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Mögliche Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps vielsagende Ankündigung hat das Zeug, die USA endgültig zu zerreißen

Donald Trump Rally Ohio
Donald Trump in Dayton, Ohio. Am 15. November wird der Ex-Präsident wohl seine Präsidenschaftskandidatur bekannt geben.
© Drew Angerer/Getty Images / AFP
In Dayton, Ohio hat Donald Trump eine Ankündigung für nächste Woche angekündigt. Ziemlich sicher wird er dann seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl bekanntgeben. Für die USA sind das jetzt schon schlechte Nachrichten.   

14 Staffeln lang hatte Donald Trump die Reality-TV-Serie "The Apprentice" moderiert und dabei die typischen Marotten verinnerlicht, mit denen solche Formate die Zuschauer bei der Stange halten. Nahezu meisterhaft beherrscht der Ex-Präsident immer noch die unkonkrete aber alles versprechende Ankündigung dessen, was nächste Woche zu erwarten sein könnte. In sieben Tagen also. Das ist der 15. November und an diesem Tag wird er eine "sehr große Ankündigung" machen, kündigte Trump jetzt bei einem Wahlkampfauftritt in Dayton, Ohio freudig erregt an.

Alles außer der Kandidatur wäre überraschend

Ziemlich sicher dürfte das frühere Staatsoberhaupt kommenden Dienstag seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgeben. Alles andere wäre äußerst unwahrscheinlich. Schon vor seinem unrühmlichen Abgang aus dem Weißen Haus hatte er steif und fest behauptet, bei der Wahl 2020 um den Sieg betrogen worden zu sein. Seitdem tourt er in einer Art Dauerwahlkampf durch das Land und hält seine Anhänger auf großen Bühnen bei Laune – stets mit der unausgesprochenen Aussicht darauf, erneut in das Rennen für das Amt des US-Präsidenten einzusteigen.

Nächste Woche also dürfte dann offiziell sein, was die meisten Amerikaner ohnehin ahnten, manche erhofften und nicht wenige fürchten. Spekuliert wurde eigentlich nur darüber, wann genau er seine Kandidatur bekanntgeben würde: vor oder nach den nun anstehenden Zwischenwahlen. Die einen gingen davon aus, dass Trump die Abstimmung über Teile des Kongresses mit der Abstimmung über ihn als Person verknüpfen würde, die anderen glaubten, dass er erst einmal schauen wolle, wie sich "seine" Kandidaten bei den Midterms schlagen werden. Mit der Ankündigung der Ankündigung hat der Ex-Präsident nun beide Varianten miteinander verwoben. Sollten die Kongresswahlen für ihn schiefgehen, kann er sich immer noch zurückziehen. Doch danach sieht es nicht aus.

Wie schneiden Trumps Kandidaten ab?

Den Umfragen zufolge dürften seine Republikaner die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, in dem alle 435 Mandate neu besetzt werden. Im Senat werden 35 der 100 Sitze neu vergeben, hier wird das Rennen eng. Laut Modellen von Meinungs- und Wahlforschern wie Nate Silver ist es wahrscheinlicher, dass die Demokraten dort ihre bislang hauchdünne Mehrheit auch verlieren werden. Für Trump wird das Abschneiden derjenigen Kandidaten wichtiger sein, die er im Wahlkampf unterstützt hat. Denn die Zustimmung für ihre Positionen ist die Zustimmung für seine Positionen. Vor allem, wenn sich die so genannten Election-Denier durchsetzen werden, die unverdrossen die Falschbehauptung des 76-Jährigen wiederkäuen, nach der die Präsidentschaftswahl "gestohlen" worden sei.

Je erfolgreicher die Trumpisten innerhalb der konservativen Partei sind, desto größer ist die Chance, im Sommer 2024 von den Republikanern auch als offizieller Kandidat nominiert zu werden. Wahrscheinlich ist das zwar, sicher aber noch nicht. Denn bei der "Grand Old Party" (GOP) genannten Partei gibt glaubhaftere Konservative (Ex-Vizepräsident Mike Pence), klügere (Floridas Gouverneur Ron DiSantis) und erheblich modernere (Ex-UN-Botschafterin Nikki Haley). Allerdings war es eben Donald Trump, der sie 2016 zurück ins Weiße Haus geführt hat. Zu einem Zeitpunkt, als die kaum noch auf Mehrheiten hoffen durften. Seitdem haben sie sich dem Immobilienmogul aus Florida hingegeben. Zusammen sind sie in die rechte Ecke gedriftet, ihre Schicksale sind untrennbar miteinander verwoben.

Republikaner sind ihm ewig dankbar

Auch entfacht keiner seiner potenziellen Konkurrenten eine vergleichbare Begeisterung an der Basis, keiner hat sich einen derartig großen innerparteilichen Einfluss erarbeitet, kein anderer kommt so einfach mit dreisten Lügen und bizarren Verschwörungstheorien davon. Vor allem aber, und dafür werden sie Donald Trump bis in alle Ewigkeit dankbar sein: Als US-Präsident hat er den Obersten Gerichtshof mit drei reaktionären Richtern besetzt.

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Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Donald Trump als Kandidat ausfällt – weil ihm eine Klage dazwischen kommt, wegen den offen herumliegenden Staatsgeheimnissen in Mar-a-Lago. Oder wegen seiner dubiosen Praktiken als Geschäftsmann. Vielleicht holen ihn auch noch andere Verfehlungen aus der Vergangenheit ein. Manches davon ist sogar wahrscheinlich, nur ob und welche Konsequenzen das alles auf seine Kandidatur haben wird und wann – unklar. Und ja, auch seine Gesundheit könnte Donald Trump noch einen Strich durch die Rechnung machen. Im Herbst 2024 wird er 78 Jahre alt sein. Allerdings hat ihn sein Körper bislang nie ernsthaft im Stich gelassen.

Donald Trump entzündet die Lunte

Wenn der Ex-Präsident also nächste Woche erneut seinen Hut in den Ring wirft, kann er Stand November 2022 davon ausgehen, auch zum dann dritten Mal Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden. Ob die Amerikaner ihn in zwei Jahren wählen werden, ist noch völlig unabsehbar. Eine weitere Niederlage wird er aber kaum hinnehmen, mutmaßlich schon kein Scheitern bei den Vorwahlen. Seine radikalisierten Anhänger könnten den Aufstand proben, alle Dämme dürften brechen, wenn er im November 2024 Trump erneut unterliegen sollte. Sein Sieg wiederum könnte Linke und Aktivisten der Demokraten auf die Barrikade treiben. So oder so: Am 15. November entzündet Donald Trump die Lunte am Pulverfass der amerikanischen Gesellschaft.

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