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Analyse

US-Präsident: Donald Trump lügt oft. Seine Anhänger glauben ihm trotzdem fast alles

Der amerikanische Präsident nimmt es mit der Wahrheit nicht sonderlich ernst. Bei seinen Anhängern kommt das an. Sie vertrauen ihm - sogar mehr als dem FBI oder der CIA.

US-Präsident Donald Trump wird ständig nachgewiesen, dass er lügt. Seine Anhänger glauben das trotzdem nicht.

US-Präsident Donald Trump wird ständig nachgewiesen, dass er lügt. Seine Anhänger glauben das trotzdem nicht.

DPA

Trump lügt. Das ist nichts Neues. Im vergangenen Jahr stellte er pro Tag öffentlich im Durchschnitt 15 falsche Behauptungen auf.

2019 geht es damit nun munter weiter. So auch bei seiner großen Rede, der sogenannten State of the Union, vor dem Kongress vor knapp zwei Wochen. Da erzählte er, dass die amerikanische Stadt El Paso in Texas nur durch eine Grenzmauer zu Mexiko vor Gewalt und Verbrechen gerettet worden sei. Und deswegen sei es nur logisch, dass die USA eine Mauer entlang der gesamten Grenze zum Nachbarland bräuchten.

Trump ist ein notorischer Lügner

Einziger Haken: Trumps Geschichte stimmt nicht. Das war recht schnell klar und anhand von Statistiken und Zahlenmaterial klar belegbar. El Paso war vor dem Bau der Mauer keine besonders gefährliche Stadt. Die Zahl der Verbrechen sank auch nicht dramatisch, sondern blieb stabil.

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Trump juckt das allerdings nicht. Statt bei seinem Lieblingsprojekt klein bei zu geben, rief er seine Anhänger auf, die Fakten zu ignorieren und stattdessen ihm zu vertrauen. Das taten sie dann auch. Auch das ist messbar: Trumps Anhänger sind bereit, anderen Informationsquellen wie Kriminalitätsstatistiken, Ermittlungsergebnisse von Behörden und sogar konservative Nachrichtensender, zu ignorieren. Zumindest wenn der amerikanische Präsident es ihnen sagt.

Die Mauer zu Mexiko war einer der großen Treiber in Trumps Wahlkampf. Es gibt nicht wenige, die glauben, mit dieser Forderung habe er die Wahl überhaupt nur gewinnen können. Deswegen ist er nun so versessen darauf, dieses Versprechen durchzusetzen. Gleich für seinen ersten großen öffentlichen Auftritt reiste er deswegen auch direkt nach El Paso - und wiederholte dort vor seinen Anhängern gleich noch einmal die Lüge über die Grenzstadt. Das obwohl sogar der Trump eigentlich sehr wohl gesonnene konservative Sender Fox News inzwischen berichtet hatte, dass die Behauptungen des Präsidenten falsch seien.

Trump will die Mauer - mit allen Mitteln

Trump wäre nicht Trump, wenn er sich davon beirren ließe. Sein sehr erfolgreiches Prinzip ist es, eine Lüge so oft zu wiederholen, bis irgendwas hängen bleibt. So stand er dann auch in der Halle in El Paso und sagte: "Ich habe mit Leuten gesprochen, die hier seit langem leben, die erklären, dass sich durch die Mauer alles komplett geändert habe." Persönliche Geschichten und Erlebnisse dienen ihm als Beleg. Fakten verschwiegt er, alles ohne Quellen zu nennen. Dabei hatte Trump sich selbst in der Vergangenheit beschwert, dass Zeitungen wie die "Washington Post" seiner Meinung nach zu oft nur anonyme Quellen zitieren würden, wenn sie ihn kritisierten.

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Sogar den republikanischen Bürgermeister Dee Margo der Stadt attackierte er scharf. Der hatte versucht, sich Trump entgegen zu stellen. Der Präsident sagte vor seinen frenetisch jubelnden Anhänger: "Die sind voller Mist. Die sagen: 'Oh, die Verbrechensrate ist gleich geblieben.' Stimmt nicht. Sie ist nicht gleich geblieben, sie ist gefallen. Die wollen euch nur reinlegen. Das sind alles Fake News." So redet der Präsident einer der größten Demokratien der Welt. Gruselig.

Man mag das für verrückt halten. Ist es aber nicht. Sondern sehr erfolgreich, zumindest unter Trumps Anhängern. Dafür muss man nur einen Blick in eine gerade veröffentlichen Umfrage werfen, die sich mit dem Thema befasst, wie sehr Menschen Statistiken von Behörden und öffentlichen Institutionen vertrauen. Gerade einmal 15 Prozent der Trump-Wähler sagen, dass sie solchen offiziellen Zahlen vertrauen. Und während nur 29 Prozent der Amerikaner insgesamt sagten, man könne Trump vertrauen, meinen 74 Prozent seiner Wähler, dass sie ihm glauben.

Wahre Trumpisten ziehen seine Aussagen sogar denen von FBI und CIA vor - so belegt es eine Umfrage der Quinnipiac University. Und immerhin 40 Prozent seiner Anhänger glauben wirklich, dass der Präsident noch nie gelogen habe. 31 Prozent denken, er habe höchstens ein Mal die Unwahrheit behauptet.

Insgesamt fast 8.500 Lügen hat Trump seit seinem Amtsantritt erzählt. Das ist alleine schon erschreckend. Aber, dass ihm so viele blind folgen, ist erschreckender.

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