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Coronakrise in USA: Trump beschwert sich, dass US-Chef-Virologe höhere Zustimmungsraten hat als er

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache als Donald Trump. Die USA sind das am schwersten von Corona betroffene Land, doch Donald Trump sieht seine Arbeit nicht genug gewürdigt – und beklagt die Beliebtheit des Chef-Virologen Anthony Fauci.

Auftritt in Oklahoma: Zwei weitere Trump-Wahlkampfhelfer positiv auf Coronavirus getestet

Anthony Fauci, führender US-Immunologe in der Coronakrise, hat sich besorgt über deutlich zunehmende Fallzahlen von Coronavirus-Infektionen in einigen US-Bundesstaaten geäußert. Bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus sprach er von einem "beunruhigenden Anstieg von Infektionen" in Florida, Texas, Arizona und anderen Bundesstaaten. Die nächsten Wochen seien entscheidend dafür, diesem Anstieg entgegenzuwirken, sagte er. Aber: Es gebe auch Erfolge: So sei es etwa im Bundesstaat New York gelungen, die Fallzahlen zu senken.

So viel zum Stand der Coronakrise Ende Juni 2020. Wie es zu Beginn der Pandemie im Frühling im Weißen Haus zuging, beschrieb Donald Trumps scheidender Wirtschaftsberater Kevin Hassett jetzt so: Niemand habe einen Überblick gehabt. Niemand habe gewusst, wie viel Beatmungsplätze es in den Krankenhäusern gab und wie viele nötig sein würden. Zwar funktioniere mittlerweile alles "so normal wie möglich", so Hassett in einem Interview, doch der Preis für den verschleppten Kampf gegen das Virus ist hoch. Kein anderes Land der Welt wurde so übel von der Infektionskrise zugerichtet wie die USA. Und was schreibt der US-Präsident dazu? "Wir haben Millionen von Leben gerettet". 

Und wieder sind "Fake-News" schuld.

So oder so ähnlich hat sich Donald Trump schon häufiger geäußert, ein mutiges Statement angesichts von 2,3 Millionen Infizierten und 120.000 Toten. Dennoch vermisst das US-Staatsoberhaupt Wertschätzung für seine Arbeit und beklagt sich in einer Twitter-Tirade, dass Anthony Fauci eine höhere Zustimmung genieße, als er. "Die 'Fake News' weigern sich jedoch, dies (die Leistung Trumps, d. Red.) positiv anzuerkennen. Aber sie geben Dr. Anthony Fauci, der in jeder Hinsicht zu uns gehört, eine sehr hohe Zustimmungsrate von 72 Prozent. Also, wenn er zusammen mit dem Vizepräsidenten all diese wirklich guten Dinge tut, warum behandeln uns die Lamestream-Medien nicht so, wie sie sollten? Antwort: Weil es 'Fake News' sind!"

Außerhalb des Weißen Hauses wird Donald Trumps Management der Coronakrise eher als unzureichend betrachtet. Viele Maßnahmen, die in den allermeisten anderen Staaten der Welt üblich waren oder sind, hatte die US-Regierung nur widerwillig und oder auf Druck der einzelnen Bundesstaaten durchgeführt. Beinahe trotzig weigern sich Trump und sein Vizepräsident Mike Pence, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung vor wenigen Tagen sagte der US-Präsident, dass die Infiziertenzahl nur deswegen so hoch sei, weil die USA so viel testeten und dass man das vielleicht beenden müsse, weil das einen schlechten Eindruck erwecke.

Mutmaßlich dürften die eher deprimierenden, neuen Zahlen Grund dieser Gedanken seien. Denn die Zahl der Neuinfizierten ist landesweit wieder auf dem Stand von vor zwei Monaten und vor allem steigen sie in Bundesstaaten an, in denen Trumps Partei der Republikaner in der Regierung sitzt. Weder für die Erkrankten, noch für den US-Präsidenten, der den Wahlkampf gerade erst wieder aufgenommen hat, sind das rosigen Aussichten. Zumal seine Beliebtheit seit Wochen schon im Sinkflug ist. Offenkundig versucht Trump nun einen Trick, um die Bilanz aufzupolieren.  

Fauci warnt vor drastischer Infektionszunahme

Anthony Fauci, der oberste Pandemiebekämpfer sagte vor dem Repräsentantenhaus weiter, niemand aus der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses sei jemals angewiesen worden, Tests zu verlangsamen. "Das Gegenteil ist der Fall. Wir werden mehr testen, nicht weniger."

Quellen: Donald Trump auf Twitter, DPA, "New York Times"

nik