Gaza-Streifen Israel erklärt Hamas-Sturz zum Kriegsziel


Ende aller Dialoge: Nicht weniger als den Sturz der regierenden radikal-islamischen Hamas hat Israels Vize-Regierungschef Haim Ramon als Kriegsziel ausgegeben. Zuvor hatte bereits der israelische Vize-Generalstabschef Dan Harel einen langen Einsatz im Gaza-Streifen angekündigt. Er ist sich sicher: "Das Schlimmste kommt noch."

Israel will mit seiner Militäraktion gegen den Gazastreifen die dort regierende radikal-islamische Hamas stürzen. Dies sagte Vize-Regierungschef Haim Ramon am späten Montagnachmittag dem Fernsehsender "10". Erst wenn es im Gazastreifen eine andere Regierung gebe, werde Israel seine Militäraktionen beenden. "Das Ziel der Operation ist der Sturz der Hamas", sagte Ramon. "Wir sind aufgeschlossen gegen jegliche andere Regierung, die den Platz der Hamas übernimmt." Bei den israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen wurden seit Samstagmorgen mehr als 300 Menschen getötet.

Der israelische Vize-Generalstabschef Dan Harel kündigte seinerseits an, dass bei der Militäraktion alle Einrichtungen der Hamas im Gazastreifen zerstört werden sollen. "Nach Beendigung der Operation wird es nicht ein stehendes Haus der Hamas im Gazastreifen mehr geben." Ziel der israelischen Angriffe seien "nicht nur Terroristen oder Raketenwerfer, sondern die gesamte Hamas-Regierung". Zugleich machte Harel klar, dass ein Ende des Einsatzes nicht absehbar sei. "Wir stehen gerade am Anfang des Kampfes. Das Schlimmste kommt noch."

Auch Israels Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte der radikalislamischen Hamas einen "Krieg bis zum bitteren Ende" an. Barak sagte im Parlament, die bisherige Operation werde ausgedehnt, wenn dies notwendig sei. Die Armee erklärte das Gebiet um den Gazastreifen herum gleichzeitig zur militärischen Sperrzone. Dies wurde in israelischen Medien als Hinweis auf eine Bodenoffensive gesehen.

Israelische Kampfflugzeuge flogen derweil am dritten Tag in Folge mit unverminderter Härte neue Angriffe auf Ziele im Gazastreifen. Bei den blutigsten Luftangriffen auf das Palästinensergebiet seit 40 Jahren starben bislang mindestens 345 Menschen, teilte die palästinensische Gesundheitsbehörde mit. 1600 Menschen seien verletzt worden. Zuvor waren bereits Kriegsschiffe in die Militäroperation einbezogen worden.

Im Gegenzug feuerten militante Palästinenser binnen drei Tagen nach Armeeangaben mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten auf israelische Grenzstädte. Allein am Montag schlugen mehr als 60 Raketen ein. Ein israelischer Araber starb dabei durch die Explosion einer Rakete in Aschkalon, damit kamen seit Samstag insgesamt vier Israelis bei den Angriffen ums Leben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gab der Hamas die alleinige Schuld an der Eskalation. "Die Bundeskanzlerin legt Wert darauf, dass bei der Beurteilung der Situation im Nahen Osten Ursache und Wirkung nicht vertauscht werden oder Ursache und Wirkung nicht in Vergessenheit geraten", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Auch das Weiße Haus machte erneut die Hamas für die jüngste Entwicklung verantwortlich. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warf der internationalen Gemeinschaft mangelndes Engagement im Nahost-Konflikt vor.

Ein Sprecher der Hamas lehnte derweil den Aufruf von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ab, in einen Dialog zu treten, um eine Lösung zu finden. Abbas wolle "den palästinensischen Widerstand bloß überzeugen, nicht mehr auf die Verbrechen der Zionisten gegen die standhaften Menschen im Gazastreifen zu antworten", sagte Hamas- Sprecher Fausi Barhum.

In zahlreichen arabischen Ländern, aber auch im Westen kam es erneut zu anti-israelischen Protesten. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa demonstrierten 9000 Frauen. Proteste gab es auch in Syrien, Oman, Ägypten, dem Libanon und Mauretanien. In der iranischen Hauptstadt Teheran gingen zehntausende Menschen in einer vom Staat organisierten Kundgebung auf die Straße. In Berlin demonstrierten mehr als 1000 Menschen nach Polizeiangaben gegen die israelischen Militäraktionen im Gazastreifen, in London waren es mehrere hundert. In der griechischen Hauptstadt Athen setzte die Polizei Tränengas gegen Protestierer ein.

Angesichts der kritischen Lage im Nahen Osten berief die französische Ratspräsidentschaft für diesen Dienstag ein Krisentreffen der Außenminister der 27 EU-Staaten in Paris ein.

AFP/DPA DPA

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