Finanzkrise McCain unterbricht Wahlkampagne

Überraschung im US-Wahlkampf: Der Republikaner John McCain will seine Kampagne zunächt unterbrechen. Ebenso will er das erste TV-Duell mit seinem demokratischen Widersacher Barack Obama absagen. Grund: die internationale Finanzkrise. Obama dagegen will das Problem anders angehen.

Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat John McCain will seinen Wahlkampf wegen der internationalen Finanzkrise unterbrechen. Außerdem wolle er das für Freitag geplante TV-Duell mit seinem Rivalen Barack Obama verschieben, sagte McCain vor Journalisten in New York. Er habe den demokratischen Präsidentschaftskandidaten bereits über seine Entscheidung informiert. Ein Sprecher Obamas erklärte, es müsse eine gemeinsame Stellungnahme zu der Finanzkrise gefunden werden. Diese Initiative sei aber von Obama, nicht von McCain ausgegangen. Obama will den Wahlkampf nicht unterbrechen und an der für Freitag geplanten Debatte mit seinem republikanischen Gegner John McCain festhalten.

"Das ist genau die Zeit, in der die Amerikaner etwas von uns hören wollen", sagte Senator Obama. Stattdessen wolle er gemeinsam mit McCain eine gemeinsame Erklärung zur Lösung der schweren Finanzkrise veröffentlichen. Das Problem solle gemeinsam angepackt und dürfe nicht durch den Wahlkampf belastet werden.

McCain kündigte an, nach Washington zurückzukehren, um sich an der Lösung der Finanzkrise zu beteiligen. "Ich habe mit Senator Obama gesprochen und ihn über meine Entscheidung informiert, ich habe ihn gefragt, ob er sich beteiligt", sagte er. Er wolle US-Präsident George W. Bush überzeugen, ein Krisentreffen einzuberufen, an dem unter anderem er und Obama teilnehmen sollten. "Es ist Zeit, dass beide Parteien zusammenkommen", begründete McCain seinen überraschenden Schritt. Er verglich die derzeitige Finanzkrise sogar mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Jetzt seien erneut Patriotismus und gemeinsames Handeln notwendig. Wenn sich Kongress und Regierung nicht bald einigen, drohten "verheerende Konsequenzen" für das ganze Land, sagte er.

McCain als "Retter"

Wie es heißt, will McCain "alle Parteiauftritte und TV-Werbespots" für die nächsten Tage aussetzen. In der Zwischenzeit müssten sich Regierung und Parlament einigen. TV-Kommentatoren werteten den Schritt des 72-Jährigen als einen Versuch, sich als "staatsmännischer Retter" zu präsentieren, der die Streitereien der Politik überwinden könne. Man erwarte von dem langjährigen Senator jetzt besonderen Einsatz. Eine Sprecherin des Weißen Hauses begrüßte die Initiative der Präsidentschaftskandidaten. Obamas Sprecher Bill Burton erklärte, die Initiative für ein gemeinsames Vorgehen sei von Obama ausgegangen. Dieser habe McCain am Mittwochmorgen angerufen und von ihm eine Stellungnahme gefordert, in der die gemeinsamen Prinzipien und Konditionen für einen Rettungsplan stehen sollten. Das Weiße Haus und der Kongress sollen demnach aufgefordert werden, gemeinsam zu handeln. Am Mittag habe McCain dann eingewilligt. Derzeit arbeiteten beide Seiten gemeinsam an den Details. Zur Verschiebung des Fernsehduells sagte Obamas Sprecher zunächst nichts.

Die erste der drei Fernsehdebatten der beiden Kandidaten war für Freitagabend in Washington angesetzt gewesen und sollte vor allem Fragen der Außenpolitik und nationalen Sicherheit zum Thema haben.

Ein 700 Milliarden schwerer Rettungsplan der US-Regierung für den angeschlagenen Finanzsektor war am Dienstag ins Stocken geraten, nachdem der Bankenausschuss des US-Senats ernste Bedenken angemeldet hatte. Der Ausschussvorsitzende Chris Dodd bezeichnete das Paket in seiner derzeitigen Form als "nicht akzeptabel". Das Weiße Haus will den Banken faule Kredite abkaufen. Führende Kongresspolitiker hatten zwar grundsätzliche Zustimmung geäußert, aber Schutzmechanismen auch für einfache US-Bürger eingefordert.

AFP/DPA DPA

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