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Irak: Geiseldrama mit Happy End

Nach viermonatiger Geiselhaft im Irak sind zwei freigelassene französische Journalisten glücklich und gesund wieder nach Frankreich zurückgekehrt.

Präsident Jacques Chirac begrüßte Christian Chesnot und Georges Malbrunot am Mittwochabend auf dem Militärflughafen Villacoublay bei Paris. In bewegenden Szenen der Wiedersehensfreude umarmten Familienangehörige die beiden Journalisten. "Wir haben eine schwierige Zeit durchlebt, sind jedoch gut behandelt worden", sagte Malbrunot vor der Presse. Während ihrer 124-tägigen Geiselhaft hätten sie in fünf verschiedenen Häusern gelebt. "Wir haben niemals das Vertrauen in die Aktion der französischen Behörden verloren", sagte er.

Kein Lösegeld gezahlt

Chesnot und Malbrunot waren am 20. August südlich von Bagdad verschleppt worden. Der französische Geheimdienst hat allem Anschein nach eine große Rolle bei der Freilassung der beiden Männer gespielt. Chirac gratulierte dem Generaldirektor des Auslandsgeheimdienstes DGSE, Pierre Brochant, für die "Qualität seiner Aktion", hieß es in einer Mitteilung des Élysée-Palastes. Brochant befand sich zusammen mit Außenminister Michel Barnier an Bord der Falcon 900-Maschine, die die Journalisten nach einer Zwischenlandung von Zypern nach Paris gebracht hatte.

Premierminister Jean-Pierre Raffarin betonte, dass kein Lösegeld gezahlt worden sei. Dies sei "weder verlangt noch gezahlt worden", sagte er. In den französischen Medien war die Nachricht über die Freilassung mit großer Freude und öffentlichem Jubel aufgenommen worden. "Sie sind in guter körperlicher und seelischer Verfassung", sagte der Direktor von Radio France und Arbeitgeber Chesnots, Jean- Paul Cluzel.

Übergabe westlich von Bagdad

Bei der Freilassung am Dienstag seien die Journalisten auf einem freien Gelände westlich von Bagdad übergeben worden. Die Männer in ihrer Begleitung seien "schwer bewaffnet und nervös" gewesen, berichtete der Korrespondent des französischen Nachrichtensenders LCI. Chirac dankte den Politikern und Religionsführern, die sich für die Geiseln eingesetzt hatten. Die französischen Muslimverbände hatten sich in Bagdad und beim irakischen Islamischen Rat vehement für die Befreiung der Journalisten eingesetzt und dafür ihre Kritik am französischen Kopftuchverbot an Schulen eingestellt.

Chesnot und Malbrunot waren am 20. August südlich von Bagdad mit ihrem syrischen Fahrer verschleppt worden, als sie in die umkämpfte Schiitenstadt Nadschaf fahren wollten. Ihr Fahrer kam am 12. November bei der amerikanischen Eroberung von Falludscha frei. Von den etwa 160 seit dem Frühjahr im Irak verschleppten Ausländern wurden mehr als 30 ermordet. Chesnot arbeitet für Radio France International (RFI). Malbrunot war für den "Figaro" und RTL im Irak tätig.

DPA