Friedensnobelpreis Festakt für die "Friedensstifter"


Der Weg zum Frieden führt über die UN - hieß es in der Begründung der Juroren: 2001 ging der Friedensnobelpreis an die Weltorganisation und ihren Generalsekretär Kofi Annan.

Geht es nach den Mitgliedern des Osloer Nobelkomitees, führt der Weg zum Frieden nur über die Vereinten Nationen. So klar drückten die fünf norwegischen Juroren vor zwei Jahren ihre Entscheidung für den Friedensnobelpreis aus, der an die Weltorganisation und ihren Generalsekretär Kofi Annan vergeben wurde.

Garant für Frieden und Sicherheit

Die Nominierung erschien im Umfeld des Komitees als unausweichlich, denn wer sonst, wenn nicht die UN, stehe für Frieden und Sicherheit. Zur Begründung hieß es: "Die UN haben in ihrer Geschichte viele Erfolge erreicht und viele Rückschläge erlitten. Durch diesen ersten Friedensnobelpreis an die Vereinten Nationen als Ganzes wünscht das Norwegische Nobelkomitee im Jahr seines 100. Jubiläums öffentlich kund zu tun, dass der einzig begehbare Weg zu globalem Frieden und Zusammenarbeit der über die Vereinten Nationen ist."

Gerade zum 100. Jubiläum des renommiertesten Preises der Welt nach der ersten Vergabe 1901, hieß es aus dem Jurorenkreis, sollte ein möglichst überall anerkannter Preisträger ausgezeichnet werden, der «einigend und nicht kontrovers wirkt». Da bot sich die Entscheidung für die UN und ihren allseits respektierten Generalsekretär aus Ghana an. Und wer hätte nach den Terrorangriffen des 11. September und den anschließenden Kriegsängsten nicht gehofft, dass sich die UN als das bewährt, was das Nobelkomitee an der Weltorganisation und dem Mann an ihrer Spitze hervorhob: «Heute ist die Organisation in vorderster Front bei Bemühungen um Frieden und Sicherheit auf der Welt sowie bei der internationalen Mobilisierung mit dem Ziel, den globalen wirtschaftlichen, sozialen und umweltmäßigen Herausforderungen zu begegnen.»

Ein Leben für die Vereinten Nationen

Annan wurde die Hälfte des Preises zugesprochen, weil er nach Meinung der Juroren als Person entscheidend dazu beitrug, dass die UN an globaler Bedeutung gewonnen habe. «Personen geben dem Friedensnobelpreis im heutigen Medienzeitalter viel stärker ein Gesicht als Organisationen», meinte Komitee-Sekretär Geir Lundestad. In Skandinavien, wo Annan wegen seiner schwedischen Ehefrau oft und gerne die Ferien verbringt, hat sich der Ghanaer enormen Respekt unter anderem dadurch verschafft, dass er nie vor dem oft wenig ermutigenden Verhalten der USA gegenüber den Vereinten Nationen einknickte.

Das Nobelkomitee würdigte Annan für seinen Verdienst für die UN: "Kofi Annan hat fast sein gesamtes Arbeitsleben den UN gewidmet. Als Generalsekretär hat er Herausragendes zur Wiederbelebung der Organisation geleistet. Er unterstrich deutlich die traditionelle Verantwortung der UN für Frieden und Sicherheit, hob aber gleichzeitig auch deren Verpflichtung mit Blick auf die Menschenrechte hervor."

Ehrung für die Weltorganisation als Ganzes

Am 10. Dezember 2001 nahm der Ghanaer die wohl begehrteste Auszeichnung der Welt vor einem ganz besonderen Publikum im Osloer Rathaus entgegen. Die meisten der noch lebenden Friedensnobelpreisträger - mehr als 30 – hatten zum 100. Jubiläum ihre Teilnahme zugesagt. Annan nahm den Preis in Anwesenheit von solch unterschiedlichen Vorgängern wie dem polnischen Gewerkschaftsführer und späteren Präsidenten Lech Walesa (1983), dem sowjetischen Ex-Präsidenten Michail Gorbatschow (1990), dem früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela (1993), dem Dalai Lama aus Tibet (1989) und dem südkoreanischen Präsidenten Kim Dae Jung entgegen (2000).

Der Preis an die UN war wohl in den Augen der Jury überfällig, denn nie zuvor wurde die Weltorganisation als Ganzes ausgezeichnet. Es gab schon Friedensnobelpreise an Unterorganisationen wie das Flüchtlingshochkommissariat UNHCR(1954/55 und erneut 1981), das Kinderhilfswerk UNICEF (1965) und die Internationale Arbeitsorganisation ILO (1969). 1961 wurde - kurz nach seinem Tod - auch der frühere schwedische UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld geehrt, der bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz über dem Kongo ums Leben gekommen war. Aber eben nicht die Vereinten Nationen als Ganzes.

Nicole Bockstaller

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