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Iran Im Gewahrsam der Sittenpolizei gestorben: Tod von Mahsa Amini sorgt für Empörung im Iran

Mahsa Amiri im Krankenbett. Inzwischen ist die junge Frau gestorben.
Mahsa Amiri im Krankenbett. Inzwischen ist die junge Frau gestorben.
Ihr "Vergehen" war ein "unislamisches" Outfit. Als die 22-jährige Mahsa Amiri deswegen im Iran festgenommen wurde, starb sie kurz darauf. Nun ist das Land voller Trauer – und Empörung.

Der Tod einer jungen Frau im Gewahrsam der iranischen Sittenpolizei hat landesweit Empörung und Trauer ausgelöst. Die erst 22 Jahre alte Mahsa Amini war wegen eines "unislamischen" Outfits verhaftet worden. Wer für ihren Tod verantwortlich ist, ist bislang noch nicht geklärt.

Herzversagen oder Folter?

Klar ist: Mahsa Amini war am Dienstag während eines Familienbesuchs in der Hauptstadt Teheran von der Sitten- und Religionspolizei wegen eines sogenannten "unislamischen" Outfits festgenommen worden.

Danach unterscheiden sich zwei Versionen: Laut Polizeiangaben sei Mahsa Amini mit Herzversagen und einem epileptischen Anfall in Ohnmacht gefallen und mit "Unterstützung der Polizei und der Notdienste ins Krankenhaus gebracht worden". Danach sei sie ins Koma gefallen.

Die im Land kursierende Version ist deutlich drastischer: Nach der Verhaftung soll Mahsa Amini auf den Kopf geschlagen worden sein, was zu einer Hirnblutung, dem Koma und letztendlich zu ihrem Hirntod führte. Die Polizei weist diese Darstellung bislang vehement zurück.

"Unislamisches" Outfit: Wurde Amini trotz Hijab bestraft?

Auch der eigentliche Vorwurf des "unislamischen" Outfits ist bislang nicht eindeutig geklärt: Laut offiziellen Berichten habe Amini keinen Hijab als Kopfbedeckung getragen.

Andere Quellen sagen allerdings aus, dass Amini durchaus einen Hijab getragen habe, ihre Haare aber dennoch sichtbar gewesen seien – für die Sittenpolizei schon ausreichend als Verstoß.

Klage und Untersuchung sollen Klarheit bringen

Um den Vorfall aufzuklären, gibt es nun aus mehreren Richtungen Reaktionen: Der Bruder von Mahsa Amiri kündigte bereits eine Klage an. Parallel dazu wies Irans Präsident Ebrahim Raisi das Innenministerium an, mit einem Spezialteam von erfahrenen Polizisten und Gerichtsmedizinern umgehend Ermittlungen aufzunehmen.

Seit der Islamischen Revolution von 1979 gelten im Iran strenge Kleidungsvorschriften für Frauen. Genauso lange werden diese jedoch von Frauen, insbesondere in den Metropolen, ignoriert – sehr zum Ärger erzkonservativer Politiker. Die Sittenpolizei setzt die Kleidungsvorschriften teilweise auch mit Gewalt durch, was in den vergangenen Wochen zu Protesten und Trotzreaktionen von Frauen führte.

Am Samstag nahmen Tausende an der Beerdigung der 22-jährigen Mahsa Amini in ihrer Heimatstadt Saghes in Nordwestiran teil. Dabei soll es zu vereinzelten Protestrufen gegen die iranische Polizei gekommen sein. Auch in den sozialen Medien trauerten viele Iraner um die junge Frau. Kritik an der Sittenpolizei gab es auch im Parlament sowie seitens führender Kleriker, unter anderem von Ex-Präsident Mohammad Chatami. Ihrer Ansicht nach habe der Vorfall nicht nur das Ansehen des Landes, sondern auch das des Islams stark geschädigt.

Quellen: dpa, "Welt"

tvm DPA

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