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Deutsch-Ägyptischer Islamkritiker Schriftsteller Abdel-Samad in Obhut der deutschen Botschaft


Zwei Tage war Hamed Abdel-Samad verschwunden. Angeblich in Kairo verschleppt. Nun ist der Berliner Schriftsteller wieder aufgetaucht. Er befindet sich in der Obhut der deutschen Botschaft.

Der in Kairo verschwundene deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad ist wieder aufgetaucht. Wie eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes mitteilte, befindet er sich in der Obhut des deutschen Botschafters. Der islamkritische Publizist war am Sonntag im Zentrum von Kairo nahe dem Al-Ashar-Park verschwunden. Kurz vor seinem Verschwinden hatte Abdel-Samad, der in Kairo meist in Begleitung eines Sicherheitsbeamten unterwegs war, per Telefon berichtet, er fühle sich verfolgt. Die Zeitung "Die Welt" hatte zuvor den Bruder Mahmud Abdel-Samad mit den Worten zitiert: "Er ist am Leben, und es geht ihm gut."

Mahmud Abdel-Samad, der zuletzt mit Theorien zum "religiösen Faschismus" von sich reden gemacht hatte, berichtete in einem Interview eines ägyptischen TV-Senders, dass sein Bruder in dem Park im Zentrum Kairos eine Verabredung hatte, zu der er seinen Leibwächter nicht mitnehmen wollte. Mahmud selbst sei zwölf Stunden lang von der Polizei zu möglichen Hintergründen der Entführung befragt worden.

Ob Abdel-Samad, der in Deutschland in vielen Talkshows über den Islam und seine alte Heimat Ägypten gesprochen hat, verschleppt worden oder aus freien Stücken abgetaucht war, blieb zunächst unklar. Die Polizei geht von einem Entführungsfall aus. In seinem Buch "Mein Abschied vom Himmel" hatte er im Jahr 2009 seine persönliche Auseinandersetzung mit dem Islam geschildert. Das Buch löste heftige Kritik in Ägypten aus und brachte ihm nach eigenen Angaben Morddrohungen ein. Im vergangenen Juni hatten mehrere radikale Geistliche den Deutsch-Ägypter wegen seiner Kritik am politischen Islam zum "Ungläubigen" erklärt.

juho/nik/DPA/AFP DPA

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