglieder des Ständigen Ausschusses auch nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik als unantastbar. Xi hatte bei seinem Amtsantritt im März 2013 der Korruption den Kampf angesagt. Kritiker monieren allerdings, dass die Kampagne für Machtkämpfe genutzt werde.

ivi/AFP / AFP
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