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Pressestimmen

Angeblicher Versprecher: US-Medien zerlegen Trumps "lächerlichste" und "schlechteste Ausrede aller Zeiten"

Nach der Pressekonferenz mit Wladimir Putin wurde Donald Trump harsch angegriffen. Am Folgetag meinte der US-Präsident, sich versprochen zu haben. Weite Teile der US-Presse lassen sich nicht so leicht abspeisen. Aber es gibt auch Unterstützung.

Donald Trump im Weißen Haus

Donald Trump im Weißen Haus

AFP

Donald Trumps Pressekonferenz mit Wladimir Putin vom Montag wurde von vielen US-Medien und Politikern scharf kritisiert. Der US-Präsident habe gebuckelt, als Größe hätte zeigen sollen, so die weitläufige Meinung. Am Dienstag ruderte Trump dann teilweise zurück, wollte einen entscheidenden Teil der Pressekonferenz auf einen Versprecher zurückführen. Er hatte neben Putin stehend und auf Nachfrage zur Einmischung in die US-Wahlen gesagt: "Ich sehe keinen Grund, warum es (Russland) war." Am Folgetag behauptete er dann plötzlich, er habe gemeint: "Ich sehe keinen Grunde, warum es Russland nicht war." Im Englischen ist das ein Unterschied zwischen "would be" und "wouldn't be". 

Viele kaufen ihm diese Erklärung nicht ab, zumal auch der Rest seiner Aussagen auf der Pressekonferenz nicht darauf schließen ließ, dass er seinen Geheimdiensten mehr vertraut als dem Wort von Putin. Entsprechend scharf gehen viele Medien nun auch mit ihm wegen seines angeblichen Versprechers ins Gericht - bis auf eine Ausnahme.

Die "New York Times" zitiert Trumps Versprecher-Erklärung, die auf "Sowas wie eine doppelte Verneinung" endet. Im Englischen heißt das "double negative", wobei "negative", auch als "negative Auswirkung" übersetzt werden kann. Daraus kreiert das Blatt ein Wortspiel: "Nein, die negatives sind, dass es nun eine offene Frage ist, ob dieser Präsident erpressbar von oder auf irgendeine Weise loyal gegenüber Russland ist und dass er eine ganze politische Partei dahin erzogen und eingeschüchtert hat, sein Verhalten nicht nur zu unterstützen, sondern auch noch zu verteidigen. Das ist wahrhaftig eine amerikanische Krise."

Die "Washington Post" fragt, ob das "Trumps lächerlichstes Dementi bisher" sei und schreibt: "Glaubt auch nur ein Mensch irgendwo Präsident Trumps lächerlich verlogenem Versuch, die desaströse Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin wieder einzufangen?" In einem anderen Kommentar auf der Seite nennt ein Kolumnist Trump "Dieses traurige, peinliche Wrack von einem Mann".

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Donald Trumps "schlechteste Ausrede aller Zeiten"

Auch "The Daily Beast" hält nichts von Trumps Rolle rückwärts und kommentiert: "Das war Krisen-Kommunikation vor der versammelten Presse: Mit dem Finger schnipsen und das Gegenteil erklären. 

Der "New Yorker" nennt die Erklärung Trumps  die "schlechteste Ausrede aller Zeiten" und nimmt auch dezidiert auseinander, warum das so ist: Der "180-Grad-Drehung" wohne nicht nur ein "Glaubwürdigkeitsproblem" inne. Sie habe auch zwei entscheidende Fehler: "Zum einen war der besagte Satz nicht die einzige fragwürdige Aussage Trumps während oder vor der Pressekonferenz. (...) Viel wichtiger aber noch: Nichts, was Trump nun nachträglich sagt oder tut, kann den fürchterlichen Eindruck aus Helsinki ausradieren." Dort habe sich Trump vor der Weltöffentlichkeit schwach und unterwürfig gezeigt.

Auf ein Medium aber ist für Trump nach wie vor Verlass: Fox News. Wenngleich auch aus seinem Haussender unmittelbar nach der Pressekonferenz einige verstörte bis erzürnte Stimmen kamen, die Versprecher-Erklärung nahm man dort sofort dankend an. Unmittelbar nach Trumps angeblicher Richtigstellung ist Fox News ist wieder zurück im gewohnten Modus und feuert munter gegen "die liberalen Medien". "Es war ein kleiner verbaler Ausrutscher, wie jeder von uns ihn schon einmal gemacht hat. Trotzdem drehen die Medien und Anti-Trump-Politiker durch und denunzieren den Präsidenten." Es gebe eine "völlige Hysterie über ein Wort", das er auf dem Gipfel gesagt habe. Aber nun habe Trump ja "richtiggestellt, dass er sich versprochen hat".

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fin