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Regieren als Reality-TV: Immer mehr Kameras bei Meetings: Wie Trump aus seiner Präsidentschaft eine TV-Show macht

US-Präsident Donald Trump inszeniert sich bei Arbeitstreffen im Weißen Haus gerne als engagiert und interessiert. Raus kommt dabei aber wenig. In Washington macht der Begriff Trump-TV die Runde.

Donald Trump öffnet Meetings im Weißen Haus für Kameras und Mikrofone

Meeting im Weißen Haus - und über den Köpfen hängen die Mikrofone: Die öffentlichen Besprechungen dienen Donald Trump zur Selbstdarstellung, bringen aber wenig für die Politik, sagen Insider.

AFP

Eigentlich sind es Arbeitstreffen. Dass sich Donald Trump im Weißen Haus mit Parlamentariern, Wirtschaftsbossen oder Lobbyisten trifft und die drängenden aktuellen Themen diskutiert, ist nichts Besonderes. Das gehört zur Arbeit eines US-Präsidenten; man nennt das: Politik machen.

Bei Trumps Amtsvorgängern war das nicht anders. Der Unterschied: Seit der Immobilien-Milliardär in Washington das Sagen hat, sind immer häufiger Kameras und Mikrofone bei diesen Besprechungen dabei, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Trump - so sagen jene, die bei solchen Meetings dabei sind - inszeniert sich dabei gerne als interessiert und engagiert, erwecke den Eindruck als mache er "Politik im Vorbeigehen", doch tatsächlich brächten diese Termine trotz aller zur Schau gestellten Transparenz wenig voran.


"Mehr eine Donald-Trump-Show als alles andere"

"Es ist immer gut, miteinander zu sprechen, aber das erinnert mich mehr an eine Präsidenten-Show als an alles andere", zitiert Reuters den demokratischen Senator von Ohio, Sherrod Brown. Wie etliche seiner Kollegen aus dem oppositionellen Lager stellt sich Brown die Frage, ob er bei den Treffen im Weißen Haus nicht vielleicht Teil einer Neuauflage der Fernsehshow "The Apprentice" ist, die Trump 14 Staffeln lang moderiert hat, ehe Arnold Schwarzenegger den Job für einige Zeit übernahm (nicht ohne von Trump via Twitter verhöhnt zu werden). "Das Problem dabei ist", berichtet Brown von den Treffen, "dass der Präsident allem und jedem zugestimmt hat. Dabei haben wir manchmal Dinge gesagt, die sich widersprechen."


Und so kann es schon mal passieren, dass Trump in diesen auf Freundlichkeit und Engagement getrimmten, allzu öffentlichen Meetings Positionen vertritt, die mit den üblichen Standpunkten der Republikaner nicht zusammenpassen. Wie zum Beispiel am vergangenen Mittwoch, als Agenturmeldungen um die Welt gingen, Trump befürworte - nach dem Amoklauf an einer Schule in Parkland/Florida - strengere Waffenbestimmungen. "Ich kann nur raten, auf das Beste zu hoffen", kommentiert das Dick Durbin, demokratischer Senator von Illinois solche Äußerungen, "aber seien Sie nicht überrascht, wenn er seine Meinung in 48 Stunden wieder ändert."

Donald Trump öffnet Meetings im Weißen Haus für Kameras und Mikrofone

Meeting im Weißen Haus - und über den Köpfen hängen die Mikrofone: Die öffentlichen Besprechungen dienen Donald Trump zur Selbstdarstellung, bringen aber wenig für die Politik, sagen Insider.

AFP


"Das ist 100 Prozent Trump"

Also alles nur Show? Alles nur Trump-TV, wie es in Washington bereits heißt? "Er hat 15 Jahre Reality-TV hinter sich", sagt der Trump-Vertraute Chris Ruddy zu Reuters. Charakteristisch für die Show sei, die eigenen geschäftlichen Aktivitäten komplett öffentlich zu machen. Das wende Trump nun auf seine Amtsführung an, was ihm die Möglichkeit gebe, sich direkt an die Öffentlichkeit zu wenden und seine Botschaft unmittelbar rüberzubringen.

Die Entscheidungen, die üblicherweise internen Treffen öffentlich zu machen, sei "zu 100 Prozent" eine Trump-Entscheidung, berichtet ein Beamter aus dem Weißen Haus. Der Präsident, ein ausgewiesener Fernsehfan, sei sehr erfreut gewesen als die TV-Networks die Chance ergriffen, einem Meeting zum Thema Einwanderung beizuwohnen, und zudem ankündigten, bei weiteren Gesprächen dabei zu sein. "Er liebte es, er fand es fabelhaft", so der Beamte zu Reuters. "Er sagte, dass habe gut geklappt, lasst uns das häufiger machen."


Öffentliche Treffen "grundsätzlich irreführend"

Die Begeisterung ihres Präsidenten können die Republikaner nicht voll teilen. "Das ist nützlich, wenn man Nachrichten machen will", zitiert Reuters den republikanischen Strategen Charlie Black, "aber für die politischen Verhandlungen sind sie nicht nützlich." Die Anwesenheit von Kameras übe nunmal ihre Wirkung aus, so mancher überlege sich, welche Positionen er öffentlich vertreten wolle oder was er sage.

Der Vorteil sei, dass Trump tatsächlich in einer authentischen Situation zu sehen sei, in der er seine Politik verwirklichen wolle, meint der frühere Sprecher des ehemaligen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney. Die Nachteile seien, dass sich die Videos "in Ereignisse verwandeln, die von der Politik der Republikanischen Partei stark abweichen, und er (Trump) selten den Themen folgt, die während der Treffen besprochen werden." Letzteres dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, warum Trump zuletzt vor den Kameras häufig Ansichten vertrat, bei denen er nicht blieb, oder Versprechen abgab, die er nicht hielt, wie Matt Dallek gegenüber Reuters resümiert. Der Dozent für Politik-Management an der George Washington University fällt daher ein vernichtendes Urteil über die von Trump so geliebten Meetings im Reality-TV-Stil: Sie sind "grundsätzlich irreführend".

dho