HOME

First Lady motiviert Demokraten: Michelle Obama im Einsatz für die US-Kongresswahlen

Alle Umfragen deuten auf eine schwere Niederlage der Demokraten bei den anstehenden US-Kongresswahlen. Die Geheimwaffe: Michelle Obama. Das Weiße Haus setzt die First Lady im Kampagnen-Endspurt ein.

Die Stimmung ist nicht gut in Barack Obamas Partei, alle Umfragen deuten auf eine schwere Niederlage der US-Demokraten bei der Kongresswahl am Dienstag hin. Im Kampf gegen den Pessimismus in den eigenen Reihen setzen die Wahlstrategen im Weißen Haus im Kampagnen-Endspurt ihre schlagkräftigste Geheimwaffe ein: Michelle Obama. Strahlend, klug und überaus beliebt reist die First Lady derzeit durchs Land und macht den Demokraten Mut. Wenigstens ein bisschen vom Glanz der populären 46-Jährigen soll auf die bedrängte Partei des Präsidenten abfallen.

Anders als ihr Mann hat es Michelle Obama geschafft, sich dem Sog sinkender Popularitätswerte zu entziehen. Die First Lady genießt Anerkennung, die bis hin zur Verehrung reicht. Mit ihrem Kampf gegen Fettleibigkeit unter US-Teenagern und ihrem Engagement für Soldatenfamilien hat sie zeitgemäße Themen besetzt. Sie präsentiert sich glaubwürdig als liebevolle Mutter ihrer beiden Töchter. Ihr schlichter, aber eleganter Stil hat sie zur Mode-Ikone werden lassen. Das Magazin "Forbes" kürte Michelle Obama in diesem Monat zur "mächtigsten Frau der Erde" - ein Titel, den zuvor Angela Merkel innehatte.

"Michelle Obama ist es gelungen, über dem politischen Streit zu schweben", sagt Politikprofessor Kareem Crayton von der University of North Carolina. "Sie hat eine öffentliche Rolle, ohne allzusehr in die polarisierte politische Debatte geraten zu sein." Genau dies macht sie wertvoll für die Partei ihres Mannes: Michelle Obama dürfte auch bei jenen enttäuschten Bürgern noch Gehör finden, die dem Präsidenten nicht mehr zuhören wollen. Niemand käme auf die Idee, der First Lady die schlechte Wirtschaftslage anzulasten, unter der das Ansehen ihres Mannes so sehr leidet.

Bei ihren Wahlkampfauftritten bringt die First Lady eine einfache Botschaft unters Volk: Habt Geduld, gebt nicht auf, die neue Politik braucht Zeit. "Ich weiß, dass es vielen Leuten schlecht geht, ich weiß, dass für viele der Wandel nicht schnell genug kommt", sagte sie in Wisconsin. "Auch wenn es nicht einfach ist: Wir müssen zu Ende bringen, was wir angefangen haben", sagte sie in New York. "Vor zwei Jahren waren wir glücklich, voller Energie und Hoffnung, und auch heute sollten wir es wieder sein", sagte sie in Ohio.

Während Kritiker monieren, Präsident Obama wirke zu abgehoben, steht Michelle Obama für Bodenhaftung. Offene Kritik an den Republikanern vermeidet sie. Ihr Ziel ist eher, zumindest die eigene Parteibasis der Demokraten zur Stimmabgabe zu mobilisieren. Denn wenn die vielfach ernüchterten Parteianhänger am Dienstag zu Hause bleiben, droht den Demokraten ein Debakel.

Seit ihrem Einzug ins Weiße Haus vor zwei Jahren hat Michelle Obama ihr Image behutsam korrigiert. Zuvor hatte die Absolventin der Elite-Universität Princeton einen Ruf als Karrierefrau, die als Managerin in Chicago mehr Geld verdiente als ihr Mann im Washingtoner Senat. Viele erwarteten, sie würde eine politische First Lady werden wie vor ihr Hillary Clinton.

Doch Michelle Obama erlegte sich politische Enthaltsamkeit auf. Ihre Hauptaufgabe sehe sie in der Mutterschaft, sagte sie kürzlich in Ohio: "Meine oberste Priorität war es dafür zu sorgen, dass sich meine Mädchen an das interessante Leben im Weißen Haus gewöhnen und gesund und glücklich sind."

Gut zwei Drittel der US-Bürger geben in Umfragen an, sie mögen die First Lady. Wahlforscher zweifeln allerdings, ob die Sympathie tatsächlich in Wählerstimmen für ihre Partei umschlägt. Michelle Obama könne ihrer Partei Aufmerksamkeit sichern, einige Wähler mobilisieren und Spenden sammeln, analysiert der Washingtoner Demoskop Stuart Rothenberg. "Bei den Wahlen wird es dann aber eher um Arbeitsplätze, das Budgetdefizit und den Verdruss der Wähler gehen als darum, dass Michelle Obama sympathisch und intelligent ist."

Peter Wütherich, AFP / AFP