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Griechenland-Krise: "Endgültige" Frist: EU gibt Athen Zeit bis Sonntag

Die Euro-Spitzenpolitiker setzen eine Frist: Am Sonntag findet der entscheidende Gipfel statt. Auch ein Grexit-Szenario sei vorbereitet, sagt Juncker. Die Ereignisse des Tages im Rückblick.

Unruhige Tage für Griechenland. Wie wird es nach dem Referendum weitergehen?

Unruhige Tage für Griechenland. Wie wird es nach dem Referendum weitergehen?

Zwei Tage nach dem Referendum zeigen sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder grundsätzlich bereit, Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland zu beginnen - setzen aber eine klare Frist: Für einen Kompromiss bleiben nach den Worten von EU-Gipfelchef Donald Tusk nur noch fünf Tage Zeit. Bis Donnerstag soll Athen Vorschläge vorlegen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagt, ein Szenario für einen Grexit sei detailliert vorbereitet. Am Sonntag soll dann der entscheidende Gipfel stattfinden. Die Entwicklungen des Tages zum Nachlesen.

+++ 23.53 Uhr: Merkel "nicht ausgesprochen optimistisch" +++

 Es gehe angesichts der verschlechterten Lage in Griechenland nicht mehr um eine kurze Programmverlängerung, sondern um ein "drittes Programm" über mehrere Jahre, sagt Merkel nach dem Brüsseler Sondergipfel. Das neue Programm müsse aufgrund seiner Laufzeit dann auch "ein Mehr an Verpflichtungen" für Griechenland enthalten. Einen Schuldenschnitt schließt die Kanzlerin aus. Zu den Aussichten für ein neues Hilfsprogramm sagt sie: "Sie sehen mich hier nicht ausgesprochen optimistisch."

+++ 23.17 Uhr: Tsipras will Verhandlungen bis Ende der Woche abschließen +++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will "die Krise endgültig lösen": Das Verfahren solle bis Ende der Woche abgeschlossen sein. Der griechische Vorschlag sei sozial gerecht und wirtschaftlich tragbar.

+++ 23.05 Uhr: Nur noch fünf Tage Zeit für Kompromiss +++

Für einen Kompromiss im Griechenland-Streit bleiben nach den Worten von EU-Gipfelchef Donald Tusk nur noch fünf Tage Zeit. "Die endgültige Frist endet diese Woche", sagt er.

+++ 23.00 Uhr: Juncker: "Haben ein detailliertes 'Grexit'-Szenario"

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker kündigt an: "Wir haben ein detailliertes 'Grexit'-Szenario." Griechenland müsse bis Freitagmorgen 8.30 Uhr liefern, davon hänge das weitere Engagement der EZB ab. Juncker betont, er sei gegen ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro. Allerdings müsse Athen dafür Reformen zusagen und umsetzen.

+++ 22.55 Uhr: Merkel will neue Vorschläge bis Donnerstag +++

Angela Merkel erwartet von Griechenland konkrete Reformpläne bis Donnerstag, um Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm zu beginnen. Bisher seien die Voraussetzungen für die Aufnahme von Verhandlungen über ein Rettungsprogramm des ESM nicht gegeben.

Im Gespräch ist laut EU-Diplomaten ein Überbrückungskredit, damit Griechenland nicht schon im Juli zusammenbreche, sowie ein drittes Hilfspaket. Ein Betrag ist bisher nicht bekannt. 

+++ 22.39 Uhr: Am Sonntag soll "entscheidender" Gipfel stattfinden +++

Im Schuldenstreit mit Griechenland findet am Sonntag der "entscheidende" Gipfel in Brüssel statt. Das sagt der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi in Brüssel nach den Beratungen der Staats- und Regierungschefs der Währungsunion. Nach Angaben von Kanzlerin Angela Merkel sollen dann die Staats- und Regierungschefs aller 28 EU-Mitgliedstaaten zusammenkommen.

+++ 22.25 Uhr: Euro-Gipfel endet +++

Der Euro-Gipfel in Brüssel ist vorbei. Er hat etwa vier Stunden gedauert.

+++ 21.57 Uhr: Bargeld reicht laut Insidern nur noch für etwa zwei bis drei Tage +++

Den griechischen Banken könnte laut der Nachrichtenagentur Reuters in den nächsten zwei bis drei Tagen das Geld ausgehen, wenn die Kreditgeber sich nicht auf weitere Hilfen für das Land verständigen. Die Agentur beruft sich dabei auf Insider. Ein Informant, der mit dem Finanzsystem des Landes vertraut ist, sagte demnach am Dienstag, die ersten Geldautomaten könnten schon am Mittwoch leer sein. Ein Banker schätzte, dass noch für zwei bis drei Tage Bargeld im System sei. 

+++ 21.15 Uhr: Gehaltszahlungen am 13. Juli laut Athen kein Problem +++

Der stellvertretende griechische Finanzminister sieht kein Problem, am 13. Juli die Gehälter im öffentlichen Dienst des Landes auszuzahlen.

+++ 20.40 Uhr: Griechenland fürchtet Aufstand in Flüchtlingslagern +++

Die schwere Finanzkrise in Griechenland könnte zu Hungeraufständen in den zahlreichen Migrantenlagern vor allem auf den Inseln der Ostägäis führen. "Die Programme (zur Versorgung mit Essen) sind ausgelaufen. Es könnte zu Revolten kommen", warnt die griechische Vize-Ministerin für Migrationspolitik im griechischen Parlament. Bereits am Vormittag hatten Regionalgouverneure von den Ägäisinseln vor einer gefährlichen Zuspitzung der Lage in den Lagern gewarnt. Die Catering-Unternehmen seien seit Monaten nicht bezahlt worden und hätten seit Dienstag die Austeilung von Essen eingestellt, hieß es.

+++ 20.33 Uhr: Eurogruppe will Athen laut Tsakalotos neue Chance geben +++

Die Eurogruppe will Griechenland nach Angaben des neuen Finanzministers Evklidis Tsakalotos eine "neue Chance" geben. Der "politische Wille" dazu sei da, sagt er in Brüssel. Bei dem Treffen der Eurogruppe habe es "Fortschritte" gegeben, sagt er, ohne nähere Angaben dazu zu machen.

+++ 20.15 Uhr: Irischer Minister hält Umgestaltung der Schulden für möglich +++

Die Finanzminister der Eurozone sind nach den Worten des irischen Ressortchefs offen für eine Umgestaltung der griechischen Staatsschulden. "Es gibt ein allgemeines Gefühl, dass eine Umgestaltung der Schulden akzeptabel wäre", sagt Michael Noonan dem Rundfunksender RTE. Er verweist auf Maßnahmen, die Irland ergriffen hatte wie die Verlängerung von Laufzeiten und die Reduzierung der Zinsen.

+++ 19.55 Uhr: Weiterer EU-Gipfel am Sonntag möglich +++

Nach Angaben von hochrangigen EU-Vertretern gibt es vorläufige Pläne für einen weiteren Euro-Gipfel am Sonntag, auf dem Hilfspläne für Griechenland genehmigt werden könnten. Voraussetzung sei, dass die Geldgeber mit dem Antrag und den Reformvorschlägen aus Athen einverstanden seien, sagt einer der Vertreter.

+++ 19.17 Uhr: Griechenland will offenbar Übergangslösung für Juli +++

Ein griechischer Regierungsvertreter sagt, sein Land schlage eine Übergangslösung vor, um über den Juli zu kommen. Danach solle es eine langfristige Vereinbarung geben.

+++ 19.07 Uhr: Tsipras spricht mit Obama über "Überbrückungskredit" +++

Alexis Tsipras hat US-Präsident Barack Obama telefonisch über den neuesten Stand der Beratungen zur griechischen Schuldenkrise informiert. Dabei habe Tsipras Obama erklärt, dass Athen einen "Überbrückungskredit" von seinen internationalen Geldgebern wünsche, bis eine nachhaltige Lösung des Problems erreicht sei, wie aus griechischen Regierungskreisen in Brüssel verlautet.

Wie das US-Präsidialamt erklärt, hat Obama auch  mit Angela Merkel telefoniert.

+++ 18.40 Uhr: Neuer Hilfsantrag basiert auf dem von Ende Juni +++

Die vor einer Woche von Griechenland unterbreiteten Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise sind nach Angaben der Regierung weiterhin aktuell. Sie habe allerdings einige Verbesserungen angebracht, sagt ein Regierungsvertreter. Die griechischen Vorschläge würden an diesem Dienstag auf den Eurozonen-Gipfel sowie zudem am Mittwoch beraten. Sie beinhalteten "Reformen, Finanzierungen, ein Investitionsprogramm und eine Schuldenregelung".

+++ 18.25 Uhr: Renzi: Lösung in den nächsten Stunden möglich +++

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hält nach eigenen Worten eine Lösung im Streit mit Griechenland in den nächsten Stunden mit gutem Willen für möglich.

+++ 18.10 Uhr: Hollande: Griechenland muss in der Eurozone bleiben +++

Griechenland muss nach den Worten François Hollandes in der Eurozone bleiben. "Das ist das Ziel", sagt der französische Staatspräsident vor dem Euro-Sondergipfel in Brüssel. Es werde jetzt auf ernsthafte und glaubwürdige Vorschläge aus Athen gewartet. "Danach müssen wir Verantwortlichkeit, Solidarität und auch Schnelligkeit zeigen."

+++ 18.08 Uhr: Merkel und Hollande treffen Tsipras +++

Unmittelbar vor dem Sondergipfel der Euroländer hat Kanzlerin Angela Merkel erneut mit Alexis Tsipras und mit François Hollande gesprochen. An dem Treffen in Brüssel nahm auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker teil, berichtet eine Kommissionssprecherin.

+++ 17.35 Uhr: Ökonomen schreiben offenen Brief an Angela Merkel +++

Der Tagesspiegel veröffentlicht einen offenen Brief mehrerer Ökonomen, die sich an Angela Merkel wenden und sie bitten, ihre Sparpolitik zu überdenken. "Das endlose Spardiktat, das Europa den Menschen in Griechenland aufgezwungen hat, funktioniert einfach nicht", schreiben sie darin. Die finanziellen Forderungen Europas hätten Griechenland zum Fall gebracht, die humanitären Auswirkungen seien kolossal. "Gemeinsam fordern wir Sie, Frau Bundeskanzlerin Merkel, und die Troika dazu auf, ihren Kurs zu korrigieren, um weitere Schäden zu vermeiden. Momentan wird die griechische Regierung dazu gedrängt, sich einen Revolver an die Schläfe zu halten und abzudrücken. [...] Die Folgen werden auf der ganzen Welt zu spüren sein."

+++ 17.27 Uhr: Merkel warnt Tsipras +++

Angela Merkel warnt Tsipras, es gehe "nicht mehr um Wochen", sondern um "wenige Tage". Es gebe auch nach dem griechischen Referendum immer noch keine Grundlage, um Verhandlungen für ein Rettungspaket unter dem Euro-Rettungsschirm ESM zu beginnen.

+++ 17.14 Uhr: Eurogruppe berät am Mittwoch über neuen Hilfsantrag +++

Die Eurogruppe hat für Mittwoch Beratungen über einen erwarteten neuen Hilfsantrag aus Athen angekündigt. Es werde in einer Telefonkonferenz über ein mittelfristiges ESM-Programm für Griechenland beraten, erklärte Dijsselbloem. Die Gruppe erwarte einen neuen griechischen Brief mit klaren Vorschlägen. Die EZB werde die Lage in Griechenland von Tag zu Tag neu bewerten.

+++ 17.12 Uhr: Dijsselbloem bestätigt kommenden ESM-Antrag +++

Ein neuer Antrag Griechenlands beim Euro-Rettungsfonds ESM steht kurz bevor und wird möglicherweise am Mitwoch eingereicht, sagt Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem.

Dieser Weg birgt allerdings erhebliche Gefahren, findet der stern-Herausgeber, denn viele nationale Parlamente müssten dem zustimmen.


+++ 17.02 Uhr: Die Notizen des Tsakalotos +++

Vielleicht war es ja die Aufregung. Euklid Tsakalotos hat bei seinem ersten internationalem Treffen als Finanzminister seinen Notizzettel den Fotografen offen hingehalten. Offenbar nicht ganz freiwillig.

Euklid Tsakalotos hält steht nach dem Treffen der Euro-Finanzminister auf. Sein Notizzettel klemmt sichtbar an seiner Mappe

Vorschläge gab es zwar nicht, aber die Notizen von Euklid Tsakalotos (l.) kennt jetzt die ganze Welt



+++ 16.55 Uhr: Merkel trifft sich mit Tsipras +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft nach Angaben eines griechischen Regierungsvertreters Ministerpräsident Alexis Tsipras noch vor dem Euro-Zonen-Gipfel am Dienstagabend.

+++ 16.47 Uhr: Western Union nimmt Geschäft in Griechenland wieder auf +++

Der Bargeld-Transferanbieter Western Union hat heute seinen Betrieb in Griechenland wieder aufgenommen, berichtet das englischsprachige, griechische Nachrichtenportal "ekathimerini.com". Griechische Kunden können also wieder Geld aus dem Ausland erhalten. Allerdings können der Kapitalkontrollen nicht mehr als 60 Euro pro Tag pro Person ausgezahlt werden.

+++ 16.41 Uhr: Schriftlicher Vorschlag am Mittwoch +++

Nachdem der griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos seinen Amtskollegen der übrigen 18 Euro-Länder heute keinen neuen Vorschlag schriftlich präsentiert hat, soll das morgen nachgeholt werden.

+++ 16.27 Uhr: Tsipras will vor EU-Parlament sprechen +++

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras will morgen vor den Abgeordneten des EU-Parlaments in Straßburg sprechen. Dies bestätigte Parlamentspräsident Martin Schulz über Twitter.


+++ 16.19 Uhr: "Das hilft nicht" +++

Joseph Muscat, Premierminister von Malta bestätigt, dass es keinen neuen Vorschlag der griechischen Regierung gibt. "Die Abwesenheit eines Vorschlags der griechischen Regierung ist für das Treffen der Euro-Länder nicht hilfreich", so Muscat.


+++ 16.14 Uhr: Athen will Hilfe aus ESM-Fonds +++

Griechenland will einen neuen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM stellen. Die Euro-Finanzminister seien der Auffassung, dass ein neuer Antrag mit glaubwürdigen Reformvorschlägen her müsse. Griechenland habe dem zugestimmt.

+++ 16.02 Uhr: Griechenland präsentiert keine neuen Vorschläge +++

Der neue griechische Finanzminister Euklid Tsakalotos hat wider Erwarten den Euro-Finanzministern keine schriftlichen Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise präsentiert. EU-Diplomaten sagten am Dienstag in Brüssel, man warte nun auf einen neuen Antrag der griechischen Regierung.

+++ 15.40 Uhr: Euro weniger als 1,10 Dollar wert +++

Im Vorfeld des Euro-Gipfels in Brüssel haben die Anleger am Devisenmarkt die Gemeinschaftswährung aus ihren Depots geworfen. Der Euro fiel bei ruhigem Geschäft um mehr als einen US-Cent auf ein Fünf-Wochen-Tief von 1,0915 Dollar. "Die ungeklärte Griechenland-Frage belastet einfach", sagte ein Händler in Frankfurt. "Die Märkte sind im Moment einigermaßen entspannt, da sie vermuten, dass die EZB jede Ansteckung anderer Länder durch die Krise verhindern wird, sollte Griechenland die Euro-Zone verlassen", sagte Jeremy Stretch, Analyst bei CIBC World Markets.

+++ 14.51 Uhr: Litauen fordert "ernsthafte Verpflichtungen" Griechenlands +++

Die litauische Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite hat die griechische Regierung mit Nachdruck zu konstruktiven Spar- und Reformvorschläge aufgefordert. "Ohne ernsthafte Verpflichtungen wird es definitiv keine Hilfe geben", betonte sie am Dienstag vor ihrer Abreise zum Sondergipfel der Eurozone in Brüssel. Griechenland müsse eine Entscheidung treffen, ob es nicht eine andere Währung als den Euro kurz- bis mittelfristig vorzieht. Litauen hatte nach einem harten Reformkurs zu Jahresbeginn den Euro eingeführt - als 19. EU-Land und letzter der drei baltischen Staaten.

+++ 14.30 Uhr: Slowakischer Finanzminister hält Einigung noch in der Nacht für unwahrscheinlich +++

Der slowakische Finanzminister Peter Kazimir   zeigt sich skeptisch, dass es noch in der Nacht zu einer Einigung kommen könne. Dies müsse wohl auf der höchsten politischen Ebene entschieden werden.

+++ 13.42 Uhr: Schäuble: Keine Finanzhilfe für Athen ohne neues Programm +++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hält eine weitere Finanzhilfe der Eurozone für Griechenland nur im Rahmen eines neuen Programms mit Spar- und Reformvereinbarungen für möglich. "Ohne ein Programm gibt es keine Möglichkeiten im Rahmen der Eurozone Griechenland zu helfen", sagte Schäuble unmittelbar vor einem Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstag in Brüssel. Bisher habe Griechenland aber erfolgreich dafür gekämpft, dass es kein Programm gebe. Nun warte man gespannt auf neue Vorschläge der Regierung in Athen.

+++ 13 Uhr: Jeder zweite Franzose für "Grexit" +++

In Frankreich spricht sich einer Umfrage zufolge jeder zweite für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone aus. Vor einem Monat hatten in der Befragung des Instituts Odaxa nur 39 Prozent einen Grexit gefordert, wie die Tageszeitung "Le Parisien" berichtet.

+++ 12.21 Uhr: Tsipras Vorschlag soll abgelehntem Reformplan entsprechen +++

Laut einem Bericht der "Süddetuschen Zeitung" will der neue griechische Finanzminister, Euklid Tsakalotos, der Euro-Gruppe in Brüssel einen Reformvorschlag präsentieren, der im Wesentlichen dem Plan entspricht, den die Griechen gerade erst im Referendum abgelehnt haben. Einzige Unterschiede sollen sein, dass die Mehrwertsteuerrabatte auf den touristischen Inseln nicht abgeschafft werden sollen und dass der Militäretat nicht wesentlich gekürzt werden soll.

+++ 12.14 Uhr: Dax gibt erneut leicht nach +++

Vor den nächsten Krisengesprächen zu Griechenland halten die Anleger am deutschen Aktienmarkt ihr Pulver trocken. Nach einem freundlichen Handelsauftakt ist der Dax im Verlauf des Vormittags etwas abgebröckelt und notiert gegen Mittag 0,33 Prozent tiefer als zu Handelsbeginn bei 10 854,83 Punkten.

+++ 11.37 Uhr: Polnischer Außenminister für griechischen Verblein in Eurozone +++

Der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna hat sich für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone "zu harten Bedingungen" ausgesprochen. "Selbst wenn es Jahre dauert, bis Griechenland aus der Krise herauskommt, lohnt es sich, das zu machen", sagte Schetyna am Dienstag in Warschau am Rande einer Botschafterkonferenz. Nun hänge alles von Griechenland ab - "ob sie tatsächlich konkrete Vorschläge auf den Tisch legen, oder ob sie weiter so tun, als seien sie Geiseln einer Situation, zu der es nicht durch ihre Schuld gekommen ist. Wenn das der Fall ist, werden wir gewiss ein schwarzes Szenario schreiben". Schetyna erinnerte daran, dass etwa Portugal, Irland und Spanien sich mit Sparmaßnahmen aus der Krise herausarbeiteten. Es könne keine ungleichen Bedingungen in der EU für Griechenland geben. Der EU-Staat Polen ist kein Mitglied der Eurozone und hat noch kein Datum für den Beitritt zur Gemeinschaftswährung festgelegt.

+++ 11.11 Uhr: Lettlands Zentralbank-Chef: Langsamer "Grexit" einzige Lösung +++

Nach dem Nein beim Referendum über die Sparpolitik hält der lettische Zentralbank-Chef Ilmars Rimsevics ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro für das "realistischste Szenario" zur Überwindung der Schuldenkrise. "Ich sehe faktisch keine andere Lösung als einen langsamen Rückzug aus der Eurozone", sagte Rimsevics am Dienstag im lettischen Rundfunk.  "Die gegenwärtige Situation erfordert, dass jemand den Geldbeutel öffnet", sagte Rimsevics. Doch niemand sei bereit, die notwendigen 30 bis 50 Milliarden Euro auf den Tisch zu legen, um die Situation zu ändern. Beim Referendum habe sich das griechische Volk im Grunde selbst aus der Eurozone herausgewählt, meinte er. 

Touristen auf der Akropolis in Athen

Touristen auf der Akropolis in Athen. Hotels und Restaurantbesitzer fürchten, dass jetzt die Urlauber wegbleiben.

+++ 10.07 Uhr: Hotels haben nur noch Lebensmittel für zehn Tage +++

Wie das "Handelsblatt" meldet, haben die großen Hotelketten noch Lebensmittelvorräte für vielleicht zehn Tage. Dann kämen sie, laut Geschäftsführer der deutsch-griechischen Handelskammer, Athanassios Kelemis, in Schwierigkeiten. Dennoch rät er deutschen Geschäften, die mit griechischen Partnern Geschäfte machen , Ruhe zu bewahren und die Situation zu beobachten.

+++ 9.30 Uhr: Juncker will Griechenland in der Eurozone halten +++

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat sich für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone stark gemacht. "Niemand darf die Griechen hinauswerfen wollen", sagte er am Dienstagmorgen vor dem Europaparlament in Straßburg. Die Verhandlungen mit Athen müssten erneut aufgenommen werden.
Zugleich dämpfte Juncker die Erwartungen an das Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs der Länder mit der Euro-Währung am Abend in Brüssel. Dabei könne es noch keine Lösung geben. "Und wenn es heute eine Lösung gäbe, dann wäre es wiederum eine zu einfache Lösung", sagte er.

+++ 9.15 Uhr: El Mundo: Der Euro muss neu erfunden werden +++

Zur Zuspitzung der Griechenland-Krise und zur Zukunft der Eurozone schreibt die rechtsliberale spanische Zeitung "El Mundo" (Madrid):"Die Situation ist extrem komplex und zeigt die Notwendigkeit einer Revision der Funktionsregeln des Euros auf. Die schüchternen und langsamen Schritte, die die Eurozone in den vergangenen fünf Jahren gemacht hat, sind nicht mehr ausreichend. Die Einheitswährung muss zum Wohle aller neu erfunden werden. Die Währungseinheit kann nur dann weiter vorwärtskommen, wenn Reformen verabschiedet werden, die es möglich machen, Wachstum und Sparpolitik, Strenge und Solidarität in Einklang zu bringen. Das erfordert kühne Maßnahmen, wie die Vergemeinschaftung der Schulden und eine Revision der Rolle der EZB."

+++ 8.51 Uhr: Valls: Umschuldung darf "kein Tabuthema" sein +++

Eine Umschuldung für Griechenland darf nach Ansicht von Frankreichs Premierminister Manuel Valls "kein Tabuthema" sein. Europa dürfe einen Austritt des Landes aus der Währungsunion nicht riskieren - aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem aber aus politischen Gründen, sagte Valls am Dienstagmorgen dem Rundfunksender RTL. Der erste Austritt eines Eurolandes aus der Währungsunion hätte nach seiner Ansicht Auswirkungen "auf das Wachstum und die globale Wirtschaft". "Europa steht auf dem Spiel", warnte Valls. Es müsse "alles für ein Abkommen" getan werden.

+++ 8.16 Uhr: Österreichs Finanzminister hält "Grexit" für "nicht wahrscheinlich" +++

Österreichs Finanzminister erwartet trotz des "Neins" der Griechen zu den Sparvorschlägen der internationalen Gläubiger, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt. Einen sogenannten "Grexit" halte er für "eher nicht wahrscheinlich", sagte Finanzminister Hans Jörg Schelling am Dienstag in Wien. "Wenn es aber zu keiner Einigung kommt und es zu keiner Zwischenfinanzierung kommt, dann wird Griechenland sich etwas überlegen müssen", sagte er. Zur Diskussion stehe dabei auch ein Schuldenschnitt für das chronisch klamme Mittelmeerland. Dies werde bei einem Treffen der Euro-Finanzminister am Dienstag aber wohl noch kein Thema sein.  

+++ 7.24 Uhr: EU-Kommissar gibt Hoffnung auf Lösung nicht auf +++

EU-Kommissar Günther Oettinger gibt die Hoffnung auf eine Lösung der Griechenland-Krise noch nicht auf. "Wir setzen einmal darauf, dass die Regierung heute mit vergleichbar wertvollen Reformvorschlägen nach Brüssel kommt", sagt er im Deutschlandfunk. Die Europäer seien in ihrer Position flexibel. "Es muss um ein Mindestmaß an Reformen gehen", forderte er. Die Schuldentragfähigkeit sollte im Blick bleiben. Ein Schuldenschnitt würde kurzfristig wenig bringen.

+++7.19 Uhr: Neuer Schuldenschnitt wäre schon der dritte für Griechenland +++

Die Debatte über einen Schuldenschnitt Griechenlands ist durch die Eskalation des griechischen Schuldendramas erneut aufgeflammt. Schon zweimal hat das Euroland erhebliche Schuldenerleichterungen erhalten. Ein weiterer Schuldenerlass, der von Athen gefordert wird, ist in der Eurozone höchst umstritten.

 - erster Schuldenschnitt

Im März 2012 verzichteten überwiegend private Gläubiger "freiwillig" auf rund die Hälfte ihrer Forderungen - als Teil eines umfassenden Hilfsprogramms von Euroländern und IWF. Banken und Versicherungen verzichteten auf 53,5 Prozent. Insgesamt sank der Schuldenberg Griechenlands um 105 Milliarden Euro. Die Entlastung dauerte nicht lang: Weil die Wirtschaftsleistung weiter dramatisch schrumpfte, stieg die Schuldenquote - gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts - rasch wieder über den Stand vor dem Schuldenschnitt (2011: 160 Prozent). Zuletzt lag sie bei 180 Prozent, der Schuldenberg bei 315 Milliarden Euro.

 - zweiter indirekter Schuldenschnitt:

Im November 2012 erhielt Griechenland von der Eurogruppe eine weitere Erleichterung der Schuldenlast. Das Paket sah unter anderem eine Verlängerung der Laufzeiten für Kredite um 15 auf 30 Jahre vor, Zinsen wurden gesenkt oder auf zehn Jahre gestundet. Allein der Effekt dieser Zinsstundung wurde auf 44 Milliarden Euro geschätzt - und wegen des Verzichts auf Zinsen als Schuldenschnitt  interpretiert.

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Francois Hollande in Paris

Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatschef Francois Hollande fordern von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras "präzise" Vorschläge für eine Lösung der Schuldenkrise

  

+++ 6.20 Uhr: Merkel: Tür bleibt offen für Gespräche +++

Vor dem Sondergipfel der Eurozone in Brüssel forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef François Hollande am Montagabend in Paris von Athen rasche Vorschläge. Derweil wurden die Rufe nach humanitärer Hilfe für die Griechen lauter. "Wir sagen sehr deutlich, dass die Tür für Gespräche offen bleibt", sagte Merkel bei ihrem Besuch in Paris. Beim Euro-Sondergipfel am Dienstagabend müsse der griechische Regierungschef Alexis Tsipras aber "präzise" Vorschläge vorlegen. Die Voraussetzungen für Verhandlungen über ein konkretes Hilfsprogramm-Programm seien "zur Zeit nicht gegeben".

+++ 5.47 Uhr: Euro-Partner suchen Wege aus der Krise +++

Zwei Tage nach dem Referendum in Griechenland kommen Spitzenpolitiker der 19 Eurostaaten in Brüssel zusammen, um Auswege aus der zugespitzten Schuldenkrise zu suchen. Zunächst wollen die Euro-Finanzminister am Dienstag (13.00 Uhr) beraten, ob mit Athen über ein neues Hilfsprogramm verhandelt werden kann. Anschließend treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten (18.00 Uhr). An der Toprunde werden auch Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, teilnehmen. Griechenland will mit den Euro-Partnern bei dem Sondergipfel auch über eine Umschuldung verhandeln. Auf diese in der Eurogruppe umstrittene Forderung verständigte sich Ministerpräsident Alexis Tsipras bei einem Treffen mit der Opposition in Athen.

+++ 5.07 Uhr: Banken bleiben weiterhin geschlossen +++

Die griechischen Banken bleiben angesichts der schweren Finanzkrise noch mindestens zwei weitere Tage geschlossen. Die seit gut einer Woche geltende Regelung wurde bis Mittwochabend verlängert. Damit dürfen die Griechen weiterhin maximal 60 Euro am Tag an Geldautomaten von ihren Konten abheben. Überweisungen ins Ausland sind nur nach einer Genehmigung der Zentralbank möglich. Rentner, die keine Bankkarten haben, können in der Woche höchstens 120 Euro abheben. Ausländische Touristen sind von den Einschränkungen nicht betroffen.

+++ 5.04 Uhr: EVP-Chef im Europaparlament macht Tsipras für Krise verantwortlich +++

Nach dem Nein der Griechen zu den von seinen Gläubigern geforderten Reformen sieht der Vorsitzende der konservativen Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Manfred Weber, kaum noch Spielraum für neue Zugeständnisse der Eurogruppe. In der Eurozone gebe es nicht nur eine Demokratie, sondern 19 Demokratien, sagte der CSU-Politiker der Nachrichtenagentur AFP. Die anderen 18 Euro-Länder seien "sehr wahrscheinlich" nicht bereit, über die bereits gegebenen Zusagen hinauszugehen. Einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone schloss der Vorsitzende der mit 218 Abgeordneten größten politischen Gruppe im Europaparlament nicht aus. Kein Land könne den Rest der Eurozone erpressen, indem es "ein Referendum mit Wunschlisten organisiert und damit Fakten schafft", sagte Weber.
    Griechenland stehe nun ohne Schutzschild im "luftleeren Raum", es gebe humanitäre Probleme, fügte der konservative Politiker hinzu. Verantwortlich dafür sei Regierungschef Alexis Tsipras. "Er hat die ausgestreckte Hand der Europäer ausgeschlagen und auf Ideologie gesetzt", sagte Weber.

+++ 4.36 Uhr: ZEW-Präsident: Euroländer dürfen Griechenland nicht mehr nachgeben +++

Im Streit um neue Hilfen für Griechenland müssen die Euroländer nach Ansicht des Wirtschaftsexperten Clemens Fuest unbedingt Härte zeigen. "Wir zerstören die wirtschaftlichen Grundlagen der Eurozone, wenn wir den Griechen jetzt nachgeben", sagte der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) der Deutschen Presse-Agentur. Es könnte zu einer Art Dominoeffekt kommen. So könnten sich die Bürger in Irland und Spanien fragen, warum sie sich anstrengen und ihre Haushalte sanieren mussten, aber die Griechen nicht. In Deutschland, Frankreich und anderen Ländern drohten antieuropäische Kräfte sehr schnell an Einfluss zu gewinnen, wenn sich der griechische Premier Alexis Tsipras durchsetzen würde. Damit würde die Axt an Europa gelegt.

+++ 2.05 Uhr: Aus Union Ablehnung von Verhandlungen über drittes Hilfspaket +++

Führende Unionspolitiker haben sich vor dem Sondergipfel der Euroländer am Dienstagabend in Brüssel entschieden gegen Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket für Griechenland ausgesprochen. "Griechenland hat Nein gesagt", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) und fügte hinzu: "Nein heißt jetzt für uns auch Nein zu Verhandlungen und zum Hilfspaket."Der Vorsitzendes des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer (CSU), sagte laut "Bild", das Votum der Griechen beim Referendum sei zwingend als "Nein zu jeglicher Art eines neuen Hilfspakets" zu verstehen. Der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion, Christian von Stetten (CDU), verlangte ebenfalls, das "Experiment mit den reformunwilligen Griechen im Euro-Raum" zu beenden. Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) warnte in der "Bild", Ängstlichkeit und Unentschlossenheit der europäischen Staats- und Regierungschefs seien nun "die größte Gefahr für den Euro".

+++ 0.53 Uhr: London warnt vor Verschärfung der Engpässe +++

Angesichts der akuten Finanzkrise Griechenlands hat die britische Regierung vor einer Verschärfung von Versorgungsengpässen in dem Euroland gewarnt. Wenn es nicht bald ein "Signal" gebe, "dass Griechenland und die Eurozone bereit sind, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, können wir damit rechnen, dass sich die finanzielle Lage in Griechenland schnell verschlechtert", sagte der britische Finanzminister George Osborne am Montag vor dem Parlament in London.

+++ 23.22 Uhr: EZB hält Notkredite auf aktuellem Stand +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Notkredite für griechische Banken auch nach dem "Nein" zu den Sparvorgaben bei einem Referendum auf dem aktuellen Stand. Das teilte die Notenbank nach Beratungen des EZB-Rates am Montag in Frankfurt mit. Seit dem 26. Juni liegen die Kredite auf dem Niveau von knapp 90 Milliarden Euro. Nachdem Griechenland die Verhandlungen mit den Geldgebern abgebrochen hatte, wurden die Kredite nicht mehr angehoben.

+++ 22.45 Uhr: Fidel Castro gratuliert Tsipras +++

Kubas ehemaliger Präsident und Revolutionsführer Fidel Castro hat dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zu dessen "brillantem politischen Sieg" gratuliert. Er habe den Ausgang des Referendums über die internationalen Reformauflagen im Fernsehen verfolgt, schrieb der 88-Jährige in einem Brief an den Vorsitzenden der linksgerichteten Syriza-Partei. "Ihr Land ruft bei den Völkern Lateinamerikas und der Karibik Bewunderung hervor", indem es "seine Identität und seine Kultur gegen Aggressionen von außen verteidigt". Neben Castro hatten am Montag auch sein Bruder Raúl, der aktuelle Staatschef Kubas, die argentinische Präsidentin Christina Kirchner und der bolivianische Staatschef Evo Morales Tsipras gratuliert.

jek/ono / DPA / AFP / Reuters