Gazastreifen Tote nach israelischen Luftangriffen

Als Reaktion auf den andauernden Raketenbeschuss der Grenzstadt Sderot hat Israel erneut Luftangriffe gegen den Gazastreifen geflogen, dabei starben neun Menschen. Die Hamas reagierte prompt und feuerte ihrerseits Kassam-Raketen ab.

Israel hat am Sonntag weitere Luftangriffe in Gaza gegen radikale Palästinenser geflogen und dabei nach Informationen aus Sicherheitskreisen neun Menschen getötet. Nach einem Bericht des israelischen Rundfunks wurde ein Hamas-Mitglied im nördlichen Gazastreifen getötet. Der Mann soll am Bau von Raketen und andere Waffen beteiligt gewesen sein. Am Sonntagabend starben bei einem anderen israelischen Luftangriff mindestens acht Palästinenser.

Hamas schwört Rache

Einer der Angriffe zielte offenbar auf ein Mitglied des radikalen Flügels der Hamas ab. Das Haus des palästinensischen Volksvertreters Kalil al Haja im Osten von Gaza wurde dabei stark beschädigt. Unter den Toten waren sieben Familienmitglieder und ein Leibwächter, berichteten Augenzeugen. Mindestens 13 Menschen wurden verletzt. Der Politiker selbst hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs aber nicht dort auf und blieb daher unverletzt. Eine israelische Armeesprecherin erklärte, dass eine Gruppe bewaffneter Hamas-Mitglieder Ziel des Angriffs gewesen seien, und nicht Haja.

Der radikale Flügel der Hamas schwor Rache für den Angriff des Hauses des Politikers. Die Antwort werde "wie ein Erdbeben ausfallen". Es wurden erneut zahlreiche Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Dabei wurde aber niemand verletzt.

Sonderzustand für Grenzstadt Sderot

Kurz zuvor hatte die israelische Führung nach einer ersten Serie von israelischen Luftangriffen im Gazastreifen der Hamas mit noch härteren Schlägen gedroht. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hatte angekündigt, Hamas-Mitglieder würden "einen noch höheren persönlichen Preis zahlen", sollten die Raketenangriffe auf Israel weitergehen. Für die Grenzstadt Sderot erklärte Verteidigungsminister Amir Perez einen "Sonderzustand", weil militante Palästinenser das Grenzgebiet auch am Wochenende mit etwa 30 Raketen beschossen hatten. Eine am Samstag unter ägyptischer Vermittlung zwischen den rivalisierenden Palästinensergruppen Fatah und Hamas vereinbarte Waffenruhe hielt zunächst.

Bei Luftangriffen in der Nacht zum Sonntag tötete die israelische Luftwaffe im Gazastreifen vier Palästinenser. Insgesamt seien sechs Ziele bombardiert worden, bestätigte eine Armeesprecherin. Im Norden des Gazastreifens wurden drei Palästinenser, die mit einem Auto unterwegs waren, durch einen Raketentreffer getötet. Bei einem anderen Luftschlag wurde in Dschabalia ein 15-jähriger Palästinenser getötet, wie ein Rettungsdienst mitteilte.

Bei ihrer Kabinettssitzung am Sonntag beschloss die israelische Regierung, Angriffe gegen jene palästinensische Gruppen zu verschärfen, die Raketen auf Israel abfeuerten. Dazu gehörten die Hamas und der Islamische Dschihad. Von einer Bodenoffensive oder gezielten Angriffen gegen politische Führer werde abgesehen, sagte eine Sprecherin Olmerts. "Aber wenn ein politischer Führer in terroristische Aktivitäten verwickelt ist, sollte er sich nicht sicher fühlen."

Fortsetzung der Angriffe angekündigt

Ein Vertreter der Hamas kündigte unterdessen die Fortsetzung der Raketenangriffe auf israelische Siedlungen an. Nach israelischen Militärangaben wurden am Sonntag mindestens 13 Raketen auf den Süden des Landes abgefeuert.

Die rivalisierenden Palästinensergruppen Hamas und Fatah hatten sich am Samstag nach einwöchigen blutigen Kämpfen im Gazastreifen mit mehr als 50 Toten erneut auf eine Waffenruhe geeinigt. Zunächst wurden am Sonntag keine neuen Zwischenfälle gemeldet.

DPA/Reuters DPA Reuters

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