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Indonesien: Über 270 Wahlhelfer sterben an Erschöpfung – Familien erhalten schwachen Trost

Nach den Mammutwahlen in Indonesien sind Hunderte Wahlhelfer gestorben, weil sie sich überarbeitet haben. Tausende weitere Arbeiter müssen medizinisch versorgt werden. 

Indonesien Wahl

Wahlhelfer tragen Pakete mit Stimmzetteln, die an Wahlstationen in der Provinz Sumatra Utara verteilt wurden

In Indonesien sind zehn Tage nach der Wahl mehr als 270 Wahlhelfer an den Folgen von Übermüdung und Erschöpfung gestorben. Das berichtet der "Deutschlandfunk" mit Berufung auf die Wahlkommision des südostasiatischen Inselstaats. Demnach müssen rund 2000 weitere Helfer wegen Überlastung ärztlich behandelt werden. 

Die Wahlen in der drittgrößten Demokratie der Welt waren in dem Land mit rund 193 Millionen Wahlberechtigten, verteilt auf 17.000 Inseln, ein logistisches Mammutprojekt. Letztlich gaben dem Portal "Nikkei Asian Review" zufolge rund 150 Millionen Menschen ihrem Stimmen an rund 800.000 Wahlstationen ab, was einer Beteiligung von knapp 80 Prozent entspricht. Insgesamt hat Indonesien mehr als 260 Millionen Einwohner.

Teilweise wurde 30 Stunden am Stück gezählt - bei sengender Hitze

Neben der Präsidentschaftswahl wurden auch das Parlament sowie Provinz- und Kommunalvertretungen neu gewählt. Die Abstimmungen wurden aus Kostengründen zusammengelegt, was allerdings eine weitaus höhere Arbeitsbelastung der Wahlhelfer zur Folge hatte. In manchen Bezirken füllten die Wähler bis zu fünf Wahlscheine aus, landesweit kamen bis zu 600 Millionen davon zusammen - die alle von Hand ausgezählt werden mussten beziehungsweise müssen. Da es manchmal bis zu 100 Kandidaten gab, wären manche Wahlzettel so groß wie Plakate, heißt es im Bericht. 

Manchmal hätte es daher bis zu 30 Stunden am Stück gedauert, die Karten auszuwerten, was zu auszehrenden Überstunden geführt hätte. Häufig wäre die Tätigkeit draußen durchgeführt worden, nicht selten bei Temperaturen von 30 Grad, in sengender Hitze. Eine große physische Belastung für die Wahlhelfer, die - anders als Angestellte im öffentlichen Dienst - nicht regelmäßig medizinisch durchgecheckt würden. 

Das offizielle Ergebnis wird im Mai bekannt gegeben

Den Medienberichten zufolge will die Wahlkommission die hinterbliebenen Familien der Verstorbenen mit je 36 Millionen Rupien entschädigen, etwa 2273 Euro. Laut "Nikkei Asian Review" entspricht der Betrag etwa einem Jahreseinkommen bei Mindestlohn.

Die Wahlergebnisse sollen am 22. Mai bekannt gegeben werden, bislang liegt Amtsinhaber Joko Widodo ersten Auszählungen zufolge bei den Präsidentschaftwahlen vorn. 

Quellen: "Deutschlandfunk", "Nikkei Asian Review"

Video: Wahl in Indonesien: Amtsinhaber Widodo führt laut Umfragen
rös