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Der Terror von Mumbai: Prozess gegen Angreifer vertagt

Vor knapp fünf Monaten waren mehr als 170 Menschen in Mumbai beim blutigsten Angriff seit 9/11 gestorben. Jetzt steht der einzige überlebende Angreifer in Neu Delhi vor Gericht. Zum Prozessstart wurde seine Verteidigerin abgesetzt. Ihr bisheriger Mandant forderte einen Anwalt aus Pakistan.

Schwieriger Start im Prozess gegen den einzigen überlebenden Angreifer der Terroranschläge von Mumbai: Das Verfahren musste am Mittwoch kurz nach Beginn vertagt werden, nachdem das Sondergericht die Pflichtverteidigerin des Angeklagten Ajmal Amir Kasabs wegen eines Interessenkonflikts absetzte. Die Anwältin hatte zuvor nicht offengelegt, dass sie auch ein Opfer der Angriffe vertritt. Bei den Anschlägen Ende November in Mumbai (früher Bombay) waren mehr als 170 Menschen getötet worden. An diesem Freitag soll der Prozess gegen Kasab fortgesetzt werden.

Der 21-jährige Kasab, der der Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba angehören soll, verlangte erneut einen Anwalt aus Pakistan. Der Staatsanwalt sagte, Pakistan habe auf eine frühere Forderung Kasabs nach einem Verteidiger aus seiner Heimat nicht reagiert. Das Gericht werde die erneute Bitte aber umgehend über diplomatische Kanäle nach Islamabad weiterleiten. Sollte Pakistan bis zu diesem Donnerstag nicht antworten, werde das Gericht einen neuen Pflichtverteidiger benennen.

Der Angeklagte erschien am Mittwoch erstmals vor dem Sonderrichter. Mehr als 500 Polizisten überwachten die Umgebung des Hochsicherheitsgefängnisses, in dem Kasab inhaftiert ist und in dem der Prozess geführt wird. Der Prozess findet unter beispiellosen Sicherheitsvorkehrungen statt. Für die Verhandlung wurde in dem Gefängnis eigens ein bombensicherer Gerichtssaal errichtet.

Drohungen gegen Anwältin

Die nun abgesetzt Anwältin war zuvor von radikalen Hindus bedroht worden, die gefordert hatten, Kasab ohne Prozess zu hängen. Kasab war Teil einer zehnköpfigen muslimischen Extremistengruppe, die Ende November vergangenen Jahres über drei Tage hinweg Geiseln genommen und Gebäude in Mumbai besetzt gehalten hatte. Die Terrorgruppe war über das Meer von der südpakistanischen Hafenstadt Karachi nach Mumbai gekommen.

Außer Kasab sollten zwei Inder vor dem Sondergericht erscheinen, denen vorgeworfen wird, die Terroristen unterstützt zu haben. Die Polizei hat ein 11.000 Seiten umfassendes Anklageprotokoll gegen insgesamt 38 Verdächtige erstellt.

DPA / DPA
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