Fernsehbilder Gefangene US-Piloten im Irak


Das irakische Fernsehen hat am Montagabend zwei Männer gezeigt, die es als Piloten eines abgeschossenen US-Kampfhubschraubers bezeichnete.

Das irakische Fernsehen hat am Montagabend zwei Männer gezeigt, die es als Piloten eines abgeschossenen US-Kampfhubschraubers bezeichnete. Die beiden Männer trugen beige Overalls. Sie sagten nichts, wirkten aber verwirrt. Sie drehten ihren Kopf weg, als die Kamera auf sie einschwenkte. Es wurden offenbar persönliche Gegenstände der beiden auf dem Boden ausgebreitet gezeigt, darunter eine Kreditkarte, möglicherweise auch Personalausweise.

Die US-Streitkräfte hatten am Montag zuvor bestätigt, dass ein Hubschrauber vermisst werde. Das irakische Fernsehen hatte zuvor Bilder von dem Hubschrauber gezeigt. US-General Tommy Franks wies aber am Montag vor der Presse in Doha irakische Angaben zurück, der hochmoderne Hubschrauber sei von Bauern abgeschossen worden. Nach Franks Angaben gehörte der "Apache" zu einem Verband von 30 Hubschraubern, die einen Angriff flogen.

Bereits am Sonntagnachmittag hatte das irakische Fernsehen erste Bilder von getöteten, verletzten sowie fünf gefangen genommenen US-Soldaten gezeigt. Nach Angaben des Fernsehens wurden sie bei den Kämpfen um Nasirija im Süd-Irak getötet oder gefangen genommen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld protestierte im US-Fernsehsender CBS gegen die Ausstrahlung der Bilder und bezeichnete dies als Verletzung der Genfer Konventionen.

Verstoß gegen Genfer Konvention

Die Genfer Konvention zur Behandlung von Kriegsgefangenen verlangt in Artikel 13, dass Kriegsgefangene vor öffentlicher Neugier geschützt und nicht zur Schau gestellt werden dürfen. Die Bilder des irakischen Fernsehens waren unter anderem auch von dem arabischen Fernsehesender El Dschasira und von CBS übernommen worden. Vor zwei Tagen hatten US-Fernsehsender gefangen genommene irakische Soldaten mit hinter dem Kopf verschränkten Armen gezeigt.

Die Angst in den Gesichtern

Den fünf gefangenen Soldaten der US-Armee, darunter eine 30-jährige farbige Frau und ein Schwerverletzter, war bei der Befragung deutlich Angst ins Gesicht geschrieben. Die Kriegsgefangenen gaben an, dass sie zur 507. Instandsetzungskompanie gehörten. Ihre Heimat seien die US-Bundesstaaten Kansas, Texas und New Jersey. Auf die Frage, warum er im Irak sei, antwortete ein Soldat: «Ich befolge Befehle». Ein anderer sagte, ihm sei gesagt worden, dass er nur schießen solle, wenn auf ihn geschossen werde. Er bringe niemanden um.

US-Präsident George W. Bush hat den Irak aufgefordert, Kriegsgefangene human zu behandeln. Über die Entwicklung an der Kriegsfront äußerte er sich zufrieden. Der irakische Präsident Saddam Hussein verliere die Kontrolle über sein Land, sagte Bush.

Verstümmelte Leichen

Das irakische Fernsehen machte keine Angaben über die Zahl der Getöteten. Es waren aber mindestens sechs Leichen zu sehen. Sie lagen in Blutlachen auf einer Straße und waren zum Teil verstümmelt. Die Körper wiesen Kopf- oder Bauchschüsse auf. An einer Leiche fehlte die Hand. Deutlich zu sehen waren bei allen Getöteten die Brandspuren.

Soldaten und Einwohner von Bagdad haben zuvor in der irakischen Hauptstadt nach alliierten Piloten gesucht. Diese sollen sich beim Absturz angeblich mit dem Schleudersitz aus ihrer Maschine gerettet haben. Der arabische TV-Sender El Dschasira zeigte Bilder von Dutzenden von Booten auf dem Fluss Tigris, die nach den Männern suchten. Auch am Flussufer nahmen zahlreiche Bewaffnete an der Suche teil. Sie gaben mehrere Schüsse auf das Wasser ab. Obwohl noch kurz zuvor Luftangriffe auf Bagdad stattgefunden hatten, wurden die Nachforschungen von Hunderten von Schaulustigen von einer Brücke und vom Ufer verfolgt.

Kopfloses Kind schockt arabische Welt

Nicht nur die Amerikaner mussten am Wochenende unter unangenehmen Bildern leiden. Grauenhafte Bilder von verstümmelten Leichen und verletzten Kindern im Irak haben die Menschen in der arabischen Welt aufgewühlt. Besonders schrecklich fanden Fernsehzuschauer die vom arabischen TV-Sender El Dschasira ausgestrahlten und von einigen Zeitungen übernommenen Bilder eines toten Kindes, dem der Oberkopf fehlte. Die halbamtliche ägyptische Tageszeitung «Al-Achbar» druckte das Foto am Sonntag mit der Bildunterschrift «Amerikanische Menschlichkeit». Andere arabische Zeitungen wählten für ihre Titelseiten ein Bild aus, dass tote irakische Soldaten in einem Schützengraben zeigt. Neben ihnen liegt eine weiße Fahne.

Fernsehen zeigte zivile Opfer des Bodenkampfes

El Dschasira hatte am Samstag auch Bilder aus der Umgebung von Basra gezeigt, auf denen deutlich wurde, dass die Menschen nicht nur bei Luftangriffen getötet wurden. Zu sehen war beispielsweise ein Taxi mit Einschusslöchern in der Windschutzscheibe. Die Leichen waren offenbar abtransportiert worden. Neben dem Fahrzeug sah man Blutlachen und Schuhe. Aus dem nordirakischen Kurdengebiet zeigte der Sender Bilder von Dutzenden von Leichen. Bei den getöteten Männern soll es sich um von den Amerikanern getötete Kämpfer der islamischen Extremistengruppe Ansar el Islam handeln.

Weitere Zwischenfälle

Zwei Zwischenfälle überschatteten die alliierten Operationen. Ein britisches Kampfflugzeug vom Typ Tornado wurde irrtümlicherweise über Kuwait von einer amerikanischen Patriot-Abwehrrakete abgeschossen. Dies bestätigte der Oberbefehlshaber der britischen Truppen am Persischen Golf, General Brian Burridge. Wenige Stunden zuvor hatte ein amerikanischer Soldat eine Handgranate auf andere Soldaten in einem Militärlager in Kuwait geworfen. Dabei kam ein Soldat ums Leben, ein Dutzend weitere wurde verletzt. Die Motive des Täters blieben zunächst unklar.


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