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Frankreich: Länger arbeiten für weniger Rente

Heißes und unliebsames Thema der französischen Politik: Die Rentenreform. Die Gewerkscahften gehen bei Forderungen nach verlängerter Lebensarbeitszeit bei niedrigerer Rente auf die Barrikaden.

In Frankreich ist die Rentenreform ein seit Jahren politisch sensibles Thema, das die Regierung in Paris aus Furcht vor schweren Arbeitskämpfen immer wieder auf die lange Bank schiebt. Ähnlich wie in Deutschland ist das Grundkonzept der Reform eine verlängerte Lebensarbeitszeit bei einem niedrigeren Rentenanspruch.

Das gesetzliche Rentenalter soll weiter bei 60 Jahren liegen (bei zahlreichen Ausnahmen je nach Berufszweig), doch können Arbeitnehmer dem Gesetzentwurf zufolge freiwillig bis 65 weiterarbeiten. Für jedes zusätzliche Beitragsjahr gibt es einen Zuschlag von zwei bis drei Prozent auf die Rente. Wer früher geht, muss Abstriche hinnehmen. Der rechtsliberale Premierminister Jean-Pierre Raffarin will auch die private Vorsorge fördern, allerdings im kleineren Rahmen als bei der Riester-Rente in Deutschland.

Ab 2008 sollen Angestellte und Beamte im öffentlichen Dienst 40 Jahre lang in die Rentenkassen einzahlen, um Anspruch auf den Höchstsatz zu bekommen. Bisher waren es 37,5 Jahre, wobei der Höchstsatz bei etwa 75 Prozent der letzten Bezüge lag. Stufenweise soll ab 2012 die Lebensarbeitszeit auf 41 Jahre und ab 2020 auf 42 Jahre angehoben werden, um insgesamt etwa zwei Drittel des vorherigen Einkommens zu bekommen.

In der Privatwirtschaft gilt bereits eine Lebensarbeitszeit von 40 Jahren. Bei der Armee, der Feuerwehr und der Staatsbahn SNCF können bestimmte Berufsgruppen bereits ab 50 oder 55 Jahren in Rente gehen. Um das Loch in den Rentenkassen zu stopfen, braucht die Regierung bis 2020 etwa 50 Milliarden Euro. Heute kommen in Frankreich auf zehn Berufstätige bereits vier Rentner, 2040 werden es sieben sein.

Ohne eine Reform würde die Rentenkasse Regierungsangaben zufolge in zwei bis drei Jahren ins Defizit rutschen und 2020 einen Fehlbetrag von 15 Milliarden Euro aufweisen. Der Gesetzentwurf soll noch vor der Sommerpause vom Parlament verabschiedet werden.

Die Gewerkschaften bilden trotz des gemeinsamen Aktionstags vom Dienstag keine einheitliche Front. Das Spektrum reicht von Force Ouvriere (FO), die sogar eine Verkürzung der Beitragszeiten auf 37,5 Jahre in der Privatwirtschaft fordert und die Raffarin-Pläne im Block ablehnt, bis zur gemäßigten CFDT, die lediglich punktuelle Verbesserungen durchsetzen will.