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Geplante Schulrede Rechte wollen Schüler vor Obama schützen


Bald beginnt in den USA wieder die Schule. Für diesen Tag plant Barack Obama eine Videoansprache an die Schüler des Landes. Diese Rede bringt Rechte und Erzkonservative auf die Barrikaden.
Von Niels Kruse

Ein lächelnder Barack Obama sitzt in seinem Büro, dem Oval Office, neben ihm zwei Bilder: Auf dem einen ist das US-Staatsoberhaupt zu sehen, wie er als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wird. Daneben das Foto von seiner Schulabschlussfeier. "Ich hätte niemals an der einen Zeremonie teilnehmen können (der Inauguration, d.Red.), wenn ich nicht an dieser Zeremonie (der Graduation, d.Red.) teilgenommen hätte". Worte, mit denen Obama freundlich auf die Wichtigkeit eines Schulabschlusses hinweist.

Das Video ist eines von vielen, mit denen Obama zurzeit die Amerikaner von seiner Politik im Allgemeinen und von seinen Reformen in Besonderen überzeugen will, denn seine Zustimmungswerte sinken drastisch. Zum Schulbeginn am 8. September plant er sich per Videoansprache an alle Schüler des Landes zu richten. Eigentlich eine Lappalie, vor allem angesichts des Inhalts: Seid fleißig, geht zur Schule, macht Euren Abschluss, lauten die Aussagen sinngemäß. Dennoch entfachen die Pläne einen Sturm der Entrüstung bei den konservativen und rechten Kräften im Land. So zürnt der Republikanische Parteichef Floridas, der Präsident wolle mit seiner Rede die Schüler mit "sozialistischen Ideologien indoktrinieren". Und seine Äußerung ist noch einer der harmloseren.

Vor allem in Texas laufen die Gegner Sturm

Zahllose Eltern und Schulen haben bereits angekündigt, ihren Schülern alternativen Unterricht anzubieten oder gleich ganz zu Hause zu lassen, damit die Kleinen nicht die Ansprache ihres Staatsoberhaupts zu sehen und hören bekommen. Vor allem in Texas und anderen konservativen Regionen laufen die Gegner Sturm. "Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass der Präsident politische Botschaften direkt in die Klassenräume sendet", zitiert die "New York Times" einen empörten Texaner aus Pearland. In der Radio-Sendung des ultrarechten Talkradio-Moderators Rush Limbaugh kommt ein Kommentator zu Wort, der Obama beschuldigt, einen Personenkult erschaffen zu wollen, wie Saddam Hussein im Irak und Kim Jong Il in Nordkorea. In einem Internet-Forum ist zu lesen, die Schulrede sei der Versuch Obamas, eine Art Hitler-Jugend heranzuzüchten.

Der Hitler-Vergleich ist nicht ganz neu. Schon vor wenigen Wochen hatten Gegner der geplanten Gesundheitsreform auf Bildern Obama mit Diktator-Bärtchen dargestellt. Ihrer Ansicht nach gleiche die Einführung staatlicher Krankenkassen der Politik des "Führers". Es ist bereits der dritte Aufstand der Rechten und Ultrakonservativen gegen den Präsidenten innerhalb kurzer Zeit. Begonnen hatte der Widerstand mit der Bewegung der so genannten Birther, die die Ansicht vertreten, Obama sei kein gebürtiger Amerikaner und dürfe daher kein Präsident sein. Kurz danach trommelten gegen Obamas großes Gesundheitsreformprojekt. Vielleicht sogar mit Erfolg. Angesichts des massiven Widerstands gibt es nun die Überlegung im Weißen Haus, auf die Einführung einer staatlichen Krankenkasse doch zu verzichten.

Obama werde keine politische Rede halten

Was die Videoansprache zum Schulbeginn betrifft, versucht die Regierung die Aufregung zu mildern. Entgegen den Befürchtungen, werde Obama vor den Schülern keine politische Rede halten. Den Schulen und Lehrern wurde die Rede vorab zugeschickt, damit sie sich selbst ein Bild von der Ansprache machen können. Zudem weist ein Sprecher des Weißen Hause daraufhin, dass niemand gezwungen werde, den Worten des Präsidenten zu lauschen. Die Idee sich landesweit an die Schüler zu richten, ist so neu zudem auch nicht. Schon Georg Bush hatte 1991 dasselbe getan. Damals waren es die Demokraten, die sich über die Verschwendung von Steuergeldern aufgeregt hatten und die glaubten, Bush Senior würde mit der Ansprache seine Politik verkaufen.


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