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Ex-FBI-Chef packt aus: James-Comey-Buch: Gibt Donald Trump indirekt zu, dass es ein Sextape mit Prostituierten gibt?

Sex, Lügen, Video: Erneut erschüttert ein Enthüllungsbuch die Präsidentschaft Donald Trumps. Diesmal ist es Ex-FBI-Chef James Comey, der auspackt. Das Weiße Haus wehrt sich mit einer Website. Lesen Sie die wichtigsten, bislang bekannten Passagen.

Und die nächste Abrechnung mit Donald Trump. Nach Michael Wolffs Buch "Feuer und Zorn" legt nun der ehemalige, vom US-Präsidenten gefeuerte FBI-Chef James Comey, am kommenden Dienstag seine Memoiren vor. Darin zeichnet er, wie auch schon Wolff, ebenfalls ein vernichtendes Bild vom Weißen Haus unter Trump. Der Immobilienmilliardär sei ein Rüpel und Lügner, der in einem "Kokon der alternativen Realität" lebe und in den er die Menschen in seinem Umfeld hineinziehen wolle.

Weißes Haus wehrt sich mit Website

Comey wurde im Mai 2017 überraschend gefeuert, doch nach dessen Rauswurf stieg der Druck auf Trump weiter. Das Justizministerium setzte den Sonderermittler Robert Mueller auf die Russland-Affäre an. Comey sagte später aus, er sei von Trump wegen der Ermittlungen bedrängt worden.

Das Weiße Haus und die Republikanische Partei bemühen sich derweil bereits vor der Veröffentlichung des Buches, Schaden von Trumps Präsidentschaft abzuwenden. Die Partei versucht mit der Webseite "lyincomey" (Lügender Comey), den Ex-FBI-Chef und sein Buch unglaubwürdig zu machen.

Lesen Sie die wichtigsten, bislang bekannten Passagen:

Das ominöse Sex-Tape

Seit Anfang 2017 hält sich hartnäckig das Gerücht, Donald Trump habe bei einem Moskau-Besuch mit Prostituierten Sex gehabt und sei dabei vom russischen Geheimdienst gefilmt worden. Weil auf dem Band Pinkelspiele zu sehen sein sollen, ist der angebliche Mitschnitt als "Golden-Shower-Tape" bekannt geworden. Wenig überraschend bestreitet der Präsident die Existenz des Video. Doch in seinem Buch deutet Comey indirekt an, dass es möglicherweise doch existieren könnte.

"Er brachte das, was er 'das Golden-Shower-Ding' immer wieder auf. Ihn störte selbst die 'einprozentige Chance', dass seine Frau Melania es für Existent halten könnte. Er steigerte sich da regelrecht rein, wies alle Vorwürfe zurück ohne zu erläutern, warum sie unmöglich wahr sein konnten. Er fragte, rhetorisch wie ich vermute, ob er wie jemand wirke, der solche Dienste von Prostituierten nötig habe. Am Ende bat er mich darum, den Beweis zu erbringen, dass die Sache eine Lüge war", so Comey. Natürlich beweist diese aus seiner Erinnerung skizzierte Episode nicht viel. Aber die Äußerungen Trumps lassen eigentlich nur zwei Schlüsse zu: Entweder braucht er den FBI-Beweis, weil ihm seine Frau nicht glaubt, oder aber er kann ein "Golden-Shower-Tape" zumindest nicht ausschließen. In einem Interview in der Frühstückssendung "Good Morning America", sagte Comey: "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal diese Worte in den Mund nehmen werde - aber ich weiß nicht, ob der aktuelle Präsident der Vereinigten Staaten mit Prostituierten zusammen war, die sich in Moskau 2013 gegenseitig angepinkelt haben. Möglich ist es, aber ich weiß es nicht."

Viele Fälle, in denen Frauen ihn der sexuellen Belästigung beschuldigt hatten, hätten Trump beschäftigt. "Ein Thema, das ich gar nicht aufgebracht hatte", so Comey. "Er erwähnte mehrere Frauen und er schien sich ihre Vorwürfe genau gemerkt zu haben." Mindestens 20 von ihnen haben dem US-Präsidenten öffentlich vorgeworfen, sie vor seiner Amtszeit sexuell belästigt zu haben. Dazu kommen Affären und One-Night-Stands, wie etwa mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels, die nach eigenen Angaben freiwillig mit Trump ins Bett gegangen seien.

stern-Herausgeber Andreas Petzold zur Trump-Affäre: Saustall "Weißes Haus", was ist los beim US-Präsidenten?


Donald Trump, der Mafia-Pate

Wer wie der Immobilientycoon in New Yorker Baubranche arbeitet, kommt schlecht bis gar nicht an der örtlichen Mafia vorbei. Von Donald Trump ist bekannt, dass sein jahrelanger Leib- und Magen-Anwalt Ray Cohn auch die führenden Mafiosi des Landes als Klienten hatte. Irgendwie muss der Umgang auf den jetzigen Präsidenten abgefärbt haben. Comey, der als Staatsanwalt einst für das organisierte Verbrechen zuständig war, erinnert Trumps Art an die der Mobster und der Mafia.

"Die stille Übereinkunft. Die Treueschwüre. Alle Macht dem Chef. Dieses Weltbild wir-gegen-sie. Die ständigen Lügen im Kleinen wie im Großen. Ständige Loyalitätsbekundungen, die die Organisation über Moral und Wahrheit stellt", schreibt der frühere FBI-Chef. Als Beispiel zieht Comey das mittlerweile berüchtigte Abendessen heran, bei dem Trump Loyalität einforderte. "Was der Präsident verlangte, war wie eine Cosa-Nostra-Einführungszeremonie. Das einzige was Comey nach eigenen Angaben zusichern wollte, war Aufrichtigkeit.

"Dieser Präsident ist skrupellos und fühlt sich nicht an die Wahrheit und institutionelle Werte gebunden", so Comey weiter. "Sein Führungsstil: transaktionsbezogen, vom eigenen Ego und persönlicher Loyalität gesteuert."

Trump und die Russland-Affäre

Die Frage, ob und in welchem Umfang Russland sich in die Präsidentschaftswahlen eingemischt hat, und ob und welche Rolle Trumps Wahlkampfteam dabei gespielt hat, beschäftigt die USA seit fast anderthalb Jahren. Glaubt man Comey, nicht aber den Präsidenten und sein Team. Zumindest nicht zu Beginn der Präsidentschaft und vor allem nicht in der angemessenen Art und Weise. In seinem Buch erinnert er sich an Treffen, in dem Geheimdienstmitarbeiter den noch nicht im Amt vereidigten Trump in seinem New Yorker Trump Tower informiert worden waren. Nach dem Briefing aber habe ihre einzige Sorge ihrem Image gegolten. Sie hätten befürchtet, die Menschen könnten nun glauben, der einzige Grund, warum Trump gewählt worden sei, wären "aktive Maßnahmen" der Russen gewesen. "Sie waren dabei, die Führung über ein Land zu übernehmen, das durch einen ausländischen Widersacher angegriffen wurde, aber sie wollten nicht wissen, wie die nächste Bedrohung aus Russland aussehen könnte."

James Comeys Entlassung

Wie mit vielen anderen seiner Mitarbeiter hatte Donald Trump auch zu James Comey ein schwieriges Verhältnis. Das größte "Problem" für den lang gedienten FBI-Chef war, dass er die Untersuchung der russischen Beeinflussung der US-Wahl verantwortlich war. Trump, dem das Thema ganz offenkundig gehörig nervte, schmiss Comey im Mai raus. "Weil er keinen guten Job gemacht hat", so die Begründung des Präsidenten. Später dann ließ Trump ausrichten, er habe Comey schon viel früher entlassen wollen. Der Rauswurf sorgte für Proteste auf den Straßen und offenbar auch im Weißen Haus. Comey zitiert aus einem Telefonat mit dem damaligen Homeland-Security-Chef John Kelly. "Es war ein sehr emotionales Gespräch, in dem er sogar über seinen Rücktritt sprach. Er sagte, es mache ihn krank und er wolle nicht für unehrenhafte Leute arbeiten, die mich auf diese Art behandelten. Ich drängte Kelly zu bleiben, mit der Begründung, das Land müsse wissen, dass es prinzipientreue Menschen an der Seite des Präsidenten gebe. Vor allem dieses Präsidenten."


Das FBI und die Clinton-E-Mails

FBI-Chef Comey wurde erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als er kurz vor der Präsidentschaftswahl die Ermittlung wegen der E-Mail-Affäre der Kandidatin Hillary Clinton wieder aufnahm. Bis heute ist Trumps damalige Kontrahentin überzeugt, dass diese Aktion mitverantwortlich für ihre Wahlniederlage war. Bei der Sache ging es um verschwundene Mails von ihrem privaten Server, den Clinton als Außenministerin gegen die Vorschrift benutzt hatte. Eigentlich galten die Ermittlungen der Bundespolizei damals, im Oktober 2016, längst als ergebnislos abgeschlossen. Doch die Sache gärte weiter, vor allem im Lager von Trump und den Republikanern. Als Comey sie wieder aus der Schublade zog, zürnten ihm die Demokraten zu, weil sie darin eine Wahlbeeinflussung zugunsten Trumps befürchteten. Eine Woche vor der Wahl ließ das FBI die Untersuchung fallen.  

Mittlerweile scheint Comey seine Entscheidung zu bereuen. "Ich habe gelesen, dass sie (Hillary Clinton, Anm. d. Red.) ist mir persönlich böse und das tut mir leid. Ich entschuldige mich dafür, dass es mir nicht gelungen ist, ihr und ihren Anhängern besser zu erklären, warum ich getan habe, was ich getan habe." Zu dem Zeitpunkt, so der damalige FBI-Chef, sei er davon ausgegangen, dass Clinton die Wahl ohnehin gewinnen würde und er mit Hilfe der Untersuchung sicherstellen wollte, dass es keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit ihrer Präsidentschaft bestünden.

Michael Wolff, US-amerikanischer Autor, blickt mit nach rechts gedrehtem Kopf in die Kamera. Er trägt eine schwarze Brille


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