HOME

George W. Bush: Tollpatsch auf Reisen

Das Auto kaputt, den Papst wie einen General angesprochen und der Geigerin derbe auf die Schulter geklopft: Wenn der US-Präsident auf Reisen geht, lässt er kein Fettnäpfchen aus. Das Gute an seinem Amt: Beim Präsidenten wird auch bei schlimmen Patzern beiseite geschaut, wenn Normalsterbliche längst rausgeflogen wären.

"Ein Mann aus Texas" wird man sich im Vatikan gedacht haben. US-Präsident George W. Bush, der in Washington schon mal Reporter anraunzt, wenn die ihn nicht höflich genug ansprechen, antwortete Papst Benedikt XVI. am Samstag locker auf eine Frage mit "Yes, Sir!". Manch einer der formbewussten Prälaten im Vatikan wird gezuckt haben bei der ungebührlichen Anrede des Heiligen Vaters. Aber die Herkunft aus dem Wilden Westen kann kaum als Entschuldigung für das zuweilen eigenwillige Auftreten herhalten - schließlich stammen Bush und seine Familie eigentlich aus Connecticut an der US-Ostküste.

Bush ist eigentlich kein Landei

Allerdings entspricht der Republikaner, der lange in Texas lebte und dort Gouverneur wurde, nicht selten den Klischees, mit denen man gemeinhin und sicher zu Unrecht Texaner beschreibt. Beispielsweise saß Bush dem Papst bei der Audienz im apostolischen Palast sehr lässig gegenüber, die Beine "auf texanische Art" übereinander geschlagen, wie es die "Chicago Tribune" beschrieb. Die "La Repubblicca" berichtete vom Stirnrunzeln im Vatikan angesichts des betont leutseligen Besuchers.

Auch in Heiligendamm verwirrte der US-Präsident Gastgeberin Angela Merkel und die übrige G8-Schar mit ungewöhnlichem Auftreten. Der virtuose Auftritt der Geigerin Julia Fischer, die Werke von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy spielte, begeisterte Bush sichtlich - also klatschte er bereits nach dem ersten Satz des Konzertstücks. Höflich applaudierten die anderen Gipfelteilnehmer nach kurzem Zögern auch, wie dann nach jedem Satz, wohl wissend, dass sich das in klassischen Konzerten eigentlich nicht gehört. Am Ende des Auftritts der Star-Violinistin soll Bush der zarten Violinistin anerkennend auf die Schulter geklopft haben.

Ungewohntes Essen - Bier von daheim

Zu unabsichtlichen Peinlichkeiten der präsidialen Europa-Reise gesellte sich für Bush diesmal auch normales Pech, das wohl manch unbedarften amerikanischen Touristen ereilt. So schlug das ungewohnte Essen auch Bush auf den Magen: Tagelang kämpfte er mit Unwohlsein, war sichtlich blass um die Nase. Beim G8-Gipfel musste er den französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in seinen Privatgemächern in Heiligendamm empfangen - in sicherer Nähe zu den Badezimmern.

Bush teilt sicher mit vielen seiner Landsleute ein gewisses Misstrauen gegenüber dem alten Kontinent und seine Produkte. Bushs Gastgeber haben wohl Verständnis, wenn der US-Präsident vor allem auf eigene Sicherheitsleute oder Kommunikations-Elektronik setzt. Dass er aber beim G8-Gipfel im Bierland Deutschland wie selbstverständlich sein aus Texas mit gebrachtes, alkohol-freies "Buckler"-Bier trank, wunderte dann doch viele.

Auto aus Amerika

Bushs Vertrauen in die US-Qualitäten wurde allerdings in Rom ziemlich enttäuscht - Bush hatte mit seiner aus den Washington eingeflogenen gepanzerten Staatskarosse Probleme. Die Fahrt vom Vatikan in die US-Botschaft stoppte eine Motorpanne. Der Präsident musste mehrere Minuten lang in dem Wagen mit den dunklen Scheiben sitzen bleiben. Und sich als das wuchtige Auto wieder in Bewegung setzte, gab es kurz darauf ein weiteres unvorhergesehenes Hindernis: Das präsidiale Fahrzeug erwies sich als zu breit für die Toreinfahrt der Botschaft. Bush musste aussteigen und zu Fuß weitergehen.

Laszlo Trankovits/DPA / DPA