HOME

stern-Reporter erklären: Warum Donald Trump plötzlich Russlands Feind ist

Ist der Flirt zwischen Donald Trump und Wladimir Putin schon wieder vorbei? Die Forderung des US-Präsidenten, Russland möge die Krim bitte wieder an die Ukraine zurückgeben, sorgt in Moskau für Fassungslosigkeit.

Von Bettina Sengling

Wladimir Putin

Wladimir Putin dürfte angesichts von Donald Trumps Krim-Vorstoß nur wenig begeistert sein

Die "Nationale Befreiungsbewegung" weiß, wo der Feind steht. Gewöhnlich wettert die nationalistische Pro-Putin-Truppe gegen Liberale, Oppositionelle, den Westen. Am Mittwoch hatten sich die Demonstranten jedoch einen anderen Gegner ausgesucht: Ausgestattet mit Fahnen und Bannern zogen die russischen Patrioten in Moskau ausgerechnet vor die staatliche Nachrichtenagentur " heute". Empört seien sie über deren Berichterstattung. Genauer: Über den Trump-Kult in den russischen Medien. "Trump ist ein gefährlicher Feind Russlands", erklärte Jurij Kusnezow, einer der Organisatoren. Dabei gilt nicht nur die Nachrichtenagentur als kremlgesteuert. Auch die Radikalen der "Nationalen Befreiungsbewegung" sind Beobachtern zufolge ein Projekt aus der Präsidialadministration. Der Kreml war in Erklärungsnot geraten.

Trumps Wahlkampf-Flirt mit

Daran ist schuld. Monate lang hatten die Medien den amerikanischen Präsidenten zu einer Art neuem Hoffnungsträger aufgebaut, einem Heilsbringer für Russland. Schon während des Wahlkampfs tauschten Trump und Putin Komplimente aus, bezeichneten sich als "große" oder "strahlende" Persönlichkeit. Die Vereinigten Staaten und Russland werden vielleicht zusammenarbeiten, "um einige der vielen großen und dringenden Probleme der Welt zu lösen", twitterte Trump noch Anfang Januar. Der in Russland verhasste Barack Obama hatte das Land noch als Regionalmacht gedemütigt. Doch seit Trumps Wahlsieg triumphierten die Russen: Endlich, so hoffte man in Moskau, sollte Wladimir Putins Traum von einer "multipolaren Welt" wahr werden.

Im vergangenen Sommer hatte Trump sogar angedeutet, die Sanktionen aufzuheben und die Übernahme durch die Russen anzuerkennen. Die Blitz-Annexion hatte Russland vor drei Jahren in ungekannten patriotischen Taumel versetzt. In der Generalversammlung der Vereinten Nationen 2014 wurde Russland in der Krim-Frage jedoch nur von zehn Ländern unterstützt - unter anderem Nordkorea, Syrien, Simbabwe, der Sudan, Weißrussland und Venezuela.   

Donald Trump vielleicht doch nicht so russlandfreundlich?

Seit Trump im Amt ist, sieht jedoch alles ganz anders aus: Seine Politik scheint doch nicht so russlandfreundlich auszufallen, wie Moskau sich das erhofft hatte. Erst erklärte die US-Botschafterin der UN überraschend deutlich, die USA wolle solange an den Sanktionen festhalten, bis die Krim wieder ukrainisch werde. Jetzt wiederholte das gleiche erst Trumps Sprecher  Sean Spicer und schließlich twitterte der Chef selbst: "War Obama zu weich gegenüber Russland?"

Fassungslos schwankt das politische Moskau zwischen Beschwichtigung und Empörung. Könnte doch alles auch ein beginnender Handel sein, schrieben russische Medien. Trump wolle als ehemaliger Geschäftsmann vielleicht den Preis für mögliche Deals hoch treiben. Schließlich seien die Forderungen seines Sprechers einfach nur absurd. Ein innenpolitischer Trick könne das sein: um Trump aus dem Verdacht zu befreien, zu sehr auf den Mann aus dem Kreml zu hören, gefangen zu sein in einem Netzwerk aus Männern mit Kreml-Kontakten. 

Moskau ist sauer

Offizielle Stimmen klangen jedoch vor allem: sauer. "Wir geben unser Territorium nicht zurück", erklärte Marija Sacharowa, die Sprecherin des Außenministeriums. Der Parlamentssprecher forderte, Trump solle einfach die Versprechen aus dem erfüllen. Und Putins Sprecher Dmitrij Peskow stellte fest, dass es bislang noch keine echten Kontakte zwischen Trump und Putin gebe. "Das ist nicht unser Mann", hatte er zuvor erklärt, "er ist ein Amerikaner." Das Thema Krim stehe einfach nicht zur Diskussion. "Russland diskutiert Fragen, die unser Territorium betreffen, nicht mit ausländischen Partnern", so Peskow.

Der amerikanische Traum der Russen scheint zunächst einmal geplatzt.