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Pressefreiheit: Trump versuchte, auf CNN eine Fake-News-Werbung unterzubringen

Muss sich ein TV-Sender von einem Präsidenten als "Fake News" beschimpfen lassen? CNN meint Nein und hat einen Werbeclip zu 100 Tagen Trump im Weißen Haus abgelehnt. Trumps Team spricht von "Zensur".

Videostill 100 Tage Donald Trump im Amt - In rot prangt Fake News über 5 Journalisten-Portraits - CNN lehnt den Werbeclip ab

Um diese Passage aus dem 100-Tage-im-Amt-Werbeclip des Wahlkampfteams von Donald Trump geht es. CNN will den Clip nicht veröffentlichen, so lange der "Fake News"-Schriftzug gezeigt wird.

"You are fake news!" Diese Worte schleuderte Donald Trump während seiner ersten Pressekonferenz als gewählter US-Präsident Jim Acosta entgegen. Der Mann ist ein angesehener Journalist in den USA und Chef-Korrespondent des TV-Nachrichtensenders CNN im Weißen Haus. Als fortwährende Antwort auf die Angriffe Trumps gegen seinen Sender hat Acosta an die Spitze seines Twitter-Accounts einen sehr kurzen, aber sehr klaren Tweet angeheftet: "We are real news Mr. President #realnews" - "Wir machen die wahren Nachrichten, Herr Präsident".

Donald Trump trifft auf CBS-Moderator John Dickerson im Oval Office

Konfrontation im Oval Office: CBS-Moderator John Dickerson (r.) interviewt US-Präsident Donald Trump im Oval Office.

Der Streit zwischen dem US-Präsidenten und dem Nachrichtensender aus Atlanta, Georgia, sowie anderen renommierten Medienhäusern schwelt bereits seit dem Wahlkampf im vergangenen Jahr. Und er ist nun - just zum "Welttag der Pressefreiheit" - um eine Episode reicher. Ungeachtet seiner offen zur Schau getragenen Abneigung gegen CNN hat Trumps Wahlkampfmannschaft ein PR-Video aus Anlass der ersten 100 Tage der Präsidentschaft geschaltet. In dem Werbeclip preist eine Stimme das Schaffen Trumps zu entsprechenden Bildern und stellt fest: "Amerika hat selten einen solchen Erfolg gesehen." Soweit, so Trump, bis dahin ist es Geschmackssache. Doch dann ergänzt die Stimme: "Das könnten Sie aus den Nachrichten nicht erfahren." Zu sehen sind währenddessen fünf Journalisten-Porträts, auf denen in roter Schrift "Fake News" prangt. Einer der Journalisten ist der bekannte CNN-Moderator Wolf Blitzer.


CNN lehnt Werbespot für Donald Trump ab

CNN hatte nun gar keine Lust, sich im eigenen TV-Kanal oder auf der eigenen Web-Seite bewusst falsche Berichterstattung vorwerfen zu lassen. Der Sender lehnt daher den bezahlten Werbeclip ab - und wehrte auch gleich den Vorwurf des Trump-Teams ab, CNN übe Zensur aus:

"CNN hat den Inserenten gebeten, die falsche Grafik, die besagt, die Mainstream-Medien seien "Fake News", zu entfernen", twitterte die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. "Die Mainstream-Medien sind nicht "Fake News", und daher ist die Werbung falsch. Unserer Geschäftspolitik entsprechend wird sie nur akzeptiert werden, wenn die Grafik entfernt wird. Dies sind die Fakten."


Wohlgemerkt auch: Es handelt sich um einen Werbeclip, also um bezahlten Inhalt, der vom jeweiligen Inserenten bestimmt wird. Solche Inhalte gemäß selbst gesetzter und bekannt gemachter Regeln abzulehnen, liegt in der Regie eines jeden Senders oder jeder Zeitung - natürlich unter Verzicht der Einnahmen. In diesem Sinne kann von Zensur nicht die Rede sein.

Trump-Wahlkämpfer: Etablierte Medien täuschen

Dennoch macht der Chef von Donald Trumps Wahlkampfteam, Michael Glassner, keinen Unterschied und nimmt den Vorfall zum Anlass, massiv gegen die etablierten Medien zu schießen. "Indem es unsere Werbung zurückweist, hat CNN bewiesen, dass es Zensur unterstützt, voreingenommen ist und eine andere Sichtweise fürchtet", zitiert die "New York Times" Glassner. "Die loyalen Unterstützer von Präsident Trump kennen die Wahrheit: Die etablierten Medien führen in die Irre, täuschen und lenken ab."

Donald Trump und die etablierten US-Medien - sie werden in den kommenden Jahren wohl noch häufig aneinanderrasseln.

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dho