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Menschen werden zu Waren Flüchtlinge in Müllsäcken

Ein geretteter Flüchtling läuft barfuss über die Stelling auf die Militärfregatte Fenice
Ein geretteter Flüchtling auf der Militärfregatte Fenice
© Antonio Parrinello/Reuters
Um eine Chance auf ein Leben ohne Todesangst und Verfolgung zu haben, nehmen Tausende Flüchtlinge allen Mut zusammen und wagen den Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Unzählige ertrinken unterwegs - und werden dann einfach ignoriert.

Allein in diesem Jahr sind schon mindestens 1.800 Flüchtlinge beim Versuch ertrunken, das Mittelmeer zu überqueren und so in Sicherheit zu gelangen und ein Leben ohne Angst und Verfolgung führen zu können. Sterben Flüchtlinge noch vor der Küste, werden ihre Leichen häufig noch nicht mal aus dem Wasser geborgen, geschweige denn identifiziert. Niemand kontaktiert je ihre Angehörigen.

Da Flüchtlinge kaum über Nord- oder Ostsee nach Deutschland gelangen, fällt diese Verantwortung hauptsächlich auf Länder wie Italien oder Griechenland zurück - das liegt unter anderem auch im sogenannten Dublin-Abkommen begründet. Dies sieht vor, dass stets der Staat für Asylanträge zuständig ist, über den Flüchtlinge in die EU gelangen - und so muss Deutschland sich fast nie mit diesen Leichen auseinandersetzen. Die Künstlergruppe Zentrum für politische Schönheit ist bestrebt, das zu ändern: die Verantwortung auszuweiten und den Umgang mit Flüchtlingen (und deren Leichen) würdevoller zu gestalten. Im Rahmen ihrer Aktion "Die Toten kommen" werden Leichen nach Berlin gebracht. Eine Syrerin wurde bereits auf dem muslimischen Teil des Friedhofs Berlin-Gatow beigesetzt.

Leichen gestapelt im Kühlschrank

Am 31. Mai hatte die italienische Militärfregatte Fenice vor der Küste von Sizilien die Leichen von 17 Flüchtlingen geborgen. Während der Vorbereitung dieser Aktion reisten Mitglieder der Künstlergruppe nach Sizilien. Sie behaupten, in einem Krankenhaus in der Stadt Augusta einen Kühlschrank entdeckt zu haben, in dem man die Leichen der Flüchtlinge einfach hineingestopft und in Müllsäcken gestapelt hatte. Das berichtet die "taz" - und zeigt auch ein Foto von diesem respektlosen Umgang mit den Toten. Ein verstörendes Bild, das zeigt, wie würdelos diese Menschen abgefertigt werden: wie Fleischabfälle in Müllsäcke gestopft.

Flüchtlinge dürfen nicht wie Ware behandelt werden

Auch Papst Franziskus verurteilt den Umgang mit Flüchtlingen in Europa. Die Migranten dürften nicht "wie Ware behandelt werden", sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag bei einer Rede vor Arbeitern in Turin. Die Bilder von Bootsflüchtlingen, die sich auf die gefährliche Reise über das Mittelmeer nach Europa begeben, "treiben einem Tränen in die Augen".

Durch die Einwanderer verschärfe sich zwar der Wettbewerb um Arbeitsplätze, aber die Flüchtlinge dürften dafür nicht verantwortlich gemacht werden, denn sie seien selbst Opfer "von Ungerechtigkeit, einer Wegwerf-Wirtschaft und von Krieg", sagte der Papst. Mehrere norditalienische Regionen hatten kürzlich verkündet, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen. Sie verwiesen unter anderem auf die damit verbundenen sozialen Spannungen.


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