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Corona-Gefahr heruntergespielt "Trump verkauft ein ganzes Volk wider besseres Wissen für dumm"

Sehen Sie im Video: US-Präsident Donald Trump verteidigt seinen Kurs zur Bewältigung der Corona-Pandemie.




-Präsident Donald Trump bemüht sich am Mittwoch um Schadensbegrenzung und verteidigt seinen Kurs zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie. "Tatsache ist: Ich bin ein Cheerleader für dieses Land. Ich liebe unser Land und will nicht, dass die Leute sich ängstigen. Ich möchte keine Panik erzeugen, wie Sie sagen. Und ich werde dieses Land oder die Welt sicher nicht in den Wahnsinn treiben. Wir wollen Zuversicht und Stärke als Nation zeigen. Und das ist, was ich getan habe. Wir haben es in jeder Hinsicht gut gemacht." Medienberichten zufolge hat Trump das Coronavirus zu Jahresbeginn bewusst heruntergespielt, um eine Panik zu verhindern. Der Sender CNN und die Zeitung "Washington Post" berufen sich auf Aufnahmen von Interviews, die Trump im Februar und März dem Journalisten Bob Woodward für ein Buchprojekt gab. Den vorab veröffentlichten Äußerungen zufolge war sich Trump der Ansteckungsgefahren durch das Virus bewusst. Dieses werde über die Luft übertragen, wird er zitiert, und weiter: "Es ist auch tödlicher als sogar eine starke Grippe." Am 19. März soll Trump gesagt haben: "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es immer noch lieber herunter, weil ich keine Panik auslösen will." Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden bezichtigte Trump im Anschluss eines "abscheulichen" Verhaltens. Er wirft dem Präsidenten vor, zu schwach und zu langsam auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert zu haben. Trumps Corona-Politik hat scharfe Kritik hervorgerufen. In den USA sind bislang mehr als 190.000 Infizierte gestorben.
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US-Präsident Donald Trump hat seine Landsleute über die Corona-Pandemie bewusst im Unklaren gelassen, wie aus Interview-Mitschnitten hervorgeht. Die Reaktionen in Medien fallen eindeutig aus. Die Pressestimmen.

Donald Trump fiel im Frühjahr mit verharmlosenden Äußerungen zur Gefahr durch das Coronavirus auf. Aus Interview-Mitschnitten geht nun hervor, dass der US-Präsident damals die gravierenden Risiken durchaus kannte (lesen Sie hier mehr dazu). Wenige Wochen vor der Wahl gerät Trump nun unter erheblichen Druck.

Das Meinungsbild in Medien ist eindeutig: Der US-Präsident hat fahrlässig gehandelt. Trump habe "ein ganzes Volk wider besseres Wissen für dumm verkauft", kommentiert etwa die "Neue Osnabrücker Zeitung". Das "Straubinger Tagblatt" kommt zu dem Schluss: Der Präsident habe seinen Landsleuten "dreist ins Gesicht" gelogen. Die Pressestimmen.

"Er ist nun einmal ein Schwätzer und Dröhner" – das Medienecho zu Trumps Offenbarungseid

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Man kann das Rad nicht zurückdrehen. Aber wenn der Präsident von Beginn der Epidemie an, über deren Gefährlichkeit sich die amerikanischen Fachleute früh im Klaren waren, verantwortungs- und pflichtbewusst gehandelt hätte, wenn er nicht immer wieder die Sache, wie er selbst zugibt, vorsätzlich bagatellisiert hätte, dann wäre den Amerikanern womöglich viel Leid erspart geblieben. Andere Politiker in hoher Verantwortung ließen die Bürger über den Ernst der Lage nicht im Unklaren. Auch darüber, wie viel Schuld Präsident Trump trägt, werden die Wähler demnächst ihr Urteil fällen."

"Neue Osnabrücker Zeitung": "Da weiß der Präsident des wohl mächtigsten Staates der Welt um die Gefährlichkeit einer Krankheit – und agiert doch lange so, als handle es sich dabei um einen Schnupfen. Dem Gefühl berechtigter Sorge seiner Bürger setzt er systematisch zur Schau gestellte Sorglosigkeit und Ignoranz entgegen. Damit verkauft er ein ganzes Volk wider besseres Wissen für dumm. Sein Argument, er habe keine Panik aufkommen lassen wollen, zieht nicht. Denn dann hätte er zumindest im Hintergrund alles Menschenmögliche getan, um eine Ausbreitung von Covid-19 im Frühstadium zu verhindern. Inzwischen verzeichnen die USA gut 190.000 Corona-Tote."

"Straubinger Tagblatt": "Nun behauptet er, er habe eine Panik vermeiden wollen. Doch das rechtfertigt nicht, dem Land in einer Frage von Leben und Tod dreist ins Gesicht zu lügen. Hätte er den Amerikanern frühzeitig gesagt, dass das Virus gefährlich ist, wäre es nicht zur Panik gekommen. Nein, die Menschen hätten sich geschützt. Erstaunlich ist, dass Trump sein Versagen ausgerechnet Woodward gegenüber eingestanden hat. Doch er ist nun einmal ein Schwätzer und Dröhner, unfähig, die Konsequenzen seines Geredes zu überblicken."

"Rhein-Zeitung" (Koblenz): "Trump hat ohne jeden Zweifel den Tod Zehntausender Menschen auf dem Gewissen. Und viele der sechs Millionen Infizierten haben ihren schweren Krankheitsverlauf und die Spätfolgen dem eiskalten Kalkül dieses Narzissten zu verdanken. Angesichts der Perspektive, im November in den USA mehr Opfer der Covid-19-Pandemie als Tote des Zweiten Weltkriegs zu haben, überschätzt Trump seine Unverwundbarkeit. Das Woodward-Buch könnte zum Mühlstein um seinen Hals werden, der die Aussicht auf eine Wiederwahl am 3. November endgültig versenkt."

"Südwest Presse" (Ulm): "Wenn Biden in der Offensive bleibt, dann könnten die Tonbänder ähnliche Wirkung entfalten wie jene, die 1974 Richard Nixon zu Fall brachten. Woodward muss Kritik einstecken, weil er genau wusste, wie gefährlich Trump ist und er deshalb früher hätte an die Öffentlichkeit gehen sollen. Der Vorwurf ist berechtigt. Doch womöglich war das Timing ganz bewusst, denn außer durch eine Wahl gibt es keinen Weg, diesen Präsidenten aus dem Amt zu jagen."

"Neues Deutschland" (Berlin): "Doch vielleicht wird die Enthüllung dafür sorgen, dass der 'Homecoming'-Effekt – dass mit Trump fremdelnde Republikanerwähler am Ende zur Partei zurückkehren – dieses Mal kleiner ist oder gar ausfällt. Oder dass das Umfragerennen nicht knapper wird, wie es sonst oft in den letzten Wochen vor der Wahl passiert. Denn das stetige Tröpfeln der Enthüllungen wird weitergehen die nächsten Tage und Wochen. Immerhin: Aktuell liegt der Demokrat Joe Biden im Umfragendurchschnitt landesweit siebeneinhalb Prozentpunkte vorn - und das relativ stabil seit Monaten."

fs DPA AFP

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