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Streit um illegale Migranten Wütende Basis: Warum Donald Trump bald sehr alleine dastehen könnte

Trump Kappe mit Maga-Mütze
Die MAGA-Mütze war das Symbol für Anhänger von Donald Trump.
© Charlie Riedel/Picture-Alliance / Picture Alliance
Auf seine Basis konnte sich Donald Trump stets verlassen, monatelang hielt sie dem umstrittenen US-Präsidenten den Rücken frei. Jetzt könnten ihm die rechten Wähler davonlaufen. Trumps Politik ist ihnen zu links.

Sie waren sein Fels in der Brandung. Egal ob Russland-Vorwürfe, bröckelnde Beziehungen mit Verbündeten oder die gescheiterte Gesundheitsreform: Auf den Rückhalt seiner Kernwähler konnte sich Donald Trump stets verlassen. Mochten seine Umfragewerte noch so purzeln, 30 Prozent standen voll hinter dem US-Präsidenten. Das könnte sich jetzt ändern.

Schuld ist ausgerechnet eine Entscheidung, für die ihn die Gegenseite lobt. Nachdem Trump zunächst Barack Obamas Programm zum Schutz illegal eingewanderter Kinder, Daca getauft, abschaffen wollte, entschied er sich vorerst doch dagegen. Gemeinsam mit den Parteiführern der oppositionellen Demokraten besprach er am Donnerstag eine mögliche Lösung - ganz ohne die Republikaner. Auch wenn Trump später klar stellte, dass der Deal noch nicht final war: Das Signal an seine Basis war verheerend. 

Einwanderungsfalle

Denn mit kaum einem Wahlkampf-Thema hatte Trump so viele Menschen auf seine Seite gezogen wie mit seiner harten Einwanderungspolitik. Daca abschaffen, Illegale ausweisen und natürlich seine von Mexiko bezahlte Mauer: das waren die Dauerbrenner der Trump-Supporter. Der Deal mit den Demokraten würde wenig davon übrig lassen. Die Mauer soll durch strengere Grenzkontrollen ersetzt werden, die durch Daca geschützten Menschen im Land bleiben.

In einem Tweet goss Trump dann noch Öl ins Feuer: "Will wirklich jemand gute, gebildete und erfolgreiche junge Menschen aus dem Land werfen, die Jobs haben, sogar zum Teil im Militär dienen? Wirklich?" Die Basis schäumte.

Ob der Deal wirklich zustande kommt, ist aktuell noch völlig offen. Die Demokraten behaupten zwar, man habe sich geeinigt, Trump ließ aber schnell klar stellen, man sei nur "nahe einer Einigung". Rechten Portalen wie "Breitbart" und vielen brennenden Unterstützern ist aber schon das viel zu viel.

Die Ex.Kommunikationschefin von US-Präsident Donald Trump, Hope Hicks, kehrt nach zwei Jahren ins Weiße Haus zurück.

Verwirrt bis wütend

Welches Ziel Trump mit seiner Strategie verfolgt, ist unklar. Die liberaleren Amerikaner dürften die Entscheidung zu schätzen wissen, zu Trump-Fans macht es sie aber sicher nicht. Bei den eigenen Anhängern sorgt es indes im besten Fall für Unverständnis - und im schlimmsten für Wut. Selbst wenn er zurückrudert, könnte der Schaden schon zu groß sein.

Auf "Breitbart" versucht man es derzeitl noch mit Warnungen. Die 3,3 Millionen illegalen Einwanderer könnten wegen Obamas Gesundheitsreform 115 Milliarden US-Dollar kosten. In den Nutzer-Kommentaren herrscht eine klare Meinung: Sollte Trump seine bei Twitter angedeuteten Pläne einer Amnestie der Daca-Betroffenen durchziehen, wird er zum Feind.

Liberales Feindbild

Obwohl Trumps mögliche Zugeständnisse bei Daca seinen rechten Anhängern ein Dorn im Auge sein dürften, könnte auch die bloße Zusammenarbeit mit den Demokraten schon zum Problem werden. In der Regierungszeit Barack Obamas hatten sich viele Republikaner zu einer fundamentalen Opposition zusammengefunden, die jedes Vorhaben des ersten farbigen Präsidenten per se ablehnte.

Alleine der Fakt, dass sich die liberalen Gegner über etwas ärgerten, galt vielen konservativen US-Amerikanern schon als Grund zur Freude. "Liberal Tears" (Liberale Tränen") wurden zum geflügelten Wort - und keiner konnte sie so schnell zum Fließen bringen wie Donald Trump. Und plötzlich steckt er mit dem Feind unter einer Decke.

Die Kappe brennt

Auch bei Twitter kippt langsam die Stimmung. Unter dem Hashtag #amnestydon - also Amnestie-Donald - beklagen sich die Wähler über den Linksschwenk ihres einstigen Idols. Eine Ex-Anhänger haben bereits begonnen, Videos ihrer brennenden "MAGA"-Kappen zu posten. Unter den roten Mützen mit dem Slogan "Make America Great Again" hatte sich seine rechte Basis im Wahlkampf versammelt.

Selbst mancher prominenter Verfechter hat dem Präsidenten die Unterstützung gekündigt. Die ultrakonservative Abgeordnete Ann Coulter dachte bei "Breitbart" bereits laut über die Gründung einer neuen Partei nach. Bei Twitter teilt sie fröhlich Videos brennender MAGA-Kappen. In einem Tweet vom Donnerstag stellte sie als Antwort auf einen Tweet von Trump eine Frage, die vor kurzem noch undenkbar war. "Wer will Trump zu diesem Zeitpunkt eigentlich NICHT des Amtes entheben?" Die Antwort dürfte dem Präsidenten immer weniger gefallen.

Frank Giaccio Memes
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