Entführung Befreiung der Sahara-Geiseln dementiert


Die Meldung um die Befreiung der in der algerischen Sahara verschleppten 15 europäischen Touristen sorgt weiter für Verwirrung. Algerische Streitkräfte haben eine Befreiung inzwischen dementiert.

Der algerische Generalstab hat die Befreiung der 15 Sahara-Touristen in einer offiziellen Mitteilung am Montagabend dementiert. Zuvor hatten Journalisten und Fremdenführer von einer Befreiung der zweiten Gruppe Reisender berichtet. Ein französischer Rundfunksender meldete unter Berufung auf algerische Sicherheitskräfte, die Geiseln seien frei. Der Generalstab betonte in seiner Mitteilung, die Bemühungen um eine Freilassung der 15 Geiseln würden fortgesetzt.

Knapp eine Woche nach der ersten Geiselbefreiung in der Sahara hatten unbestätigte Berichte tagsüber die Hoffnung geweckt, auch die zweite Gruppe sei nicht mehr in der Hand von Entführern. Nach der Befreiung von 17 Geiseln am vergangenen Dienstag werden noch 10 Deutsche, 4 Schweizer und 1 Niederländer vermisst.

Spezialeinheit im Einsatz

Die Armee, die die Bergregion von Tamelrik 150 Kilometer von Illizi seit Tagen umzingelt, sei angeblich abgestellt um die verbliebenen Geiseln zu befreien. Die Bergregion wird von der algerischen Presse als "festungsartig" und äußerst unzugänglich beschrieben. Bei den Militärs handele es sich um jene Fallschirmjäger-Einheiten, die am vergangenen Dienstag die erste Geisel-Gruppe befreit haben.

Die Geiselnahme ist Zeitungsberichten zufolge "mindestens ein Jahr lang gut vorbereitet worden". Das algerische Blatt "El Youm" berichtete bereits in ihrer Montagsausgabe, die zweite Gruppe der Sahara-Touristen sei frei. Das Blatt aus Algier berief sich auf Sicherheitskräfte, nannte jedoch keine Einzelheiten.

Hinweise auf El Kaida

In der Nähe des Verstecks der am vergangenen Dienstag befreiten Touristen bei Amguid hatten algerische Militärs am Wochenende 13 Raketenwerfer ägyptischer Fabrikation entdeckt. Diese könnten auf Verbindungen zum Terrornetzwerk von El Kaida hinweisen, schrieb die Tageszeitung "El Watan" unter Berufung auf Militärangaben. Die bereits vergangene Woche befreiten Geiseln waren nach Angaben des algerischen Armee-Generalstabs in den Händen der islamistischen Terrorgruppe GSPC. Als Motiv waren Lösegeldforderungen im Gespräch, aber auch politische Motive wurden nicht ausgeschlossen.

"Unsere Behandlung war sehr menschlich"

Die Mehrheit der österreichischen Sahara-Geiseln hat unterdessen Berichten widersprochen, sie seien schlecht behandelt worden. "Unsere Behandlung durch die Entführer war sehr menschlich", sagte Harald Galler (40) bei einer Pressekonferenz von acht der zehn Entführten aus Österreich. "Wir haben uns fast befreundet", erklärte auch der Geiselsprecher Ingo Bleckmann (60). Demgegenüber hatte der entführte Reiseleiter Gerhard Wintersteller gesagt: "Die einzige Sprache unserer Entführer war jene der Gewehrkolben."

"Es ist eine wesentlich menschlichere Gruppe gewesen", als in der Öffentlichkeit dargestellt, berichtete Bleckmann weiter über seine Erfahrungen. "Die Entführer haben sich von uns abgesetzt, als der erste Schuss gefallen ist", schilderte er den Beginn der Befreiungsaktion. Sie hätten darauf verzichtet, die Geiseln als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.


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