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Telegram-Messenger Rechtsradikale "Proud Boys" lästern über Trump als "Versager"

Proud Boys
Ein Mitglied der "Proud Boys" bei einer Protestkundgebung
© Spencer Platt/Getty Images / AFP
Donald Trump konnte sich lange auf die Unterstützung der "Proud Boys" verlassen. Jetzt wendet sich die rechtsradikale Gruppe von ihm ab. Offenbar hatte sie erwartet, Trump würde mit Gewalt im Amt bleiben.

Der US-Präsident Donald Trump ist endgültig Geschichte. In den letzten Wochen seiner Amtszeit hatte Trump auch vielen Politikern seiner eigenen Partei, den Republikanern, an Rückhalt verloren, ebenso bei seinen Haus-und-Hof-Medien. Zu sehr hatte er sich mit Lügen zu angeblichen Wahlmanipulationen und kaum verhohlenen Aufrufen zum Widerstand gegen das demokratische System vergaloppiert.

Offenbar wenden sich auch die "Proud Boys" von dem ehemaligen Präsidenten ab. Jene rechtsradikale Gruppierung also, von denen sich Trump im ersten TV-Duell mit Joe Biden nicht distanzieren wollte und ihnen stattdessen zu verstehen gegeben hatte, sie sollten sich "bereithalten" ("Stand back and stand by"). Während er damals noch innerhalb der Szene gefeiert wurde, ist die Stimmung nun anscheinend gekippt. Das berichtet die "New York Times" aus einem privaten Kanal der "Proud Boys" auf dem Messengerdienst Telegram.

"Proud Boys" bezeichnen Donald Trump als "schwach" 

"Trump wird als totaler Versager gehen", zitiert die Zeitung. Außerdem sei Trump dort als "Lockvogel" und "außergewöhnlich schwach" bezeichnet worden. Unterstützer der "Proud Boys" wurden dazu aufgerufen, in Zukunft nicht mehr an Wahlkampfveranstaltungen der Republikaner teilzunehmen. Bei den Kundgebungen von Trump waren immer wieder Vertreter der "Proud Boys" aufgetaucht.

Die faschistische Gruppe hatte Trump während seiner Amtszeit unterstützt, mittlerweile lästert sie über ihn. Grund ist wahrscheinlich Trumps Verhalten nach dem Sturm auf das Kapitol. Die "Proud Boys" bestreiten zwar, daran beteiligt gewesen zu sein, mittlerweile wurde aber mindestens ein Mitglied der Gruppe vom FBI verhaftet. Trump hatte die Stimmung im Vorfeld stark angeheizt, sich aber später von der Gewalt distanziert. Das legen ihm viele Rechtsradikale als Schwäche und sogar Betrug aus, berichtet die "New York Times".

Telegram-Messenger: Rechtsradikale "Proud Boys" lästern über Trump als "Versager"

Die "Proud Boys" und andere rechtsgerichtete Gruppen hatten offenbar von Trump erwartet, mit aller Macht – notfalls auch mit Gewalt – im Amt zu bleiben. "Sie haben Trump geglaubt, dass Amerika in den Abgrund stürzt, wenn er das Amt verlässt", sagte der Extremismusforscher Arieh Kovler der "New York Times". "Jetzt, wo er nicht mehr im Amt ist, glauben sie, dass er sich ergeben und seine patriotische Pflicht verletzt hat."

Quelle: "New York Times"

epp

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