HOME

Drogenkartelle unter Verdacht: Mexikanischer Politiker stirbt im Kugelhagel

Er stand kurz davor, Gouverneur des mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas zu werden. Jetzt ist Rodolfo Torre Cantú tot - erschossen bei einem Hinterhalt auf offener Landstraße. Cantú ist nicht das erste Opfer in der vom Drogenkrieg erschütterten Region.

Im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas ist nur wenige Tage vor den Gouverneurs- und Bürgermeisterwahlen ein weiterer Politiker ermordet worden. Der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat für das Amt des Gouverneurs, Rodolfo Torre Cantú von der ehemaligen Staatspartei PRI, wurde bei einem Überfall auf einer Landstraße von Unbekannten erschossen. Auch drei seiner Leibwächter und ein Abgeordneter kamen bei dem Attentat nahe der Provinzhauptstadt Victoria am Montag ums Leben.

Präsident Felipe Calderón nannte den Anschlag einen Versuch der Drogenkartelle, die Wählerentscheidung und den Wahlprozess am kommenden Sonntag zu beeinflussen. "Das organisierte Verbrechen wird sein Ziel nie erreichen. Es wird weder unseren Glauben an die Demokratie noch unser Vertrauen in die Zukunft Mexikos erschüttern können", sagte Calderón in einer landesweiten Fernsehansprache.

In dem mexikanischen Staat an der Grenze zum US-Staat Texas führen rivalisierende Drogenbanden seit längerem blutige Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft über Schmuggelrouten in die USA. Am Sonntag wird in Tamaulipas sowohl ein neuer Gouverneur als auch ein neuer Bürgermeister gewählt. Insgesamt stehen in 12 der 32 mexikanischen Bundesstaaten Gouverneurswahlen an.

Wahlkampf von Korruptionsskandalen und Drohungen geprägt

Erst vergangenen Monat wurde ein Kandidat für das Bürgermeisteramt in einer Kleinstadt in Tamaulipas erschossen. José Guajardo Varela von der konservativ-katholischen Partei PAN hatte im Gegensatz zu Cantú aber bereits Drohungen während des Wahlkampfs erhalten. Die Ermordung Cantús ist die erste eines Gouverneursanwärters in der jüngeren Geschichte Mexikos. 1994 wurde der Präsidentschaftskandidat Donaldo Colosio von der PRI, damals noch Staatspartei, ermordet.

Der Tod des 46-jährigen Cantú war ein schwerer Rückschlag für die Wahlen, die im Vorfeld bereits von Korruptionsskandalen, Drohungen und Angriffen auf Politiker geprägt waren. Trotz des Attentats am Montag sollen die Wahlen am Sonntag aber wie geplant stattfinden: "Wir werden uns von nichts und niemandem einschüchtern lassen", hieß es seitens der PRI.

Die Partei stellte zunächst keinen neuen Kandidaten auf, hat Experten zufolge aber die besten Aussichten auf einen Wahlsieg für das Gouverneursamt in Tamaulipas. PAN und die linksgerichtete Oppositionspartei haben indes bereits angekündigt, den Wahlkampf für ihre Gouverneurskandidaten in dem Bundesstaat vorzeitig zu beenden. Nach der Ermordung des Bürgermeisterkandidaten Varela im Mai hatten sie der PRI Beziehungen zu den Drogenbanden unterstellt.

Calderón setzt seit Dezember 2006 Soldaten im Kampf gegen die Drogenkartelle ein; etwa 23.000 Menschen wurden seitdem getötet.

Olga R. Rodriguez, APN / APN