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Protektionismus: Trumps "America first" produziert fast nur Verlierer

"Make America great again" und "America first" waren die wichtigsten Wahlkampfslogans von Donald Trump. Eine Studie zeigt, wie der Schutz der eigenen Wirtschaft den USA und dem Welthandel schaden würde.

Donald Trump Fan America first

Donald Trump-Anhängerin bei einer Demo der "America-First"-Bewegung in Kalifornien

Der von US-Präsident Donald Trump wiederholt angedrohte Protektionismus würde einer Studie zufolge weltweit zu Einkommensverlusten führen. Vor allem wären aber die USA selbst von einer Schwächung betroffen, ergab die von der Bertelsmann-Stiftung beauftragte Studie des Münchner Ifo-Instituts. Im ungünstigsten angenommenen Fall würde die jährliche amerikanische Wirtschaftsleistung durch Importzölle und andere Erschwernisse demnach um 2,3 Prozent oder 415 Milliarden US-Dollar zurückgehen.

"Wirtschaftliche Abschottung - ein Verlustgeschäft"

Das Ifo-Institut hat im Auftrag der Gütersloher Stiftung verschiedene Szenarien durchgerechnet, um die Folgen für 43 Staaten und den Rest der Welt aufzuzeigen. Demnach würde eine Abschottung in der Handelspolitik auch die US-Exporte sinken lassen. "Wirtschaftliche Abschottung ist ein Verlustgeschäft für alle Handelspartner", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann-Stiftung, Aart De Geus. "Was wir brauchen, ist eine faire Handelspolitik, die den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen ermöglicht und weltweit zum Wohle von Produzenten und Konsumenten wirkt."

Beispiel: Würde Donald Trump im Freihandel zwischen den USA, Mexiko und Kanada Zölle, technische Auflagen und Dokumentationspflichten einführen, würde das langfristig das Pro-Kopf-Jahreseinkommen in den USA um rund 0,2 Prozent sinken lassen. Kanada wäre mit einem Minus von 1,5 Prozent allerdings noch stärker betroffen. Deutschland würde dagegen vom Ende des nordamerikanischen Freihandels profitieren. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts würde in diesem Fall der deutsche Export in die USA um 3,2 Prozent und 4,4 Milliarden US-Dollar nach oben klettern.

Größter Schaden durch Importsteuer

Der größte Schaden würde der Studie zufolge entstehen, wenn die USA die Importe aus der ganzen Welt um jeweils 20 Prozent teurer machen würden. Im Gegenzug gehen laut Ifo-Berechnungen die US-Exporte in die meisten Länder um 40 bis 50 Prozent zurück. Grund ist die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie. Das US-Bruttoinlandsprodukt würde demnach um 250 Milliarden US-Dollar sinken. Und auch Deutschland würde in diesem Fall negative Folgen spüren. Das deutsche BIP würde um 22 Milliarden US-Dollar geringer ausfallen; 2016 lag es bei knapp 3,5 Billionen Dollar.

Trump hatte im Zuge seiner "Amerika zuerst"-Politik wiederholt Abschottungsmaßnahmen angedroht. Unter anderem brachte er mögliche Strafzölle für ausländische Unternehmen ins Spiel und kündigte kurz nach seinem Amtsantritt im Januar das fertig ausgehandelte Freihandelsabkommen TPP mit mehreren Pazifikanrainern auf. Über das nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta mit Kanada und Mexiko wird derzeit neu verhandelt.

nik/DPA/AFP