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Enthüllungsbuch: Von Seitensprüngen und Drogenmissbrauch

"Das ist absoluter Dreck", regte sich Präsidentensprecher Scott McClellan auf. Knapp zwei Monate vor der US-Wahl ist Kitty Kelley, Königin der Skandalbiografien, mit einem Werk über den Bush-Clan auf den Markt gekommen.

Ein Skandälchen hat dem amerikanischen Wahlkampf eigentlich gerade noch gefehlt. Doch etwas richtig Anstößiges - eine Affäre vielleicht, oder bislang verschwiegene Jugendexzesse - haben Scharen von Reportern im Leben der Kandidaten bislang nicht zu Tage gefördert. Da kommt Kitty Kelley ins Spiel, amerikanische Königin der Skandalbiografien, die über die Subjekte ihrer literarischen Bemühungen gerne Klatsch und Tratsch verbreitet.

"Die wahre Geschichte der Bush-Dynastie"

Knapp zwei Monate vor der Präsidentenwahl ist Kelley in dieser Woche mit einem 733 Seiten starken Werk über die Präsidentenfamilie auf den Markt gekommen. "Die wahre Geschichte der Bush-Dynastie" verspricht die 62-Jährige. Gemessen an der wütenden Reaktion des Weißen Hauses und der republikanischen Partei könnte man meinen, dass Kelley darin so richtig schlimm vom Leder zieht. "Das ist absoluter Dreck", regte sich Präsidentensprecher Scott McClellan auf. Ein Kollege rief bei Fernsehstationen an, um ihnen Interviews mit der Autorin auszureden.

Eine bessere Publicity hätte Kelley sich gar nicht wünschen können. Der zum Bertelsmann-Konzern gehörende Verlag Doubleday hat die Auflage schon zwei Mal erhöht, auf 722 500 Exemplare. Während seriöse Medien wie die Zeitschrift "Newsweek" nach einem Blick auf das Buch und die vielen unbelegten Behauptungen auf einen Vorbericht verzichteten, eilt die Blondine inzwischen von Studio zu Studio und ist auf allen Kanälen präsent.

Dabei ist das, was Kelley in dem Buch zum Besten gibt, reichlich zahm. Knüller-Material ist einzig die Behauptung, Bush habe während der Amtszeit seines Vaters auf dem Präsidenten-Landsitz Camp David mit einem Bruder Kokain geschnupft. Nur hat die vermeintliche Quelle, Bushs Ex-Schwägerin Sharon, längst dementiert, Kelley je so etwas gesagt zu haben.

In früheren Kelley-Büchern war mehr Sprengstoff: So wartete sie 1979 mit der Story auf, First Lady Jackie Kennedy habe sich vor lauter Depressionen mit Elektroschocks behandeln lassen. Frank Sinatra schrieb sie Mafia-Verbindungen zu und der britischen Königsfamilie Sexprobleme.

Das meiste ist nicht neu

Stellt sich die Frage, warum das Weiße Haus so heftig reagiert. Zugegeben, was Kelley über die Bushs verbreitet, ist alles andere als schmeichelhaft. Doch das meiste ist nicht neu: Sie stellt Bushs Mutter Barbara als herzlos dar, den Präsidenten selbst als verwöhnten Sohn aus reichem Hause, der nur dank Beziehungen seiner einflussreichen Familie an die Elite-Uni Yale gelangte und um den Einsatz in Vietnam herumkam. Nach dem Studium sei er jahrelang herumgedriftet und habe seine Eltern mit hohem Alkoholkonsum bald zur Verzweiflung gebracht.

Die republikanische Partei feuerte E-Mail-Salven in alle Richtungen, um Kelley zu diskreditieren. Die Autorin sei eingetragene Demokratin, heißt es etwa in einer Massen-Mail an jeden, der es wissen will. Damit sei klar, woher der Wind weht, wettern konservative Talk-Master, die versuchen, den Demokraten eine neue Schmierenkampagne anzuhängen.

High-Society-Partys statt Kundgebungen

Doch ein weiblicher Michael Moore ist Kelley nicht. Der Autor macht kein Hehl daraus, dass er Bush mit seinen Büchern und dem Film "Fahrenheit 9/11" aus dem Weißen Haus vertreiben will. Kelley ist als politische Aktivistin dagegen schwer vorstellbar. Die zierliche Autorin im teuren Designer-Anzug ist eher auf High-Society-Partys als auf Kundgebungen zu Hause. Sie hat mit ihren Büchern Millionen verdient.

Christiane Oelrich/DPA / DPA