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Tirade via Twitter: "Bullshit", "crazy", "haters": Trump wettert gegen den Mueller-Bericht

Der süffisante "Game Over"-Tweet in "Game of Thrones"-Optik ziert immer noch den Twitter-Account von Donald Trump. Doch einen Tag nach Veröffentlichung des Mueller-Berichts hat der US-Präsident seine demonstrative Gelassenheit verloren.

US-Präsident Donald Trump hat den Bericht von Sonderermittler Robert Mueller zur Russland-Affäre scharf kritisiert und viele Aussagen darin als unwahr abgetan. In dem "verrückten Mueller-Bericht" würden zum Teil Aussagen über ihn getroffen, die "fabriziert und total falsch" seien, schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

Manche Aussagen seien, so wetterte der Präsident weiter, "kompletter Schwachsinn" und hätten nur zum Ziel, die jeweils andere Person gut aussehen zu lassen - oder ihn selbst schlecht. Trump bezeichnete die gesamte Untersuchung erneut als illegalen Schwindel, der nie hätte passieren dürfen.

Donald Trump: zahlreiche Vergehen, keine Straftat

Mueller hatte fast zwei Jahre lang zwei große Fragenkomplexe untersucht: Ob Trumps Team geheime Absprachen mit Vertretern Russlands getroffen und ob er die Justiz behindert habe. Hintergrund ist die mutmaßliche Einmischung Moskaus in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. Trump hatte die Ermittlungen stets als "Hexenjagd" bezeichnet.

Aus Muellers Abschlussbericht, der am Donnerstag in Teilen geschwärzt veröffentlicht wurde, geht hervor, dass es "zahlreiche" Kontakte zwischen Trumps Wahlkampflager und Vertretern Russlands gab. Beweise für eine Straftat gebe es hier aber nicht. Außerdem listet der Bericht diverse Versuche Trumps auf, Einfluss auf die Untersuchungen zu nehmen. Behinderung der Justiz werfen die Ermittler Trump aber nicht explizit vor. Dessen Einflussversuche seien meist daran gescheitert, dass Mitarbeiter seinen Anweisungen nicht gefolgt seien.

Nun soll Kongress Trump zur Verantwortung ziehen

Die Demokraten geben sich nach der Veröffentlichung des 448-seitigen Berichts keinesfalls geschlagen. Sie konzentrierten sich vor allem auf die Frage, inwiefern Trump auf die Ermittlungen Einfluss genommen hat. Parteichef Tom Perez sagte, seit Beginn seiner Amtszeit betreibe der Präsident "Justizbehinderung, Einschüchterung und Machtmissbrauch".

Jerry Nadler, Vorsitzender des Justizausschusses im Repräsentantenhaus, sieht dafür in Muellers Papier ebenfalls "beunruhigende Beweise". Nun sei der Kongress aufgerufen, den Präsidenten "für seine Taten zur Verantwortung zu ziehen".

Wenig Unterstützung für Amtsenthebung

So soll Justizminister Bill Barr, der entschieden hatte, den Bericht nur mit geschwärzten Passagen zu veröffentlichen, am 2. Mai im Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen. Drei Wochen später wollen die Abgeordneten dann Sonderermittler Mueller selbst befragen. Forderungen aus der Parteilinken der Demokraten, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump anzustoßen, fanden allerdings wenig Unterstützung.

Der Bericht zeichnet auch das Bild eines Präsidenten, der kein Problem damit hat, seine Mitarbeiter zum Lügen anzuweisen. So hatte Pressesprecherin Sarah Sanders die Entlassung von FBI-Chef James Comey damit begründet, dass "zahllose" Mitarbeiter das Vertrauen in ihn verloren hätten. Gegenüber Muellers Team gab sie zu, dass diese Aussagen jeglicher Grundlage entbehrten.

dho / DPA / AFP