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Fidel Castro: "Hier bin ich!"

Er trug einen Schlafanzug - und darüber eine Trainingsjacke in den Farben der kubanischen Nationalmannschaft: Erstmals seit drei Monaten tauchte Staatschef Fidel Castro wieder im Fernsehen auf. Der 81-Jährige schien bei guter Gesundheit zu sein.

Der erkrankte kubanische Präsident Fidel Castro ist am Freitag erstmals wieder seit mehr als drei Monaten im kubanischen Staatsfernsehen zu sehen gewesen. Während des fast einstündigen Unterredung sprach der 81-jährige Revolutionsführer erneut auch ausführlich über die Unausweichlichkeit des Todes. Castro gab keine Details über seinen Gesundheitszustand preis, machte sich jedoch über Spekulationen lustig, dass es ihm schlechter gehe. Der 81-Jährige trug über dem Schlafanzug eine Trainingsjacke in den Farben der kubanischen Nationalmannschaft. Es waren die ersten Fernsehbilder des 81-Jährigen seit einem Interview am 5. Juni 2007. Seit seiner Operation ist Castro nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten.  

"Niemand weiß, an welchem Tag man stirbt"

"Ob man im Sterben liegt, oder ob man morgen stirbt, ... niemand weiß, an welchem Tag man stirbt", sagte Castro in Anspielung auf Gerüchte in Kuba über seinen schlechter werdenden Gesundheitszustand. Sie waren in den vergangenen Wochen vor allem deswegen entstanden, weil sich Castro, der das Land 47 Jahre angeführt hatte, fast vier Monate nicht mehr im Fernsehen gezeigt oder mit Fotos der kubanischen Öffentlichkeit präsentiert hatte.

Unterdessen verriet der venezolanische Präsident und Freund Kubas, Hugo Chàvez, weitere Einzelheiten über die Krankengeschichte Castros, die im August des vergangenen Jahres begonnen hatte und in Kuba zum Staatsgeheimnis erklärt worden war. Castro habe vor einem einem Jahr "kurz vor dem Tod" gestanden, sagte Chàvez. Praktisch das gesamte Blut des Kranken sei damals ausgetauscht worden, verriet der venezolanische Staatspräsident nach Medienberichten vom Freitag am Rande seines Besuchs in Brasilien. "Er lebt noch, weil er Fidel ist", sagte Chàvez gegenüber Journalisten.  

Offenbar kompletter Blutaustausch

Dem "Màximo Líder" gehe es inzwischen aber viel besser. Er könne "noch 100 Jahre am Leben bleiben. Er habe zuletzt vor zwei bis drei Wochen mit Castro telefoniert, so Chàvez. Dabei habe Fidel ihm gesagt, er sei sehr glücklich. Dank der Krankheit habe er jetzt "endlich mehr Zeit zum Fernsehen, Schreiben und Denken".

Kubas Staatschef erholt sich seit gut 13 Monaten von einer schwierigen Darmoperation. Die Amtsgeschäfte in Havanna führt deshalb seitdem Bruder Raúl. Fidel Castro regierte Kuba nach der Revolution von 1959 bis zu seiner Erkrankung am 31. Juli 2006 ununterbrochen.  

Greenspan-Buch als Beweis

Der kubanische Revolutionsführer sprach über aktuelle internationale Themen wie die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar und steigende Preise für Rohöl. Auch kritisierte er erneut die US-Außenpolitik und äußerte sich zum Klimawandel. Um offensichtlich die Aktualität der Aufnahmen noch zu unterstreichen, zeigte Castro ein Exemplar der in dieser Woche erschienenen Autobiografie des ehemaligen US-Notenbankchefs Alan Greenspan.

DPA/Reuters / DPA / Reuters
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