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Gemeinsam gegen al-Assad: Syrische Opposition bildet Nationalrat

Angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien hat sich die syrische Opposition zusammengerauft. Am Sonntag bildeten verschiedene Gruppen einen Nationalrat. Ziel dieses Gremiums soll es sein, die Revolte gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad zu steuern.

Die syrische Oppositionsbewegungen haben sich nach eigenen Angaben zu einem gemeinsamen Nationalrat gegen Staatschef Baschar el Assad zusammengeschlossen. In einem am Sonntag in Istanbul verlesenen Manifest hieß es, die Beteiligung am Nationalrat stehe jedem Syrer offen.

Seit Beginn der Protestwelle im vergangenen März hatten sich schon mehrere "Übergangsräte" gebildet, die jedoch nicht von allen Oppositionsgruppen anerkannt wurden. Angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien rauften sich die verschiedenen Gruppen, die vom liberalen Flügel bis zu den Islamisten reichen, jetzt zusammen. Auch die in Syrien verbotene Muslimbruderschaft gehört dem neuen Rat an sowie Vertreter von Kurden und Assyrern an.

Der unabhängige Rat stehe für die "Souveränität des syrischen Volks in seinem Kampf für die Freiheit", fügte der in Paris lebende Intellektuelle Burhan Ghalioun hinzu. Nach seinen Worten ist der Nationalrat "gegen jede äußere Einmischung in die Souveränität des syrischen Volks". Ghalioun nannte die Bildung der gemeinsamen Front gegen Assad "historisch". Die syrischen Demonstranten benötigten den Schutz der internationalen Gemeinschaft, fügte er hinzu.

Armee kontrolliert zentralsyrische Stadt Rastan

Nach tagelangen Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren hatte die syrische Armee am Wochenende die Kontrolle über die Stadt Rastan in der Region Homs übernommen. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London am Sonntag weiter mitteilte, verließen mittlerweile 50 Panzer die 160 Kilometer nördlich von Damaskus gelegene Stadt. Zahlreiche Häuser seien zerstört worden, und die humanitäre Lage sei "sehr schlecht". Es lägen Informationen vor, wonach beim viertägigen Beschuss der Stadt durch die Armee dutzende Zivilisten getötet und anschließend in den Gärten der Häuser begraben worden sein.

Am Samstag habe es bei der Niederschlagung der Protestbewegung gegen Präsident Baschar el Assad sieben Tote gegeben, davon drei bei Kämpfen zwischen Soldaten und Deserteuren in Rastan, erklärte die Beobachtungsstelle. Die Armee war dort am Freitag mit rund 250 Panzern und Panzerfahrzeugen eingerückt.

Seit diesem Frühjahr gehen in Syrien fast täglich Gegner von Staatschef Assad auf die Straße. Bei der Niederschlagung der Proteste starben nach UN-Angaben mehr als 2700 Menschen, die meisten von ihnen Zivilisten. Der UN-Sicherheitsrat konnte sich bislang nicht auf eine Resolution gegen die syrische Führung einigen

tib/DPA/AFP / DPA