Flut in Asien Wie der Tsunami den Nikobaresen das Feuer brachte


Fast 128.000 Menschen werden noch in den Gebieten der Tsunamikatastrophe vermisst. Doch auch sechs Wochen nach der Flut gibt noch Überraschungen, wie sich jetzt auf der Insel Campbell Bay zeigte.

38 Tage nach der Flutkatastrophe in Asien sind neun überlebende Stammesangehörige auf einer verwüsteten indischen Insel gerettet worden. Fünf Männer, eine Frau und drei Mädchen hätten sich nach den Flutwellen im dichten Dschungel der Insel Campbell Bay verirrt und sich von Kokosnüssen und Wildschwein ernährt, sagte der Informationsdirektor der Inselgruppe Andamanen und Nikobaren, Kuldeep Singh Ganger. Suchtrupps der Polizei hätten die Überlebenden vom Stamm der Nikobaresen am Mittwochabend im Dschungel entdeckt.

Ein Junge half ihnen zu überleben

Die Stammesangehörigen im Alter von 11 bis 65 Jahren seien auf einen Hügel im Westen der Insel geflohen, als die Flutwellen gekommen seien, sagte Ganger. Nach mehreren Tagen Warten hätten sie sich dann auf die Suche nach Hilfe in Richtung Ostküste begeben. Unterwegs habe ihnen ein Junge vom Stamm der Shompen beigebracht, mit Stöcken Feuer zu machen, so dass die Überlebenden Essen hätten zubereiten können.

Die Nikobaresen und die Shompen sind zwei von insgesamt sechs Stämmen, die teils völlig isoliert auf den Andamanen und Nikobaren leben. Auf der Inselgruppe wird immer noch nach Überlebenden gesucht.

Weitere Leichen gefunden

Unterdessen sind auf der am schlimmsten betroffenen Insel Sumatra mehr als 1000 weitere Leichen entdeckt worden. Unter den Trümmern eines Dorfes in der Provinz Aceh seien 897 Tote gefunden worden und in einer Nachbarprovinz noch einmal 128, teilten die indonesischen Behörden am Donnerstag mit. Die vorläufige Gesamtzahl der Toten in dem Land stieg damit auf 111.171.

Allerdings werden weiterhin fast 128.000 Menschen vermisst, wie es in der Erklärung des Koordinationsbüros für Katastrophenschutz ferner hieß. Diese können erst in einem Jahr für tot erklärt werden. Die Opferbilanz für alle vom Tsunami betroffenen elf Länder am Indischen Ozean wird zurzeit offiziell mit 160.000 bis 180.000 angegeben, könnte jedoch auf über 300.000 steigen.

Problematische Situation zwischen Armee und Rebellen

Weiterhin problematisch ist auch die Situation zwischen indonesischer Armee und Rebellen. Nach Augenzeugenberichten drangen Soldaten in ein Lager am Rande von Banda Aceh ein und schlugen Tsunami-Flüchtlinge sowie örtliche Helfer zusammen. Dann seien die Bewohner gezwungen worden, einen gefangen genommenen mutmaßlichen Rebellenführer zu identifizieren. Ein Armeesprecher erklärte dagegen, man wisse nichts von diesem Vorfall.

AP/DPA AP DPA

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