Irak-Krise USA wollen Macht in Irak im Sommer abgeben


US-Zivilverwalter Paul Bremer will die neue Strategie dem irakischen Regierungsrat vorstellen, unterdessen fiel der 400. amerikanische Soldat

Die USA wollen die Macht in Irak bereits im Sommer kommenden Jahres an eine Übergangsregierung abgeben. US-Zivilverwalter Paul Bremer wollte die neue Strategie offiziell dem irakischen Regierungsrat vorstellen, wie ein Mitglied des Gremiums am Freitag ankündigte. Unterdessen stieg die Zahl der seit Kriegsbeginn in Irak getöteten US-Soldaten am Samstagmorgen auf 400.

Bremer informierte am Freitag Dschalal Talabani, den derzeitigen Vorsitzenden des Regierungsrats, über die neuen Pläne der USA, wie Ratsmitglied Mahmud Othman mitteilte. Die Strategie sehe einen Übergang zur Souveränität schon im Juni vor. Wie die Nachrichtenagentur AP aus US-Regierungskreisen erfuhr, sind Wahlen bereits in der ersten Jahreshälfte 2004 geplant. Noch vor der Ausarbeitung einer neuen Verfassung soll eine neue irakische Regierung eingesetzt werden. Bislang hatten die USA stets darauf bestanden, dass Wahlen erst nach In-Kraft-Treten einer Verfassung abgehalten werden sollten.

Bombe wartete am Straßenrand

Wie die US-Streitkräfte mitteilten, wurde am Samstag ein US-Soldat bei der Explosion eines Sprengsatzes am Straßenrand getötet. Er war das 400. amerikanische Opfer. Zwei weitere Soldaten wurden bei dem Anschlag verletzt. Bereits am Freitagabend hatte eine am Straßenrand versteckte Bombe einen Soldaten das Leben gekostet und drei weitere Soldaten verletzt, wie die Streitkräfte mitteilten.

Die britischen Streitkräfte haben seit Beginn des Kriegs am 20. März 52 Soldaten verloren. Bei einem Anschlag auf das italienische Hauptquartier zu Beginn dieser Woche wurden zwölf Carabinieri, vier Soldaten und drei Zivilpersonen getötet. Dänemark, Spanien, Polen und die Ukraine haben je einen Toten zu beklagen.

Rumsfeld äußert Verständnis für japanische Haltung

Die USA respektieren nach den Worten von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld die Entscheidung Japans, zunächst keine Truppen nach Irak zu entsenden. Die US-Regierung habe kein Problem damit, dass sich die japanische Regierung für die Entscheidung mehr Zeit lassen wolle, sagte Rumsfeld am Samstag auf einer Pressekonferenz in Tokio. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Freunde hier die Entscheidungen treffen, die ihnen angemessen erscheinen, und das ist es, was wir wollen“, sagte Rumsfeld.

Der japanische Verteidigungsminister Shigeru Ishiba erklärte, Tokio hoffe, so bald wie möglich über eine Entsendung von Soldaten entscheiden zu können. Die japanische Regierung hatte nach dem Anschlag auf eine italienischen Kaserne in der südirakischen Stadt Nassirijah am Mittwoch beschlossen, die geplante Abstimmung über die Stationierung von Truppen zu vertagen.

Am Samstag brach ein zehnköpfiges Erkundungsteam der japanischen Streitkräfte nach Irak auf, um die Sicherheitslage vor Ort zu prüfen. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Über die voraussichtliche Dauer der Reise machte er keine Angaben.

Der australische Verteidigungsminister Robert Hill räumte unterdessen ein, möglicherweise habe die Koalition das Ausmaß des Widerstands im Nachkriegsirak unterschätzt. Australien werde sich davon jedoch nicht abschrecken lassen und seine Soldaten nicht aus Irak abziehen, sagte Hill laut einer Meldung der australischen Nachrichtenagentur AAP.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker