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Fall Marco W.: Gericht lehnt Haftbeschwerde ab

Das türkische Gericht in Antalya hat den Antrag auf Haftbeschwerde von Marco W.s Anwälten abgelehnt. Der Uelzener bleibt somit bis zum nächsten Prozesstermin in Haft. Die Begründung für diese Entscheidung steht jedoch noch aus.

Der 17 Jahre alte Marco aus Uelzen muss weiter in türkischer Untersuchungshaft bleiben. "Die Haftbeschwerde ist vom Gericht abgelehnt worden, es gibt aber noch keine Begründung", sagte Marcos Anwalt Michael Nagel in Hannover. "Extrem enttäuscht" hätten die Eltern des Jugendlichen auf die Entscheidung reagiert. "Wie immer hatten sie eine kleine Hoffnung aufgebaut." Marco ist seit einem halben Jahr inhaftiert, weil er im Osterurlaub die 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht haben soll.

"Marcos Eltern wünschen sich sehr, dass das Gericht die Entscheidung begründet", sagte Nagel. "Wenn wir eine rechtliche Begründung bekämen, wäre das ein großer Schritt nach vorne." Bislang habe das Gericht immer pauschal auf die Schwere des Tatvorwurfs verwiesen. Es sei aber nicht geprüft worden, ob der Vorwurf überhaupt hätte erhoben werden dürfen oder ob er sich nach dem derzeitigen Verfahrensstand noch erheben ließe. Nagel zufolge wurde Marco nicht über das Beschwerdeverfahren informiert. "Es macht keinen Sinn, Hoffnungen zu wecken, die dann wieder enttäuscht werden."

Michael Nagel: "Ich bin nicht groß überrascht"

Die Haftbeschwerde hatten Marcos Anwälte vor einer Woche bei Gericht in Antalya eingereicht, nachdem einem Antrag auf eine vorzeitige Entlassung aus der Haft auch am fünften Verhandlungstag nicht stattgegeben worden war. Der Prozess war unter anderem deshalb mehrmals vertagt worden, weil dem Gericht noch keine Aussage des britischen Mädchens vorlag. Alle bisher gehörten Zeugen - ein Arzt und ein Bekannter der Schwester der 13-Jährigen - hatten zugunsten von Marco ausgesagt.

"Ich bin nicht groß überrascht, weil ich mich über nichts mehr wundere, was da bei Gericht in Antalya passiert", sagte Nagel zur abgelehnten Beschwerde. Wie die Strategie der Verteidigung zur nächsten Verhandlung am 26. Oktober aussehen könnte, wollen die Anwälte erst nach einer Begründung des Gerichts entscheiden. Nagel bestätigte, dass Charlotte auf ein Rechtshilfeersuchen der Türkei hin noch nicht in England vernommen worden sei: "Es gibt wohl noch keine Aussage des Mädchens." Der Anwalt der 13-Jährigen hatte vor der letzten Verhandlung am 28. September verbreitet, Charlotte habe bereits ausgesagt und Marco Vergewaltigung vorgeworfen.

Der 17-Jährige hat stets alle Vorwürfe bestritten. Seinen Aussagen zufolge war die Initiative zu den Zärtlichkeiten von dem Mädchen ausgegangen, das sich zudem als 15-Jährige ausgegeben habe. Die beiden hatten sich im südtürkischen Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen im Hotelzimmer der 13-Jährigen gelandet. Nach einer Anzeige von Charlottes Mutter war der Junge noch im Hotel festgenommen worden.

DPA / DPA