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Recherchen der "New York Times" Trump ein Selfmade-Milliardär? Von wegen. Schon mit acht machte sein Vater ihn zum Millionär


Donald Trump behauptet gerne von sich, aus eigener Kraft Milliardär geworden zu sein. Recherchen einer US-Zeitung zeigen nun: An der Legende ist nichts dran. Sein Vater schenkte ihm ein Vermögen. Im Gegenzug half er der Familie, Steuern im großen Stil zu sparen.

Donald Trump erzählt gern von sich, wie er mit wenigen Mitteln ein Milliarden-Imperium aufbaute. Er habe sich damals nur eine Million Dollar von seinem Vater geliehen, und diesen Kredit sogar mit Zinsen zurückbezahlt, heißt es immer wieder. Trump gefällt sich in der Rolle als König der Selfmade-Milliardäre. Doch nun deckt die renommierte US-Zeitung "New York Times" (NYT) in einem umfangreichen Artikel auf, dass am selbst gestrickten Mythos des aktuellen US-Präsidenten kaum etwas dran ist.

Denn aus eigener Kraft, wie es Trump gerne darstellt, erschuf er kein Imperium. Schon als Dreijähriger verdiente er durch die Geschäfte seines Vaters viel Geld, nach heutigem Wert seien es 200.000 Dollar gewesen - pro Jahr. Bereits als Achtjähriger war Donald Trump Millionär. Mit 17 bekam er ein Appartement-Gebäude mit 52 Wohnungen. Nach dem College erhielt er das Äquivalent von einer Million Dollar pro Jahr, die Summe erhöhte sich bis zu seinen 40ern und 50ern auf stolze fünf Millionen jährlich.

Im Laufe der Jahrzehnte soll sein Vater Fred ihm Immobilien-Werte im Wert von heute mindestens 413 Millionen Dollar vermacht haben. "Den Großteil des Geldes bekam Trump, weil er seinen Eltern half, Steuerzahlungen zu vermeiden", schreibt die "New York Times".

Millionenschwere Steuervermeidung

Es sind schwere Vorwürfe, welche die Zeitung erhebt. Mitunter lesen sie sich wie aus einem Drehbuch für einen Mafiafilm: So soll Trump mit seinen Geschwistern Scheinfirmen gegründet haben, um millionenschwere Geschenke der Eltern zu verschleiern. Zugleich "formulierte er eine Strategie", wie die Eltern den Wert des Immobilienbesitzes zu niedrig ansetzen und auf diese Weise Steuern vermeiden konnten.

Dabei geht es nicht um kleine Beträge, sondern um Dimensionen in Höhe "mehrerer hundert Millionen US-Dollar", schreibt die NYT. So übertrugen die Eltern Fred und Mary Trump Immobilien im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar an ihre Kinder - und zahlten lediglich Steuern in Höhe von 52,2 Millionen Dollar. Das sind knapp fünf Prozent. Normalerweise wäre mehr als das Zehnfache - 550 Millionen Dollar - fällig gewesen. Experten zufolge nutzten die Trumps nicht nur Schlupflöcher, sondern ein ganzes "Muster von Täuschungen und Verschleierung".

Die "New York Times" beruft sich für ihren Artikel auf eine Vielzahl von Interviews, die sie über Wochen mit früheren Angestellten und Beratern von Fred Trump geführt hat. Außerdem liegen der Zeitung mehr als 100.000 Seiten an Dokumenten vor. Die früheren Steuererklärungen von Donald Trump hat die Zeitung jedoch nicht vorliegen. Im Gegensatz zu anderen US-Präsidenten gewährte Donald Trump bislang keine Einblicke in seine Steuererklärungen.

Trump will damit nichts zu tun gehabt haben

Trump selbst leugnet die Vorgänge nicht, wohl aber, dass er daran beteiligt sei. Als die Zeitung ihn mit zahlreichen Details konfrontierte, erklärte Trumps Anwalt Charles Harder: "Präsident Trump war praktisch in keiner Weise in diese Sachen verwickelt." Die Angelegenheiten seien von anderen Mitgliedern der Familie gehandhabt worden, die selbst keine Experten auf diesem Gebiet seien und sich deshalb auf anerkannte Profis verlassen haben, erklärt der Jurist weiter. Trumps Bruder Robert teilte der Zeitung außerdem mit, man habe immer alle erforderlichen Steuern bezahlt.

Harder selbst bezeichnete den "NYT"-Bericht als "100 Prozent falsch und höchst verleumderisch". Er forderte die Zeitung deshalb zu einer Entschuldigung auf. Die Steuerbehörde überprüft derweil die Vorwürfe im Artikel und "verfolgt energisch alle angemessenen Ermittlungswege", sagte ein Behördensprecher der Nachrichtenagentur AFP.


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