Irak-Strategie Bush-Regierung denkt über Teilabzug nach


Jeden Tag sterben im Irak dutzende Zivilisten, die US-Armee hat über 3500 Soldaten verloren. Nun steht in der Bush-Regierung angeblich sogar ein Teilabzug zur Diskussion. Selbst Verteidigungsminister Gates drängt auf Veränderungen.

Die Regierung von US-Präsident George W. Bush diskutiert einem Zeitungsbericht zufolge angesichts der zunehmenden Kritik aus den eigenen Reihen verstärkt über einen Teilabzug aus dem Irak. Im Präsidialamt befürchte man, dass sich wegen der ausbleibenden Erfolge der Irak-Strategie des Präsidenten immer mehr Republikaner von Bush abwenden könnten, berichtete die "New York Times."

Daher rücke für die Regierungsriege immer mehr die Frage in den Mittelpunkt, ob Bush offiziell Pläne für einen allmählichen Abzug der US-Truppen zumindest aus den Gebieten ankündigen sollte, in denen die Amerikaner besonders hohe Verluste hinnehmen mussten. Dazu zählen zum Beispiel heftig umkämpfte Viertel in Bagdad.

Bericht zur Sicherheitslage im September

Die Zeitung zitierte hochrangige Mitarbeiter der Regierung und externe Berater, denen zufolge ein Zusammenbruch "der letzten Säulen der Unterstützung" im Senat droht. Bush und seine Vertrauten hofften eigentlich, in die Debatte um eine Änderung ihrer Irak-Strategie erst nach dem 15. September ernsthaft einsteigen zu müssen.

Dann will der US-Oberkommandierende im Irak, General David Petraeus, seinen mit Spannung erwarteten Bericht zur Sicherheitslage und zur innenpolitischen Entwicklung in dem Golfstaat vorlegen.

Bush verliert Unterstützung

Der von den oppositionellen Demokraten geführte Senat will nach Informationen der "New York Times" allerdings bereits in dieser Woche mit einer Debatte über den Krieg und dessen Finanzierung beginnen. Dabei könnten auch immer mehr Republikaner von Bush abrücken und sich in die Reihen der Kriegsgegner einordnen.

Erst kürzlich kündigten vier weitere republikanische Senatoren ihre Unterstützung auf. Viele haben Angst, bei den Wahlen im kommenden Jahr ihre Ämter an Demokraten zu verlieren, wenn sie weiterhin den von der US-Bevölkerung mehrheitlich abgelehnten Irak-Einsatz befürworten.

Halbierung der Patrouillen bis Anfang 2008

Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage sagte Verteidigungsminister Robert Gates kurzfristig eine seit langem geplante Reise nach Lateinamerika ab, um bei der Erstellung eines Irak-Berichts für den US-Kongress zu helfen, der bis spätestens Sonntag vorliegen muss.

Gates hat der „New York Times" zufolge hinter den Kulissen bereits auf eine Halbierung der Patrouillen in den besonders gefährlichen Gebieten des Irak bis Anfang kommenden Jahres gedrungen. Die übrigen US-Soldaten sollen sich demnach darauf konzentrieren, irakische Einheiten auszubilden, die Grenzen des Golfstaats zu schützen und gegen die Extremistengruppe al Kaida in der Region vorzugehen.

Reuters Reuters

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