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Pandemie im Wahlkampf: Trumps Wahlkampf-Problem: Rasant steigende Corona-Zahlen in Republikaner-Staaten

Wahlkampf ohne das Thema Corona? Unvorstellbar - zum Leidwesen von Donald Trump. Das Thema lässt sich nicht totschweigen. Die Infiziertenzahlen steigen rasant. Dazu vor allem dort, wo Trumps Partei das Sagen hat.

Auftritt in Oklahoma: Zwei weitere Trump-Wahlkampfhelfer positiv auf Coronavirus getestet

Donald Trump wäre nicht er selbst, hätte er nicht auch für die wieder stark ansteigenden Corona-Zahlen in den USA eine einfache Erklärung parat: Es gebe mehr Fälle, weil in den USA so viele Tests durchgeführt würden, schrieb Trump am Dienstag auf Twitter. Seine Schlussfolgerung: "Mit weniger Tests hätten wir weniger Fälle."

Weniger Erkrankte allerdings nicht, würden die meisten renommierten Experten, die die Erklärung Trumps zurückwiesen, wohl entgegnen. In mehreren Bundesstaaten, darunter Texas, Florida und Kalifornien, stieg die Zahl bekannter Infektionen zuletzt rasch an. Derzeit werden in den USA rund 30.000 Neuinfektionen pro Tag gemeldet - das ist fast so viel wie auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im April. Der Grund dürfte in erster Linie in den vielerorts voreiligen Lockerungen der Corona-Beschränkungen liegen.

Zahlen steigen vor allem in Republikaner-Staaten

Was für Trump besonders heikel ist: Die Zahl der Infizierten steigt derzeit - mit Ausnahme des demokratisch regierten Kalifornien - vor allem dort rapide an, wo "seine" Republikaner das Sagen haben. Und, so stellen Epidemiologen besorgt fest: Diesmal sind junge Leute sehr häufig von den Infektionen betroffen. In drei Südstaaten haben sich laut einem Bericht des "Miami Herald" sogar vor allem Teenager und junge Erwachsene angesteckt: in Florida, Louisiana und South Carolina wurden die meisten Infektion in den Altersgruppen unter 30 Jahren registriert. Im Dallas County in Texas betraf sogar die Hälfte aller Neuinfektionen die 18- bis 39-Jährigen. Ähnliche Berichte gibt es aus Regionen in Georgia und North Carolina.

Alle diese Staaten haben gemeinsam, dass sie republikanische Regierungen haben, die oft bereitwillig dem Druck "ihres" Präsidenten nachgeben, die Corona-Beschränkungen zu lockern, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das gilt auch für Arizonas Gouverneur Doug Ducey, doch auch in seinem Staat steigt die Zahl der Corona-Infektionen dermaßen an, dass Ducey zumindest zulassen musste, dass Städte und Regionen in seinem Staat strengere Regeln nach eigener Vorstellung erlassen durften. Was Donald Trump nicht daran hinderte, am Dienstag (Ortszeit) in der Hauptstadt Phoenix vor rund 3000 Studenten aufzutreten. Als "Rücksichts- und verantwortungslos" kritisierte das Trumps designierter demokratischer Herausforderer Joe Biden. Ein "Gesundheitsdesaster mit Ansage" befürchtete die örtliche Zeitung "AZ Central".

EU-Zahlen lassen Donald Trump schlecht aussehen

Während Trump die von Sars-CoV-2 ausgehende Gefahr im konkreten Fall noch herunterspielen kann, wird es ihm kaum gelingen, das Corona-Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Denn wann immer dem Virus durch Lockerungen von Beschränkungen Spielraum eingeräumt wird, steigen die Infektionszahlen. Und: Während in den europäischen Ländern, die von der Pandemie stark betroffen waren, ein deutlicher Fortschritt festzustellen ist, liegen die Vereinigten Staaten landesweit fast wieder bei den verheerenden Zuständen vom Frühjahr. Unter Berufung auf die Webseite "Our World In Data" rechnet das Polit-Portal "The Hill" vor, dass sich derzeit zehn Mal so viele US-Bürger mit dem Virus infizieren als Europäer - und das, obwohl die EU-Staaten zusammen mehr als 180 Millionen Einwohner mehr als die USA haben.

Ein Vergleich, der dem Krisenmanagement Donald Trumps ein denkbar schlechtes Zeugnis ausstellt. Trotzdem behauptete Donald Trump vergangene Woche - nicht zum ersten Mal - in einem Interview mit Fox News, dass das Virus sogar ohne Impfstoff allmählich verschwinden werde. Anzeichen dafür sucht man allerdings vergebens.

Schlechte Noten für Social Distancing

Stattdessen scheint der laxe Umgang mit den Corona-Regeln das Virus nun vor allem unter jungen Menschen zu verbreiten. "Der Anstieg, den wir jetzt sehen, ist eine Warnung, dass junge Erwachsene und Jugendliche nicht gegen Covid-19 immun sind", so ein Gesundheitsbeamter aus South Carolina. "Sie sagen uns auch, dass jüngere Menschen hier die soziale Distanzierung nicht ernst nehmen" - und damit auch nicht die Gefahr, dass sie ältere Bekannte und Familienangehörige gefährden, auch wenn sie selber keine oder kaum Symptome spüren. 

Allerdings sind die Menschen in dem konservativen Bundesstaat im Südosten damit alles andere als allein. Folgt man den Angaben auf dem "Social Distancing Scoreboard", auf dem im Netz die Qualität der Einhaltung von Abstandsregeln in US-Staat beurteilt wird, verdient sich nur die Hauptstadt Washington ein "C", schneidet also befriedigend ab. Überall sonst sieht es schlechter aus. Dass damit auch in den demokratisch geführten Staaten ein Anstieg der Corona-Zahlen wahrscheinlich wird, dürfte Trump nur wenig nutzen. Das Virus wird zentrales Wahlkampfthema sein - und die Demokraten um Joe Biden werden ihm die Zahl der Opfer und der aus der Krise resultierenden Arbeitslosen immer wieder unter die Nase reiben.

Quellen: "The Hill", "Miami Herald", Twitter/Donald Trump, "AZ Central (1)", "AZ Central (2)", "Star Tribune", Fox News, Nachrichtenagentur DPA, Social Distancing Scorboard, Our World In Data