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"The Trump of the Year" "Shithole Countries", Familientrennung, Nordkorea: Wie Trump das Jahr 2018 geprägt hat

Das Jahr hat mit einer Bedrohung angefangen: Trump gibt auf Twitter an, dass sein "Nuclear Button" – also der amerikanische Atomwaffenvorrat – größer sei als der vom nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.
Hatte er Silvester nicht genug Feuerwerk? Bis Juni sind Trump und Kim verfeindet. Dann treffen sich die zwei Staatsoberhäupter in Singapur, aber dazu komme ich später.


Am 11. Januar soll Trump Haiti und afrikanische Länder als "Shithole Countries" bezeichnet haben. Das sagen zumindest die Abgeordneten, die bei einem Treffen zur Einwanderungspolitik anwesend waren. Das ist gefühlt schon ewig her, oder?


Am nächsten Tag kommt es zu einem der größten Skandale seiner Präsidentschaft: Das "Wall Street Journal" berichtet, dass Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen 130.000 US-Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels bezahlt haben soll. Heute wissen wir, dass dieser Fall vielleicht zu Trumps Amtsenthebungsverfahren führen könnte.


Ein Monat später taucht die nächste Affäre auf: "The New Yorker" berichtet, dass Trump 2006 eine Beziehung mit Ex-Playboy-Model Karen McDougal gehabt habe. Ihre Geschichte wurde vor der Wahl 2016 für 150.000 Dollar unterdrückt.


Ab März zeigt Trump seine wahren Absichten in der Außenpolitik. Ein Handelskrieg beginnt – mit den ersten Strafzöllen auf Aluminium und Stahl. Im Mai steigen die USA aus dem Iran-Atomabkommen aus.


Und im Juni gerät Trump völlig außer sich: Er verlässt den G7-Gipfel in Kanada, wo er amerikanische Verbündete als Feinde bezeichnet. Dann fliegt er weiter nach Singapur, wo Kim Jong Un auf ihn wartet.


Das Treffen ist bahnbrechend: Kein US-Präsident hat sich bisher mit einem nordkoreanischen Diktator getroffen. Aber Trump will zeigen, dass er der "Dealmaker" ist. Dass er nicht zum Establishment gehört.  Der sogenannte "Deal", der ausgemacht worden ist, war ungenau, schwach und wurde bisher fast komplett ignoriert. Toller Job, Mr. President.


Im Frühsommer finden wir etwas heraus: Seit April trennt eine Null-Toleranz-Politik an der US-mexikanischen Grenze Kinder von ihren Eltern. Bilder der Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit gehen um die Welt. Doch Trump behauptet, er habe keine Schuld. Er hätte sogar das Problem gelöst, indem er ein Dekret unterzeichnet, das die Familientrennung an der Grenze beendet.


Wir werden Familien zusammenhalten. Ich mochte weder das Bild noch das Gefühl, Familien zu trennen. Das Problem gibt es seit Jahren und viele Regierungen hatten es schon."


Ende Oktober warten noch 120 von den 2.654 Kindern auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern.


Und liebe Zuschauer, vielleicht werden Sie schon müde, aber die Skandale hören bei diesem Mann noch nicht auf.


Nach einem Gipfel mit Wladimir Putin in Helsinki steht Trump unter Beschuss. Der US-Präsident verrät den amerikanischen Geheimdienst. Er glaubt Putins Beteuerung, dass Russland nichts mit den Hackerangriffen 2016 zu tun habe.


"Präsident Putin sagt, Russland hat es nicht getan. Ich kann eines sagen: Ich sehe keinen Grund dafür, warum es Russland gewesen wäre."


Von links und rechts hagelt es Kritik. Doch Trump redet sich raus und sagt, er hätte sich in Helsinki nur versprochen.


Ich sagte das Wort "wäre" statt "wäre nicht". Ich sehe keinen Grund dafür, warum es nicht Russland gewesen wäre."


Und erinnern Sie sich, wie er im selben Monat quasi den Iran mit einer Kriegserklärung bedroht? Tweet zeigen


Aber das ist wahrscheinlich nur eine Ablenkungstaktik gewesen, weil nur zwei Tage später eine Audioaufnahme veröffentlicht wird. In dieser Aufnahme ist zu hören, wie Trump und sein Anwalt Michael Cohen im September 2016 – vor der Wahl – über Schweigegeld reden.


Damals dachten wir, das wäre ein weiterer Nagel in Trumps Sarg. Doch seine Anhänger und die Republikaner im Kongress bleiben ihm treu. Ist geheime Absprache mit Russland überhaupt eine kriminelle Tat? Fragt Trumps neuer Anwalt Rudy Giuliani live im Fernsehen.


Ja, Rudy.


Im September bricht eine Kontroverse über Brett Kavanaugh aus. Der Präsident nominiert ihn als neuesten Richter am Obersten Gerichtshof. Das löst einiges aus: sexuelle Misshandlungs-Vorwürfe gegen Kavanaugh und eine Anhörung im US-Senat. Der Prozess spaltet die Nation für einen ganzen Monat. Am Ende tritt Kavanaugh dem Obersten Gerichtshof bei.


Trump feiert seinen zweiten Richter im Supreme Court – zwei Männer, die das Leben der Amerikaner auch noch in 20 Jahren beeinflussen werden.


Liebe Zuschauer, ich glaube, ich werde langsam müde – aber wir kommen gleich zum Ende.


Im Oktober verschwindet der "Washington Post"-Journalist Jamal Khashoggi.


Sein Abhandenkommen löst einen internationalen Skandal aus, als Details von Khashoggis Mord auftauchen. Trump leugnet die Ergebnisse seiner eigenen Geheimdienste und bleibt dem saudischen Prinzen Mohammed Bin Salem treu. America First, Baby!


Im November finden die Midterm-Wahlen statt. Im Wahlkampf bezeichnet Trump die Demokraten als "einen linken Mob". Doch das ist nicht alles, was er über sie zu sagen hat.


Trotzdem haben die Demokraten das Repräsentantenhaus wiedererobert. Das heißt, ab 2019 haben Trump und die Republikaner nicht mehr die alleinige Macht im Land. Und das ist gut so.


Auch im Dezember kommt Trump nicht zur Ruhe: Trump hat vor laufender Kamera mit Nancy Pelosi und Chuck Schumer gestritten und ihnen mit einem Regierungsstillstand gedroht. Sein Ex-Anwalt Michael Cohen wurde zu 3 Jahren Haft verurteilt, wegen Finanzbetrug im Wahlkampf und Steuerhinterziehung. Und Cohen sagt, Trump sei mitschuldig. Manche Demokraten fordern ein Amtsenthebungsverfahren – aber soweit ist es noch nicht gekommen.


Übrigens: In diesem Jahr haben 25 Mitarbeiter ihre Jobs im Weißen Haus verlassen – entweder sind sie gefeuert worden oder sind selber zurückgetreten.


Darunter: Rob Porter, Hope Hicks, Gary Cohn, Rex Tillerson, Andrew McCabe, Jeff Sessions, H.R. McMaster, Nikki Haley, Scott Pruitt, Donald McGahn, James Mattis.


Das war’s für 2018, vorerst... Ob 2019 Trumps letztes Jahr im Amt sein könnte? Warten wir es ab. Wir sehen uns nächstes Jahr.
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Das Jahr neigt sich dem Ende und wir haben knapp die Hälfte von Trumps erster Amtszeit überstanden. Genau wie im Jahr 2017 sorgte der US-Präsident auch 2018 für Schlagzeilen weltweit. Was waren die bedeutungsvollsten Ereignisse?

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